Vietnam will bei der Stromversorgung nicht ins Risiko gehen: Das Ministerium für Industrie und Handel hat eine Arbeitssitzung einberufen, um „konkrete Lösungen“ für die Versorgung mit importierter Kohle zu finden. Ein erheblicher Teil der vietnamesischen Stromproduktion hängt von diesen Lieferungen ab.
Hintergrund sind anhaltende Spannungen auf den globalen Energiemärkten. Die Regierung in Hanoi bringt deshalb die Akteure der Branche an einen Tisch, um die Kohleimporte zu planen, die für den Betrieb der Kohlekraftwerke in diesem Jahr und in den Folgejahren benötigt werden.
Kohle bleibt ein tragender Pfeiler im vietnamesischen Strommix. Das Land muss Importe nutzen, um die heimische Förderung zu ergänzen, die nach Angaben des Ministeriums nicht mehr ausreicht, um den Strombedarf zu decken, der mit dem industriellen Wachstum steigt. Entsprechend wird die Absicherung dieser Lieferströme als Frage der nationalen Energiesicherheit behandelt.
Beschaffung unter Druck: volatile Märkte, Logistik und Konkurrenz in Südostasien
Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die internationalen Kohlemärkte weiterhin von starken Schwankungen geprägt sind. Vietnams Einkäufe im Ausland stoßen demnach auf logistische Hürden, Preissprünge und wachsenden Wettbewerb zwischen Importländern in Südostasien.
Vietnam steht dabei nicht allein: Auch Nachbarstaaten in der Region versuchen parallel, eigene Mengen abzusichern. In der Sitzung sollte deshalb geklärt werden, welche Lieferanten verfügbar sind, welche Volumina benötigt werden und welche Vertragsmodelle geeignet sind, um Defizite in der Stromproduktion zu verhindern – besonders in Zeiten hoher Nachfrage.
Ministerium prüft Alternativen, um die Abhängigkeit von Importkohle zu senken
Neben der kurzfristigen Absicherung der Lieferungen arbeitet das Ministerium laut Bericht an Optionen, die strukturelle Abhängigkeit von Kohleimporten zu verringern. Dazu zählt die Entwicklung alternativer Energiequellen; endgültige Entscheidungen oder konkrete Festlegungen wurden bislang jedoch nicht veröffentlicht.
Diese Doppelstrategie – kurzfristig Versorgung sichern, mittelfristig diversifizieren – spiegelt den Zielkonflikt vieler aufstrebender Volkswirtschaften in Asien: Sie müssen eine schnell wachsende Stromnachfrage bedienen, ohne die Handelsbilanz zusätzlich zu belasten oder ihre Position auf den internationalen Märkten für fossile Energieträger zu schwächen.
