Über Lann-Bihoué im Département Morbihan hat sich am Sonntag, 10. Mai 2026, ab 8.30 Uhr der Himmel gefüllt: Mehr als sechs Stunden lang zeigte die Marinefliegerbasis bei Lorient ein großes Flugmeeting zu ihrem 80. Geburtstag. Auf dem Programm standen unter anderem ein Spitfire RM927, eine P-51 Mustang, ein Corsair F4U, die Kunstflugstaffel Patrouille de France sowie Fluggeräte der französischen und ausländischen Streitkräfte, des Zivilschutzes und des Zolls.
Nach Angaben der französischen Marine (Marine nationale) wurden für den Tag 40.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Das Meeting verband dabei zwei Jubiläen: 80 Jahre Base d’aéronautique navale (BAN) Lann-Bihoué und 400 Jahre französische Marine.
Es ging nicht nur um Show: Der gesamte Erlös der Veranstaltung ist laut Bericht für soziale Zwecke zugunsten von Militärangehörigen bestimmt – darunter Marinesoldaten und Piloten, Verwundete, Menschen mit Behinderung sowie hospitalisierte Kinder und ihre Familien.
Von 1912 bis 1946: Die Vorgeschichte beginnt lange vor der heutigen Basis
Die maritime Luftfahrt rund um Lorient reicht in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. 1912 wurde in Lorient ein erstes Luftfahrtkomitee gegründet, das Veranstaltungen zur Förderung der Marinefliegerei organisierte. Der damalige Marineminister sagte zu, eines von zwölf im April 1914 bestellten Wasserflugzeugen „Ville de Lorient“ zu nennen.
Ab 1917 richtete die französische Marine auf dem linken Ufer des Scorff das „Centre aéromaritime de Lorient“ ein – mit dem Auftrag, deutsche U-Boote aufzuspüren. Diese frühe Rolle erklärt, warum die Geschichte der heutigen Basis oft „80 Jahre und sogar ein bisschen mehr“ umfasst.
Die heutigen Start- und Landebahnen entstanden dagegen während der deutschen Besatzung: Die deutsche Armee baute auf dem Gelände im Morbihan, rund 9 Kilometer westlich von Lorient, eine Basis. 1946 übernahm die französische Marine das Areal und richtete dort Lann-Bihoué ein. Der Kommandant der Basis, Kapitän zur See Jean-Michel Aumenier, fasst den Auftrag in einem Satz zusammen: „Ein Fackellicht, das weiter leuchten muss.“
Der Aufstieg zur strategisch zentralen Rolle dauerte Jahrzehnte. Ab 1964 wurde Lann-Bihoué zur Hauptbasis der Seefernaufklärung und U-Boot- sowie Überwasserschiff-Bekämpfung an der Atlantikküste. Von 1964 bis 1968 operierten dort die Flottillen 12F und 14F mit F-8E(FN) Crusader. Nach 1970 kamen vier Flottillen und eine Staffel hinzu. Mit der Schließung der BAN Nîmes-Garons im Jahr 2011 wurde die Konzentration weiter verstärkt: Die gesamte maritime Atlantik-Patrouille lief fortan in Lann-Bihoué zusammen.
800 Hektar, fünf Flottillen, rund 2.200 „Marins du ciel“
Vom Boden aus wirkt Lann-Bihoué wie eine eigene Kleinstadt: 800 Hektar mit Pisten, Lagerhallen, Feldern und Straßen. Laut Wikipedia ist die Basis die zweitgrößte militärische Luftwaffenbasis Frankreichs und die größte Marinefliegerbasis Europas. Sie erstreckt sich über die Gemeinden Ploemeur, Gestel und Quéven.
Auf dem Gelände befindet sich außerdem der zivile Flughafen Lorient-Bretagne Sud. Hinzu kommen eine luftmaritime Überwachungsbrigade des Zolls sowie in unmittelbarer Nähe ein Hubschrauberstützpunkt des französischen Zivilschutzes.
Stationiert sind fünf Flottillen der französischen Marineflieger: 4F, 21F, 23F, 24F und 28F. Die 4F fliegt Grumman E-2C Hawkeye und gehört zur Trägerluftgruppe (Groupe Aérien Embarqué). Für Ausbildung und Vorbereitung auf den Einsatz an Bord werden in Lann-Bihoué zudem Dassault Rafale betreut, die sonst von der BAN Landivisiau aus operieren und vom nuklear angetriebenen Flugzeugträger Charles de Gaulle eingesetzt werden. Insgesamt sind dauerhaft rund 2.200 „Marins du ciel“ und etwa 30 Luftfahrzeuge vor Ort.
| Indicateur | Valeur |
|---|---|
| Superficie | 800 hectares |
| Personnel (“marins du ciel”) | environ 2 200 |
| Aéronefs présents | une trentaine |
| Flottilles stationnées | 5 (4F, 21F, 23F, 24F, 28F) |
| Rang en Europe | 1re base aéronavale |
| Rang en France | 2e base aérienne militaire |
| Fondation | 1946 |
| Visiteurs attendus au meeting (10 mai 2026) | 40 000 |
Source : Wikipédia et ICI Breizh Izel
Traditionsraum: Wie die Basis ihre eigene Geschichte bewahrt
In einem unscheinbaren Gebäude, das früher als Kantine diente, liegt der sogenannte „Salle des traditions“ – ein Traditionsraum, in dem die Basis ihre Vergangenheit sammelt. Flugzeugteile, Fotografien, Karten, Texte und Uniformen dokumentieren, was Lann-Bihoué in 80 Jahren erlebt hat, verteilt auf mehrere Räume.
Öffentlich zugänglich ist dieser Ort nur selten. Das Meeting am 10. Mai bildete eine Ausnahme: Geplant waren Ausstellungen zur Geschichte der Basis für die erwarteten 40.000 Gäste – flankiert von einem Ausstellerdorf und Rekrutierungsständen.
Der Zweck des Meetings ging damit über das Jubiläum hinaus. Nach Angaben von Mer et Marine werden die Einnahmen vollständig an militärische Sozialwerke weitergegeben – zur Unterstützung von Verwundeten, Familien, hospitalisierten Kindern und Menschen mit Behinderung. Eine lokale, in der Bretagne verankerte Solidaritätsaktion – passend zu einer Basis, die vom Atlantik aus U-Boote überwacht, so wie sie es, in anderer Form, bereits 1917 tat.
