Auf dem französischen Atlantik-Archipel Saint-Pierre-et-Miquelon schlägt die lokale Föderation der Bau- und öffentlichen Arbeiten Alarm. Ohne verlässliche Planung bei öffentlichen Aufträgen sei die Existenz der Betriebe kurzfristig bedroht, warnt ihr Präsident Roger Hélène.
In einer Radio-Morgensendung fand Hélène drastische Worte: „Der Archipel Saint-Pierre-et-Miquelon ist auch ein Kind Frankreichs. Er ist dabei zu sterben, wenn nichts passiert.“ Hinter der Zuspitzung steht nach Angaben der Föderation ein konkretes Problem: fehlende Sichtbarkeit bei der Programmierung öffentlicher Märkte, die den Sektor zunehmend abwürge.
„Strukturelles Defizit“: Keine kurzfristige Delle, sondern ein Grundproblem
Roger Hélène spricht von einem „strukturellen Defizit des Territoriums“. Gemeint sei keine vorübergehende Krise, ausgelöst durch eine abgesagte Baustelle oder eine verspätete Bestellung. Nach Darstellung der Föderation handelt es sich um eine langjährige, grundlegende Verwundbarkeit, die die lokalen Unternehmen seit Jahren abfedern – und die nun eine kritische Schwelle erreicht habe.
Saint-Pierre-et-Miquelon vereint typische Belastungen vieler französischer Überseegebiete: große Entfernung, Insellage, geringe Bevölkerungszahl und hohe Logistikkosten. Gerade das Baugewerbe ist dort besonders abhängig von öffentlichen Aufträgen. Wenn diese sich verzögern oder ihre Planung unklar bleibt, können Handwerksbetriebe und Firmen weder Personal einstellen noch Projekte verlässlich vorbereiten.
Herbst als kritischer Punkt: Saisonfenster für Außenarbeiten schließt schnell
Hélène warnt vor einem engen Zeitfenster: „All diese Themen werden mittelfristig die Unternehmen benachteiligen, weil – wenn man weiß, dass der Herbst kommt und wir dem Winter gegenüberstehen – das eine Situation ist, die ernst werden kann.“ Auf dem Archipel drückt die Saisonalität besonders: Das Klima verkürzt die Zeit für Außenarbeiten deutlich.
Aus Sicht der Föderation kann ein unklarer Kalender öffentlicher Ausschreibungen zu Beginn des Sommers faktisch eine „verlorene Saison“ bedeuten. Entsprechend präzise ist die Forderung an die öffentlichen Stellen: ausreichend zeitliche und finanzielle Planbarkeit, damit sich die Unternehmen organisieren können, bevor Wetter und Winter die Baustellen ausbremsen.
Übersee-Kontext: Warnungen vor Budgetdruck gab es bereits 2025
Saint-Pierre-et-Miquelon steht mit dem Problem nicht allein. In den französischen Überseegebieten kommt es nach Angaben im Artikel wiederkehrend zu Spannungen bei öffentlichen Zuweisungen und der Investitionsplanung. Die Fedom hatte bereits 2025 vor den Folgen geplanter Budgetkürzungen für Übersee-Unternehmen gewarnt.
Die Intervention der lokalen Bau-Föderation bekommt damit zusätzliches Gewicht: Sie verlangt nach eigener Darstellung keine neuen Mittel, sondern vor allem Verlässlichkeit. Ein Archipel mit wenigen Tausend Einwohnern, weit weg von Entscheidungen in Paris, warte darauf, dass der Staat als Auftraggeber planbar handelt.
Sources
LEJOURNALDEMAYOTTE.YT – La Fedom alerte sur le sort réservé aux entreprises ultramarines …
