Frankreich meldet einen historischen Sprung bei ausländischen Investitionszusagen: Beim neunten „Choose France“-Gipfel am 1. Juni 2026 in Versailles wurden 93 Mrd. Euro angekündigt. Das sind 71 bestätigte Projekte und 15.600 in Aussicht gestellte Jobs – und damit mehr als die 87 Mrd. Euro, die über die acht vorherigen Ausgaben zusammenkamen.
Präsident Emmanuel Macron stellte die Zahl noch vor der offiziellen Eröffnung in den Gärten des Schlosses Versailles vor – an der Seite von Masayoshi Son, dem Chef des japanischen Technologiekonzerns SoftBank. Für Macron, der am Ende seiner zweiten Amtszeit steht, ist das nicht nur ein wirtschaftliches Signal, sondern auch ein politischer Schlusspunkt: ein Gipfel, dessen Bilanz „neun Jahre Geschichte“ überragt.
Die Dimension ist auch deshalb auffällig, weil sie an einem einzigen Tag zustande kam. Gleichzeitig bleibt – wie bei solchen Gipfeln üblich – die Frage im Raum, wie schnell und wie vollständig sich Zusagen später in Baustellen, Produktionslinien und Arbeitsverträge übersetzen.
SoftBank und KI-Boom treiben die Summe nach oben
Der Rekord erklärt sich vor allem durch eine einzelne Ankündigung: SoftBank will 45 Mrd. Euro in ein Programm für Rechenzentren investieren, das bis 2031 ausgerollt werden soll. Ohne diesen Block wäre die Gesamtsumme weiterhin hoch – der Abstand zu den Vorjahren aber deutlich weniger spektakulär.
Frankreich setzt dabei auf einen Standortvorteil, der für große KI- und Cloud-Akteure zentral ist: Strom mit niedriger CO₂-Bilanz. Nach Darstellung der Zeitung Les Echos gilt insbesondere die französische, weitgehend „dekarbonisierte“ Stromerzeugung – inklusive Kernenergie – als Argument im Wettbewerb um Rechenzentrumsstandorte mit möglichst kleinem CO₂-Fußabdruck.
In Versailles kamen mehr als 200 Unternehmenschefs aus rund 50 Ländern zusammen. Europäer stellten die Mehrheit, doch auch US-Manager waren trotz Handelskonflikten mit Washington mit 18 Prozent der Teilnehmer weiter stark vertreten. Für etwa die Hälfte der Anwesenden war es die erste Teilnahme an „Choose France“.
| Indicateur | Édition 2026 | Cumul éditions 1 à 8 |
|---|---|---|
| Investissements annoncés | 93 milliards € | 87 milliards € |
| Nombre de projets | 71 | N/D |
| Emplois créés | 15 600 | N/D |
| Dont Île-de-France | 7 milliards € (20 projets) | N/D |
| Chefs d’entreprise présents | +200 (50 nationalités) | N/D |
Quelle: Le Figaro, Le Figaro (Live)
Versailles als Bühne – Macron setzt auf „vereinfachen“ und „beschleunigen“

In seiner Abschlussrede sprach Macron auf Englisch zu den Investoren in den Schlossgärten. „Wir sind das attraktivste Land Europas“, sagte er – und nannte als Leitlinien „vereinfachen“ und „beschleunigen“. Die Rekordankündigungen seien „die Frucht der Reformen, der Beständigkeit, eines Ökosystems, das wir aufbauen konnten“.
Die Inszenierung ist seit 2018 eingespielt: Der Élysée-Palast (Sitz des französischen Präsidenten) lädt internationale Konzernchefs ein, organisiert bilaterale Treffen, Gesprächsrunden und Reden – und setzt dabei bewusst auf die Symbolik von Versailles. Politisch ist diese Ausgabe dennoch besonders: Es ist Macrons letzter „Choose France“-Gipfel in seiner Amtszeit.
Gleichzeitig reagiert der Gipfel auch auf Zweifel an der Substanz solcher Ankündigungen – also daran, ob sie später tatsächlich als Investitionen und Jobs „auf dem Boden“ ankommen. Die Bandbreite der Projekte ist entsprechend groß: von Rechenzentren über „dekarbonisierten“ Stahl und Logistik bis hin zur Produktion von Cookies.
