Der französische Technologiekonzern Thales hat 2025 mit 22,1 Mrd. Euro Umsatz erstmals die Marke von 20 Mrd. Euro übersprungen – und setzt für 2026 auf eine höhere operative Marge von 12,6 bis 12,8 Prozent.
Getrieben wird die Prognose vor allem vom Verteidigungsgeschäft und von einer Erholung der zivilen Avionik. Thales meldet zudem einen Bestwert bei den Bestellungen: 2025 lagen die Auftragseingänge bei mehr als 25 Mrd. Euro – ein Rekord, der dem Konzern nach eigenen Angaben eine ungewöhnlich hohe Visibilität über alle Sparten verschafft.
Hinter den Zahlen steht ein Trend, der auch in Deutschland die Debatten prägt: Europas Aufrüstung, beschleunigt durch den Krieg in der Ukraine und den Druck der Nato auf nationale Verteidigungshaushalte. Bei Thales schlägt sich das direkt in den Fertigungslinien nieder – etwa bei Radaren, Raketensystemen und Bordelektronik. Der Konzern hat nach eigenen Angaben in zusätzliche Produktionskapazitäten investiert, um die steigende Nachfrage bedienen zu können.
Operative Marge soll 2026 weiter steigen
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Thales eine operative Marge zwischen 12,6 und 12,8 Prozent. 2025 lag sie bei 12,4 Prozent. Der Abstand wirkt klein – bei einem Konzern mit mehr als 22 Mrd. Euro Umsatz bedeutet jedes Zehntel Prozentpunkt jedoch schnell mehrere Dutzend Millionen Euro.
Thales verweist auf eine kontinuierliche Verbesserung der operativen Profitabilität über mehrere Jahre hinweg. Als Treiber nennt der Konzern zwei Bereiche: den Hochlauf im Verteidigungsgeschäft, dessen Produktionsvolumina für europäische staatliche Aufträge erhöht wurden, sowie die wieder anziehende Nachfrage in der zivilen Avionik – im Zuge der Erholung des weltweiten Luftverkehrs.
| Exercice | Marge opérationnelle |
|---|---|
| 2025 (réalisé) | 12,4 % |
| 2026 (objectif) | 12,6 % à 12,8 % |
Source : Reuters
Rekord-Auftragsbestand – und eine Finanzstruktur ohne akute Klumpenrisiken
Dass Thales 2025 mehr als 25 Mrd. Euro an Bestellungen eingesammelt hat, ist für den Konzern mehr als ein Prestige-Wert. Ein solcher Auftragsbestand sichert über Jahre eine hohe industrielle Auslastung – und liefert die Grundlage, um Investitionen in Maschinen, Werke und Personal zu rechtfertigen.
Auch die Verschuldung stellt sich laut den veröffentlichten Daten stabil dar. Die gesamte Finanzverschuldung lag Ende 2024 bei 6,4 Mrd. Euro, nach 6,98 Mrd. Euro Ende 2023. Der Großteil ist in Euro denominiert, was das Wechselkursrisiko begrenzt. Zudem sind die Anleihefälligkeiten bis 2031 gestreckt, ohne eine riskante Konzentration auf einen einzelnen Termin. [2]
| Date | Dette totale |
|---|---|
| 31/12/2023 | 6 979,2 M€ |
| 31/12/2024 | 6 430,9 M€ |
Source : Les Echos Comfi
Parallel dazu investiert Thales nach eigenen Angaben jährlich 4,5 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung – mit Schwerpunkten auf Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit, Quantentechnologien und Cloud-Lösungen für kritische Umgebungen. Gerade im Exportgeschäft der Rüstungsindustrie zählt für staatliche Kunden zunehmend die technologische Leistungsfähigkeit, nicht nur der Preis. [5]
Pourquoi la performance Thales dépasse le seul résultat financier
85.000 Beschäftigte – Ausbau der Industrie unter dem Druck steigender Rüstungsbudgets
Thales beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 85.000 Menschen in 65 Ländern. Frankreich bleibt das industrielle Zentrum, zugleich ist der Konzern geografisch breiter aufgestellt: Regionale Großorganisationen in Australien, Großbritannien, den USA oder Saudi-Arabien haben inzwischen spürbares Gewicht in der Konzernrechnung.
Der Hochlauf im Verteidigungsbereich erfordert zusätzliche Einstellungen, Qualifizierung und Investitionen in Kapazitäten. Thales hat diesen Ausbau nach eigenen Angaben seit 2023 vorangetrieben – im direkten Zusammenhang mit steigenden Militärbudgets in Europa. Als aktive Auftraggeber in dieser Phase nennt der Konzern Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Polen und Australien.
Sozialpolitisch hat sich Thales ein Ziel für 2026 gesetzt: 75 Prozent der Führungsgremien sollen mindestens vier Frauen umfassen. Ende 2024 erfüllten 61,5 Prozent der Gremien diese Vorgabe, nach 52,6 Prozent ein Jahr zuvor. Der Anteil von Frauen in Positionen mit hoher Verantwortung lag Ende 2024 bei 21,1 Prozent – auf dem Pfad zu 22,5 Prozent bis zum Jahresende. [4]
Cyber und KI: Das weniger sichtbare, aber strategische Standbein
Neben klassischer Verteidigungstechnik und Luftfahrt verweist Thales auf sein Cybergeschäft. Im Juni 2026 veröffentlichte der Konzern seinen jährlichen Bericht zu Bedrohungen durch bösartige Bots – mit einer klaren Aussage: Automatisierte Angriffe, die durch Künstliche Intelligenz angetrieben werden, haben sich binnen eines Jahres um den Faktor 12,5 vervielfacht, basierend auf Daten der konzerninternen Threat-Research-Teams. Generative KI ermögliche inzwischen Bots, die klassische Erkennungsmechanismen umgehen – und damit APIs sowie kritische digitale Infrastrukturen neuen Risiken aussetzen. [5]
Dieses Cyber-Segment ist weniger öffentlichkeitswirksam als Großaufträge für Radare, beeinflusst aber die Bewertung des Konzerns und den Zugang zu besonders sensiblen Regierungsaufträgen. Staaten verlangen zunehmend integrierte Angebote – von Sensorik über Kommunikation bis zum Schutz von Daten. Thales gehört zu den wenigen europäischen Industriegruppen, die diese Kette vollständig abdecken.
Die Aktie ist an der Euronext Paris unter dem Kürzel HO notiert. Laut dem Bericht reagiert der Kurs besonders empfindlich auf Anpassungen der organischen Wachstumsprognosen – sichtbar etwa an einer Kurskorrektur von mehr als 6 Prozent innerhalb einer Sitzung nach einer jüngeren Veröffentlichung, die Analysten in genau diesem Punkt enttäuschte. [3]
Thales 2026 : les chiffres clés à retenir
- Thales a réalisé 22,1 milliards d'euros de chiffre d'affaires en 2025, dépassant le seuil symbolique des 20 milliards.
- Le carnet de commandes a franchi un record de plus de 25 milliards d'euros en 2025.
- La marge opérationnelle visée pour 2026 est comprise entre 12,6 % et 12,8 %, contre 12,4 % l'an dernier.
- Le groupe emploie plus de 85 000 personnes dans 65 pays et consacre 4,5 milliards d'euros par an à la R&D.
- 61,5 % des comités de direction comptaient au moins quatre femmes fin 2024, vers un objectif de 75 % en 2026.
Sources
4 sources · 5 faits sourcés
