Der CAC 40 hat im Februar 2026 seinen stärksten Monat seit mehr als einem Jahr hingelegt und dabei ein neues Allzeithoch markiert. Doch hinter den glänzenden Kursen steckt eine Entwicklung, die für Frankreichs Realwirtschaft unerquicklich ist: Die 40 größten Börsenwerte des Landes hängen immer weniger am heimischen Konjunkturzyklus.
Im Februar 2026 legte der Pariser Leitindex um 5,6 % zu – der beste Monat seit dem Sprung um 7,7 % im Januar 2025. In der Woche vor dem Monatsultimo erreichte der CAC 40 intraday 8.642,23 Punkte. Das steht im Kontrast zu einem schwachen Jahresauftakt: Im Januar 2026 war der Index um 0,28 % auf 8.126,53 Punkte gefallen, belastet durch französische Haushaltsunsicherheiten, geopolitische Risiken und die Volatilität an den Devisenmärkten.
Diese Zahlen, so argumentiert Gabriel Gaspard – Unternehmer im Ruhestand und Spezialist für Finanzökonomie – in einem Beitrag in La Tribune, verdecken eine zentrale Realität: Der CAC 40 bilde nicht mehr die französische Wirtschaft ab, sondern sei eher ein Schnappschuss der globalen Konjunktur.
Mehr als 75 % der Umsätze entstehen außerhalb Frankreichs
Die großen Konzerne im Index erwirtschaften inzwischen mehr als 75 % ihrer Erlöse im Ausland. Die Banque de France stellt zudem fest, dass rund 50 % des Kapitals im CAC 40 von Nicht-Ansässigen gehalten werden. Für die Unternehmensführungen zählen Liquidität, Bewertung und der Zugang zu internationalen Investoren – etwa über Notierungen in New York, die Bündelung von Aktivitäten in den USA oder globalisierte Wertschöpfungsketten.
Wer Aktien von Total, LVMH oder Airbus kauft, setzt damit nach dieser Logik vor allem auf weltweites Wachstum – nicht auf das französische Bruttoinlandsprodukt. Gleichzeitig schrumpft der Anteil Frankreichs am globalen BIP weiter.
Die Folge: Die Finanzmärkte erfüllen laut Gaspard immer weniger die Rolle eines Transmissionsriemens hin zu französischen mittelgroßen Unternehmen. Der Staat subventioniere zwar große Gruppen, doch kleine und mittlere Unternehmen sowie ETI (entreprises de taille intermédiaire – in etwa der deutsche Mittelstand im engeren Sinn) blieben von den großen Kapitalströmen abgekoppelt, obwohl sie den Großteil der Beschäftigung und eine regional verankerte Wachstumsdynamik tragen.
Kapitalbesteuerung: laut Gaspard jährlich 4,5 Mrd. Euro weniger Einnahmen
Gaspard sieht mehrere ungenutzte fiskalische Hebel. Die Umwandlung der Vermögensteuer ISF in eine Immobilienvermögensteuer IFI im Jahr 2018 ließ die Einnahmen nach seinen Angaben von 1,29 Mrd. Euro (2018) auf 1,83 Mrd. Euro (2022) steigen. Wäre die ISF beibehalten worden, hätte sie 2022 seinen Berechnungen zufolge rund 6,3 Mrd. Euro eingebracht – ein jährliches Minus von 4,5 Mrd. Euro.
Auch die sogenannte Flat Tax steht in der Kritik: Das OFCE hatte von Beginn an geschätzt, dass die pauschale Abgeltung (prélèvement forfaitaire unique) von 30 %, eingeführt 2017, die Steuerlast um etwa 4 Mrd. Euro pro Jahr senken würde – stark konzentriert auf die wohlhabendsten Haushalte. 2026 wurde dieser Satz lediglich auf 31,4 % angehoben. Gaspard plädiert außerdem dafür, sogenannte carried interests – sofern die Vergütungsnatur es rechtfertigt – wie gewöhnliche Einkommen zu besteuern, und für eine außergewöhnliche Zusatzstufe auf sehr hohe Einkommen statt punktueller Nachjustierungen.
Breitere Treiber für 2026 – aber die Entkopplung bleibt
Frédérique Nakache, Fondsmanagerin und Spezialistin für französische Aktien bei Ofi Invest AM, hatte im März 2026 darauf hingewiesen, dass nach einem Jahr 2025, das von Bank- und Rüstungswerten getragen wurde, 2026 auch andere Sektoren den Index nach oben ziehen könnten. Das wäre eine willkommene Diversifizierung für den Pariser Markt.
An der Grundgleichung ändert das jedoch wenig: Die Börsenperformance des CAC 40 und die wirtschaftliche Verfassung des französischen Mutterlands folgen inzwischen zwei unterschiedlichen Kurven.
