In der französischen Automobilbranche gibt es einen historischen Wechsel: Virginie de Pierrepont ist zur Präsidentin der französischen Automobilindustrie-Filière ernannt worden – als erste Frau in der Geschichte des Sektors.
Der Schritt ist in einem Umfeld bemerkenswert, das lange von denselben Profilen geprägt war. Die „filière automobile“ – ein Branchenverbund, der Hersteller, Zulieferer und Subunternehmer zusammenführt – wird damit erstmals von einer Frau geführt.
Die Ernennung fällt in eine Phase, in der die Industrie unter hohem Veränderungsdruck steht: Elektrifizierung, europäische Regulierung und wachsende Konkurrenz aus Asien setzen die Unternehmen und ihre Interessenvertretung zugleich unter Zugzwang.
Ein Bruch mit der Tradition in einem Schlüsselbereich der Industrie
Virginie de Pierrepont folgt auf eine lange Reihe männlicher Präsidenten an der Spitze der Arbeitgebervertreter der Automobilbranche in Frankreich. Ihre Ernennung hat damit auch eine symbolische Dimension – in einem Sektor, der in Frankreich mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze umfasst und sich derzeit beschleunigt wandelt.
Zu ihrem vollständigen Werdegang und zu den genauen Modalitäten der Amtsübernahme sind in den bislang vorliegenden Informationen keine Details veröffentlicht worden. Bekannt wurde die Personalie über L’Automobile Magazine.
Das Blatt wird in den verfügbaren Angaben als aktive Publikation beschrieben; der Sitz ist demnach am 48 boulevard Flandrin in Paris. Die Geschäftsführung liegt laut offiziellen INSEE-Daten bei Jean Brunelle. Allein die Ernennung wird in der Branche als Signal eines Generationenwechsels an der Spitze der repräsentativen Gremien gewertet.
Branche unter Druck: EU-Verbrenner-Aus, E-Autos und Lieferketten
Für die neue Präsidentin beginnt die Aufgabe in einer besonders dichten Phase. Die Verhandlungen über den europäischen Zeitplan für das Verbot von Verbrennungsmotoren, der Hochlauf der Elektrofahrzeuge und die Neuordnung von Lieferketten rücken die Verbandsführung ins Zentrum konkreter industriepolitischer Entscheidungen.
Dass diese Verantwortung nun an eine Frau geht, steht zugleich für eine – wenn auch langsame – Verschiebung der internen Kräfteverhältnisse in einem Bereich, der lange als besonders geschlossen gegenüber atypischen Profilen galt. Die kommenden Monate bleiben eng getaktet: Der Anteil von Elektroautos an den Neuwagenverkäufen steigt, die Produktionsvolumina in Frankreich stehen weiter unter Druck, und die Entscheidungen über Kaufprämien und Förderinstrumente sorgen weiterhin für Diskussionen mit „Bercy“ – dem französischen Finanzministerium.

