Die französische Familiengruppe Holder, bekannt durch ihre Bäckereikette Paul, hat für ihren Industriezweig Château Blanc ein gerichtliches Sanierungsverfahren („redressement judiciaire“) beantragt. Das Handelsgericht Lille Métropole wurde entsprechend angerufen.
Besonders im Fokus steht das Werk in Marcq-en-Baroeul bei Lille: Der Standort, an dem die Hälfte der insgesamt 400 Beschäftigten des Pols arbeitet, soll verkauft werden. Damit sind dort nach Angaben aus dem Unternehmensteil rund 220 Arbeitsplätze am stärksten von einer Schließung bedroht.
Château Blanc bündelt drei Produktionsstandorte in der Region Hauts-de-France. In Marcq-en-Baroeul werden auf 16.000 Quadratmetern mit acht Produktionslinien unter anderem Viennoiseries, Macarons und tiefgekühltes Brot hergestellt.
Werk lief zuletzt nur mit 37 Prozent Auslastung
Die Zahl, die die Krise am klarsten beschreibt: Im vergangenen Jahr lief die Fabrik in Marcq-en-Baroeul nur mit 37 Prozent ihrer Kapazität. Für eine Anlage dieser Größe, die sowohl den Lebensmitteleinzelhandel als auch die Schnellgastronomie beliefert, ist das ein kritisches Niveau.
Château Blanc kam dabei auf einen Umsatz von 89,7 Mio. Euro. Insgesamt beschäftigt der Industriezweig 400 Menschen; etwa 220 davon arbeiten am normannischen Standort – diese Belegschaft gilt als am unmittelbarsten von einer möglichen Schließung betroffen.
Zwei Standorte arbeiten vor allem für Holder selbst – Käufer für Marcq-en-Baroeul gesucht
Die beiden anderen Einheiten des Pols – in La Madeleine (Département Nord) und in Tilloy-lès-Mofflaines (Département Pas-de-Calais, nahe Arras) – stehen laut Darstellung besser da. Sie arbeiten demnach nahezu ausschließlich für die Holder-Gruppe selbst.
Für diese beiden Standorte hofft die Gruppe auf einen Fortführungsplan. Parallel sucht Holder einen Übernehmer für das Werk in Marcq-en-Baroeul.
Paul-Filialen nicht betroffen – Industriegeschäft gerät unter Druck
Die Trennlinie ist deutlich: Das Filialnetz von Paul ist von dem Verfahren nicht betroffen. Unter Druck steht vielmehr die großskalige Produktion, die stark von den Volumina des industriellen Marktes abhängt.
Nach Angaben aus dem Umfeld des Dossiers hatte das Werk seit mehreren Jahren Schwierigkeiten und fand nie zu einer tragfähigen Auslastung zurück. Zu Perspektiven einer Übernahme oder zu einem Zeitplan äußerte sich die Holder-Gruppe nicht.
Nun muss das laufende Gerichtsverfahren die Bedingungen einer möglichen Veräußerung und damit auch das Schicksal der betroffenen Beschäftigten festlegen. Holder selbst beziffert seinen Konzernumsatz auf 997 Mio. Euro; 60 Prozent davon werden international über 870 Shops erzielt.
