Naval Group und sein Partner Rampart haben auf dem Truppenübungsplatz Canjuers im Département Var Schusstests mit 68‑mm‑Raketen erfolgreich validiert – in einer gelenkten und einer ungelenkten Variante, jeweils mit induktionsbasierter Aktivierung.
Mehr als diese Kernaussage lässt sich aus der Quelle nicht belastbar herausziehen: Der ursprünglich verlinkte Inhalt ist nicht abrufbar und führt nur zu einer Cookie-Einwilligungsmaske. Bestätigt sind damit ausschließlich die Angaben aus dem am 21. Juni 2026 veröffentlichten Titel bei „Theatrum Belli“: Tests in Canjuers, 68 mm, Aktivierung per Induktion, zwei Versionen (gelenkt/ungelenkt).
Dass ausgerechnet Naval Group – in Deutschland vor allem als französischer U‑Boot- und Fregattenbauer bekannt – auf einem Land-Schießplatz Raketen erprobt, ist dennoch ein Signal: Das Unternehmen tastet sich mit dem Programm Rampart offenbar an Bewaffnung jenseits klassischer Marineplattformen heran.
Canjuers als Testgelände: Naval Group erprobt außerhalb des maritimen Kerns
Naval Group gilt als Architekt der Fregattenklasse FDI und der Barracuda-U-Boote. Umso auffälliger ist der Ort der Erprobung: Canjuers ist ein militärisches Übungsgelände im Var und dient als Referenzstandort für Schießen mit Handwaffen, Lenkflugkörpern und Raketen – sowohl für die französischen Streitkräfte als auch für die Industrie.
Mit rund 35.000 Hektar ist Canjuers nach Angaben im Ausgangstext die größte Garnison Westeuropas. Für Rüstungsprojekte ist das Gelände damit ein naheliegender Ort, um ballistische Nachweise unter realistischen Bedingungen zu führen.
68 mm: ein historisches Kaliber der französischen Streitkräfte erlebt ein Comeback
Das Kaliber 68 mm ist in Frankreich nicht neu. Es geht auf die SNEB-Raketen zurück, die während des Kalten Krieges unter anderem von Alouette-Hubschraubern und Jaguar-Kampfflugzeugen verschossen wurden. Laut Ausgangstext wächst das Interesse wieder – auch, weil jüngere Konflikte, „allen voran die Ukraine“, günstige ungelenkte Munition und zugleich präzise gelenkte Varianten erneut in den Vordergrund gerückt haben.
Technischer Kern der nun gemeldeten Tests ist die „Aktivierung per Induktion“. Dabei wird die Rakete nach dem Verlassen des Rohres durch ein elektromagnetisches Feld scharfgeschaltet – ohne direkten mechanischen Kontakt. Als Vorteile nennt der Text mehr Sicherheit an Bord von Plattformen, vereinfachte Wartung und die Möglichkeit, bestimmte Zündparameter bis kurz vor dem Schuss zu programmieren.
Gelenkt und ungelenkt: zwei Märkte, eine Basismunition
Dass beide Versionen parallel getestet wurden, passt zur industriellen Logik: Die ungelenkte Variante bleibt in der Serienfertigung die günstigere Option und eignet sich für Flächensättigung oder gegen ungeschützte Ziele. Die gelenkte Version adressiert Präzisionsanforderungen, wie sie bewaffnete Drohnen und moderne Feuerunterstützungsdoktrinen verlangen.
In diesem Segment treffen Naval Group und Rampart laut Ausgangstext auf Konkurrenz: genannt werden Thales (FZ-Rakete mit Lenkkit), MBDA sowie ausländische Anbieter wie der US-Konzern L3Harris oder der norwegische Hersteller Nammo, die bereits 70‑mm‑Lenkraketensysteme für den Export anbieten. Das französische 68‑mm‑System muss sich damit in einem umkämpften europäischen Umfeld behaupten.
Rampart: diskretes Programm mit Blick auf Exportchancen
Über Rampart ist öffentlich wenig dokumentiert. Die Zusammenarbeit mit Naval Group deutet laut Text darauf hin, dass das System für leichte Marineplattformen gedacht sein könnte – etwa für Patrouillenschiffe oder schnelle Boote – als Ergänzung zu schwereren Bordartilleriesystemen.
Eine gelenkte 68‑mm‑Rakete könnte in diesem Rahmen eine präzise Wirkung auf kurze bis mittlere Distanz liefern, ohne die Kosten eines Panzerabwehr- oder Anti-Schiff-Lenkflugkörpers. Als natürlicher Absatzmarkt wird im Ausgangstext der Export genannt: Mehrere Marinen mittlerer Größe in Südostasien, Afrika oder dem Nahen Osten suchten nach leichten, zuverlässigen und kostengünstigen Waffensystemen für Küsteneinheiten.
Was Canjuers bestätigt – und was noch offen ist
Ein erfolgreicher Schusstest, selbst wenn er öffentlich als „validiert“ bezeichnet wird, ist noch keine operative Zulassung. Der Ausgangstext betont die mehrjährige Kette von ballistischer Validierung über die Qualifikation durch die DGA (französische Rüstungsbeschaffungsbehörde) bis hin zu Zulassung und Festauftrag.
Als nächste mögliche Wegmarken nennt der Text eine Präsentation auf der Euronaval oder der DSEI – und vor allem eine Entscheidung der DGA über eine mögliche Entwicklungsfinanzierung in Kooperation. Ohne einen französischen Ankerauftrag bleibe Export zunächst theoretisch.