Pourquoi ce sommet Choose France change l'échelle
Île-de-France zieht fast ein Drittel der Zusagen an
Besonders stark profitiert die Region Île-de-France rund um Paris: Die Regionalregierung und ihre Agentur Choose Paris Region beziffern ihren Anteil auf 20 ausländische Direktinvestitionen von zusammen mehr als 7 Mrd. Euro – verbunden mit „mehreren tausend“ Arbeitsplätzen. Das entspricht 30 Prozent aller nationalen Ankündigungen dieses Gipfels.
Choose Paris Region spricht in einer Mitteilung davon, die Île-de-France sei inzwischen „die zweitattraktivste Region Europas für ausländische Direktinvestitionen“ – mit einem Fokus auf „disruptive Technologien“.
Dass sich Kapital in Frankreich stark auf den Großraum Paris konzentriert, gilt als strukturelles Muster: Hauptsitze, Forschung und Entwicklung, Fachkräfte und Verkehrsinfrastruktur bündeln sich dort. Die Zahl – 7 Mrd. Euro von 93 Mrd. Euro, also knapp ein Drittel – macht diese geografische Schieflage jedoch erneut sichtbar.
Ein Rekord als Ergebnis einer seit 2018 aufgebauten Standortstrategie
„Choose France“ läuft nicht erst seit diesem Jahr: Die erste Ausgabe fand 2018 statt, in einer Phase von Reformen am Arbeitsmarkt und bei der Unternehmensbesteuerung. Seither orchestriert der Élysée jährlich eine wirtschaftsdiplomatische Großveranstaltung – mit Einladungen an internationale Topmanager, Gesprächen und öffentlichen Auftritten. Dass Versailles als Ort gewählt wird, ist Teil der Strategie: Symbolik soll die Botschaft verstärken.
Warum die Ausgabe 2026 so stark ausfällt, führt der Bericht auf mehrere Faktoren zurück: die weltweit steigende Nachfrage nach Rechenzentren, die französische Stromversorgung als Standortargument, mehr Investoren aus Asien und dem Golfraum – und eine Lage, in der Europa inmitten eines Handelskonflikts als stabilere Alternative sichtbarer wird. Macron selbst verwies dabei auf „Vorhersehbarkeit“ und den „Rechtsstaat“ als europäische Vorteile in geopolitisch unruhigen Zeiten.
Mit dem Rekord wächst aber auch der Prüfstein: Welcher Anteil der 93 Mrd. Euro wird sich in konkrete Projekte übersetzen – in eröffnete Baustellen, laufende Produktion und unbefristete Arbeitsverträge? Frühere Gipfel sahen teils, dass Ankündigungen sich über die Zeit abschwächten. Zugleich zeigen die kumulierten 87 Mrd. Euro der ersten acht Ausgaben, dass ein erheblicher Teil real wird – auch wenn die offizielle Kommunikation die Nachverfolgung einzelner Projekte nur begrenzt offenlegt.
Besonders deutlich ist der Zeithorizont beim größten Einzelposten: SoftBanks 45 Mrd. Euro für Rechenzentren sind bis 2031 angelegt. Ob und wie schnell daraus Infrastruktur und Jobs entstehen, wird sich damit weit über das Ende von Macrons Amtszeit hinaus zeigen.
Choose France 2026 : les chiffres clés à retenir
- 93 milliards d'euros d'investissements étrangers annoncés lors de la 9e édition de Choose France, le 1er juin 2026 à Versailles.
- Ce montant dépasse à lui seul les 87 milliards cumulés des huit premières éditions du sommet.
- SoftBank (Japon) a promis 45 milliards d'euros pour des data centers en France, d'ici à 2031.
- 71 projets ont été annoncés, représentant 15 600 emplois créés sur le territoire national.
- L'Île-de-France concentre 30 % des annonces nationales, soit plus de 7 milliards d'euros et 20 projets.
- Plus de 200 chefs d'entreprise de 50 nationalités étaient présents, dont 18 % d'Américains malgré les tensions commerciales.
Sources
3 sources · 5 faits sourcés
