Auf Wallis und Futuna, einem kleinen französischen Archipel im Südpazifik, gibt es keine Einkommensteuer – gleichzeitig liegt der gesetzliche Mindestlohn bei nur 754 Euro brutto im Monat. Damit verdient man dort weniger als die Hälfte des französischen SMIC in der Metropole, der bei knapp 1.800 Euro brutto liegt.
Der Abstand ist mehr als eine Frage unterschiedlicher Lebenshaltungskosten. Er hängt mit einem eigenen Rechts- und Steuersystem zusammen: Wallis und Futuna ist eine französische Überseegebietskörperschaft („collectivité d’outre-mer“) nach Artikel 74 der Verfassung – mit Sonderregeln, die sich deutlich vom französischen Kernland unterscheiden.
Keine Einkommensteuer – aber eine Wirtschaft am Tropf des Staates
Wallis und Futuna wendet den französischen allgemeinen Steuercode nicht an. Die Folge: Kein Haushalt zahlt Einkommensteuer an die Steuerverwaltung. Was dem Staat dadurch auf der einen Seite entgeht, gleicht er auf der anderen Seite aus – denn das Gebiet lebt nahezu ausschließlich von staatlichen Zuweisungen, die den Großteil der lokalen öffentlichen Einnahmen ausmachen.
Die Marktwirtschaft ist dort nur schwach ausgeprägt, der Privatsektor stark begrenzt. Wichtigster Arbeitgeber ist der öffentliche Dienst. Die Steuerfreiheit ist damit kein gezielter Standortvorteil, um Kapital oder wohlhabende Zuzügler anzulocken, wie es in anderen Inseljurisdiktionen vorkommt. Sie spiegelt vielmehr eine Wirtschaftsstruktur wider, die nicht groß genug ist, um eine nennenswerte Einkommensteuerbasis zu erzeugen.
754 Euro Mindestlohn: Folge eines eigenen Status
Dass der Mindestlohn bei 754 Euro liegt, hat denselben Ursprung: Wallis und Futuna verfügt über ein eigenes Arbeitsrecht, getrennt vom Arbeitsrecht der Metropole. Nationale Tarifverträge gelten nicht automatisch, und lokale Lohnverhandlungen starten von einer strukturell niedrigen Ausgangsbasis.
Für die rund 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner kommt hinzu, dass importierte Produkte zu den teuersten im französischen Überseegebiet zählen – wegen der großen Entfernung und fehlender Größenvorteile. Die reale Kaufkraft bleibt damit unter Druck, trotz fehlender Abzüge auf Einkommen.
So existieren innerhalb derselben französischen Verwaltungsgrenzen zwei Realitäten nebeneinander: eine auf dem Papier sehr leichte Besteuerung – und ein Lohnniveau, das Wallis und Futuna deutlich unter die nationalen Standards drückt.
