Frankreichs Industrie stößt weiterhin auf spürbare Engpässe beim Personal. Das begrenzt die Fähigkeit der Unternehmen, Nachfrage zu bedienen – und erschwert die politische und wirtschaftliche Agenda der „Reindustrialisierung“, also die Rückverlagerung und den Ausbau von Produktion im Land.
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Trotz angekündigter Investitionen und neuer Standorte bekommen viele Betriebe ihre Stellen nicht besetzt. Gesucht werden quer durch die Werke und Entwicklungsabteilungen vor allem Produktionsmitarbeiter, Instandhaltungstechniker und Prozessingenieure.
Neu ist das nicht. Doch die Unternehmen beschreiben das Problem als strukturell – und damit als dauerhaften Bremsklotz, selbst wenn die Auftragslage und die Investitionsbereitschaft stimmen.
Arbeitsmarkt unter Druck: Von der Fertigung bis zum Konstruktionsbüro fehlen Bewerber
Die Rekrutierungsprobleme ziehen sich durch die gesamte industrielle Wertschöpfungskette – von den Montagelinien bis zu den Konstruktions- und Entwicklungsbüros. In einigen Industrieregionen trifft ein großes Stellenangebot auf einen zu kleinen oder „falsch“ ausgerichteten Bewerberpool.
Industrievertreter verweisen regelmäßig auf eine Lücke zwischen verfügbaren Ausbildungswegen und den Kompetenzen, die in der Praxis gebraucht werden. Besonders genannt werden Berufe rund um industrielle Instandhaltung, Schweißen und Automatisierung.
Für die Produktion hat das unmittelbare Folgen. Ein Werk, das nicht einstellen kann, hält Termine schlechter ein und kann neue Aufträge nicht im gewünschten Umfang annehmen. Für industrielle KMU ist der Effekt oft noch direkter, weil ihnen im Vergleich zu Großkonzernen weniger Spielraum bleibt, längere Vakanzen abzufedern.
Reindustrialisierung braucht Qualifikationen – doch der Aufbau dauert
Der Widerspruch ist offensichtlich: Frankreich hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, mehr Produktion ins Land zurückzuholen. Gleichzeitig hinkt der Aufbau des dafür nötigen Kompetenzfundaments hinterher.
Berufliche Bildung und Ausbildung im Rahmen von Lehre und dualen Programmen werden zwar ausgebaut, aber noch nicht in dem Tempo, das die in den vergangenen Jahren angestoßene Reindustrialisierungsdynamik verlangt.
Unternehmen reagieren mit Löhnen, Arbeitsbedingungen und Ausbildungspartnerschaften
Viele Betriebe versuchen, ihre Attraktivität zu erhöhen: mit Lohnanpassungen, veränderten Arbeitsbedingungen und Kooperationen mit berufsbildenden Schulen sowie Ausbildungszentren (CFA). Einzelne Branchen – etwa Chemie und Metallindustrie – haben zudem größere Rekrutierungskampagnen gestartet, um das Image von Berufen aufzupolieren, die bei jüngeren Generationen lange als wenig attraktiv galten.
Doch die Engpässe bleiben. Solange sich die Lücke zwischen dem Personalbedarf der Produktionsstandorte und den Absolventenzahlen nicht schließt, werden viele Unternehmen unter ihren Möglichkeiten produzieren – unabhängig davon, wie viel andernorts investiert wird.
