Venturi Space will in Toulouse 250 Mio. Euro in ein neues Technologiezentrum investieren – und damit die Fertigung von Fahrzeugen für Mond- und Marsmissionen nach Südfrankreich holen. Geplant sind ein Standort mit 16.000 m² Fläche sowie 200 hoch qualifizierte Jobs bis 2030.
Die Ankündigung erfolgte am 1. Juni 2026 im Schloss von Versailles beim Investorenformat „Choose France“. Das monegassische Unternehmen, spezialisiert auf „Mobilität im All“, setzt dabei auf Toulouse als künftiges europäisches Hauptquartier. Firmenpräsident Gildo Pallanca Pastor fasst die Ambition so zusammen: „Wir haben die Technologien, die Erfahrung und die Partner, um weiter zu gehen.“
Venturi Space France ist in der Metropolregion Toulouse bereits seit Januar 2024 registriert; der Sitz liegt im Parc technologique du Canal in Ramonville-Saint-Agne. Mit dem Auftritt in Versailles macht das Unternehmen nun offiziell, was es nach eigenen Angaben seit zweieinhalb Jahren in der „Ville rose“ vorbereitet.
Ein Standort für die Rover von morgen
Das geplante Zentrum mit 16.000 m² soll Entwicklung und Montage von „Astromobilen“ bündeln – also Fahrzeugen, die in extremen Umgebungen funktionieren müssen. Im Fokus stehen laut Unternehmen unter anderem Hochleistungsbatterien, „hyperverformbare“ Räder und Systeme für das Energiemanagement. Die bis 2030 erwarteten 200 Ingenieurinnen, Ingenieure sowie Technikerinnen und Techniker sollen an Technologien arbeiten, die in Europa nur wenige Akteure beherrschen.
„Dieser Standort wird das Flaggschiff von Venturi Space in Europa sein“, sagt Dr. Antonio Delfino, Direktor für Raumfahrtangelegenheiten des Unternehmens. Die Teams würden „an kritischen Technologien, der Integration komplexer Systeme und der Montage von Astromobilen arbeiten, die dafür ausgelegt sind, sich in den extremsten Umgebungen zu bewegen“ [1].
Finanziell umfasst das Paket von 250 Mio. Euro laut Le Figaro zusätzlich 150 Mio. Euro, die zu bereits eingegangenen Verpflichtungen hinzukommen [4]. Für Venturi Space ist das ein Schritt in eine neue Größenordnung – nicht nur als Ankündigung, sondern als Industrieprojekt.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Angekündigtes Gesamtinvestment | 250 Mio. Euro |
| davon zusätzlich angekündigtes Investment 2026 | 150 Mio. Euro |
| Fläche des Technologiezentrums | 16.000 m² |
| Neue Stellen (Ziel 2030) | rund 200 hoch qualifizierte Jobs |
| Präsenz in Toulouse seit | Januar 2024 |
Quelle: Nice-Matin, Le Figaro
Artemis als industrieller Anker: NASA setzt ab 2028 auf CLV-1
Der Plan aus Toulouse ist eng mit einem US-Auftrag verknüpft. Die NASA hat den Rover CLV-1 von Venturi Astrolab – dem US-Partner von Venturi Space – ausgewählt, um im Artemis-Programm ab 2028 Astronautinnen und Astronauten auf der Mondoberfläche zu transportieren. Diese Auswahl macht das Investment in Toulouse aus Sicht des Unternehmens zu einer belastbaren Industrieentscheidung statt zu einer reinen Schaufensterankündigung.
Der Zeitplan ist entsprechend straff: Artemis verlangt operative Einsatzfähigkeit ab 2028. Damit muss das Zentrum in Toulouse schnell hochfahren. Die bis 2030 geplanten 200 Neueinstellungen verteilen sich damit auf weniger als vier Jahre – in einem Arbeitsmarkt, der in Toulouse durch Luft- und Raumfahrt bereits stark ausgelastet ist [2].
Hinzu kommt: Die französische Luft- und Raumfahrtbranche erzielte 2025 laut Artikel mehr als 85 Mrd. Euro Umsatz – ein Rekord. Venturi Space siedelt sich damit in einer Region an, in der bereits Airbus, das französische Raumfahrtzentrum CNES (Centre national d’études spatiales) und ein dichtes Netz spezialisierter Zulieferer sitzen. Für die Rekrutierung hoch spezialisierter Profile gilt Toulouse damit als einer der stärksten Standorte in Europa.
Warum diese Mond-Wette die französische Raumfahrt verändert
„Mona Luna“: Venturi setzt parallel auf einen komplett europäischen Rover
Jenseits von Artemis verfolgt Venturi Space eine zweite Linie: europäische Eigenständigkeit. Der Rover „Mona Luna“, 2025 in der Cité de l’Espace in Toulouse vorgestellt, ist vollständig in Europa entwickelt. Ein Einsatz wird für die Zeit um 2030 in Aussicht gestellt; die Montage soll am künftigen Standort in Toulouse erfolgen [3].
Genau diese Doppelstrategie – US-Programm auf der einen, europäische Autonomie auf der anderen Seite – macht das Projekt aus Sicht französischer Entscheider attraktiv. Toulouse würde damit nicht nur als Zulieferstandort für eine ausländische Raumfahrtagentur auftreten, sondern als Integrationsort für zwei unterschiedliche Märkte. Zugleich passt die Ankündigung in die Logik von „Choose France“, das Investitionen mit langfristiger technologischer Wertschöpfung anziehen soll.
Venturi Space baut zudem Standorte in der Schweiz und in Monaco aus – der industrielle Schwerpunkt liegt laut Artikel jedoch künftig klar in Toulouse [5].
Occitanie als Magnet für Raumfahrt- und Verteidigungstechnologien
Beim selben Gipfel wurde auch ein weiteres Großprojekt für die Region bekannt: Der portugiesische Drohnenhersteller Tekever will 100 Mio. Euro über fünf Jahre investieren und 100 Jobs in der Region schaffen. Damit steigt sein kumuliertes Engagement laut Artikel auf 200 Mio. Euro und insgesamt 200 Arbeitsplätze. Zusammen mit Venturi Space stärkt das die Position Okzitaniens als Zielregion für Technologien rund um Verteidigung und Exploration.
Für Venturi Space beginnt nun die operative Phase: Flächen sichern, Personal einstellen – und einen ersten einsatzfähigen Rover liefern, bevor Artemis-Astronautinnen und -Astronauten den Mond betreten. Der Termin 2028 lässt dabei kaum Spielraum.
Venturi Space in Toulouse: die wichtigsten Punkte
- Venturi Space France sitzt seit Januar 2024 in Ramonville-Saint-Agne (Metropolregion Toulouse).
- Das Technologiezentrum (16.000 m²) soll der Montage von Astromobilen für Mond und Mars dienen.
- Die NASA wählte den Rover CLV-1 von Venturi Astrolab für Artemis-Missionen ab 2028 aus.
- Der zu 100 Prozent europäische Rover „Mona Luna“ wurde 2025 vorgestellt und könnte in Toulouse montiert werden.
- Die Investition von 250 Mio. Euro umfasst zusätzlich 150 Mio. Euro, angekündigt bei „Choose France“ 2026.
- Gildo Pallanca Pastor ist Präsident von Venturi Space France.
Sources
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