Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am 1. Juni 2026 in Versailles ausländische Investitionszusagen in Rekordhöhe verkündet: 93 Mrd. Euro, verteilt auf 71 Projekte. Die Ankündigungen fielen beim Gipfel „Choose France“, mit dem der Élysée-Palast seit 2018 internationale Konzernchefs nach Frankreich holt, um die wirtschaftliche Attraktivität des Landes zu demonstrieren.
Neun Jahre nach dem Start des Formats meldet die Regierung damit die bislang höchsten Zahlen. Wie in den Vorjahren dient das Treffen als Bühne für große Versprechen – diesmal mit einem Betrag, der laut Élysée über den Ergebnissen der vergangenen Ausgaben liegt.
Präsidenten-Schaufenster – vor dem Hintergrund industrieller Probleme
So glatt, wie es die Rekordzahl nahelegt, ist das Bild allerdings nicht. Nach Darstellung von Le Monde verdeckt das Ergebnis nicht vollständig die Schwierigkeiten, die der französische Industriesektor seit zwei Jahren durchlebt. Die seit Jahren als Priorität ausgegebene Reindustrialisierung tue sich demnach schwer, vor Ort greifbare Resultate zu liefern.
Wie groß die Lücke zwischen Ankündigung und Realisierung sein kann, zeigt das Beispiel Disneyland Paris: Der Themenbereich „World of Frozen“ wurde im März 2026 eröffnet, angekündigt worden war er bereits bei „Choose France“ 2018. Das dazugehörige Investitionsvolumen lag bei 2 Mrd. Euro – und zwischen Versprechen in Versailles und tatsächlicher Eröffnung vergingen acht Jahre.
71 Projekte – viele Zusagen sind noch keine sofortigen Investitionen
Die 71 Ankündigungen bedeuten nicht automatisch, dass überall sofort Geld fließt. Ein Teil sind Absichtserklärungen, andere betreffen Kapazitätserweiterungen bestehender Standorte oder Vorhaben, die bereits teilweise finanziert sind. Wie belastbar die Summe von 93 Mrd. Euro am Ende ist, hängt daher am Detail – Projekt für Projekt.
Hinzu kommt der politische Kontext: Laut Le Monde dürfte es der letzte „Choose France“-Gipfel sein, den Macron in dieser Form leitet – vor der Präsidentschaftssequenz 2027. Gleichzeitig positionieren sich demnach bereits zwei frühere Premierminister Macrons, Gabriel Attal und Édouard Philippe, für die kommende Wahl.
Neun Ausgaben „Choose France“ – und die zentrale Frage nach der Umsetzung
Seit 2018 haben sich bei „Choose France“ über die Jahre Ankündigungen in Höhe von hunderten Milliarden Euro angesammelt. Ökonomen und Industriebeobachter stellen dabei vor allem eine Frage: Wie hoch ist die tatsächliche Umsetzungsquote – wie viele Projekte werden realisiert, in welchem Zeitraum und mit welchen konkreten Effekten auf Beschäftigung und Produktion in Frankreich?
Die nun verkündeten 93 Mrd. Euro dürften deshalb in den kommenden Monaten besonders genau verfolgt werden – je nachdem, wann und in welchem Umfang die beteiligten Unternehmen ihre Zeitpläne und Investitionsumfänge präzisieren.
