Medadom, spezialisiert auf Telekonsultations-Kabinen in Apotheken und bei Optikern, ist in das Next40 aufgenommen worden. Die Liste gilt als wichtigstes Schaufenster der „French Tech“ – also der staatlich getragenen Initiative zur Förderung französischer Start-ups – und wurde im Rahmen der VivaTech 2026 bekanntgegeben.
Der Schritt ist für das Unternehmen mehr als ein Prestige-Erfolg: Mit dem Next40 rückt Medadom in den Kreis der Firmen, denen Frankreich das Potenzial zutraut, in Europa oder sogar weltweit Gewicht zu bekommen. Medadom setzt dabei auf ein klar umrissenes Modell: Medizinische Versorgung dort anbieten, wo Menschen ohnehin hingehen – in die Apotheke oder ins Optikgeschäft.
Zugelassener Anbieter in einem streng regulierten Markt
Der Markt, in dem Medadom arbeitet, ist seit den Fehlentwicklungen während der Covid-19-Krise eng reguliert. Der Staat hat eine vorherige Zulassung vorgeschrieben, wenn Plattformen mit der Krankenversicherung (Assurance maladie) bei erstattungsfähigen Telekonsultationen zusammenarbeiten wollen.
2024 wurden 13,9 Millionen Telekonsultationen übernommen – allerdings ausschließlich über sieben zertifizierte Plattformen. Medadom gehört zu dieser Liste, neben Tessan Med, Qare, Medaviz, Livi, MedecinDirect und EOS Care.
Doctolib bleibt außen vor – Medadom besetzt die Lücke
Doctolib, der dominierende Terminvermittler für Arztbesuche in Frankreich, taucht in dieser Zulassungsliste nicht auf. Die Plattform von Xavier Niel und seinen Partnern wurde wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung sanktioniert und bleibt damit außerhalb des Bereichs der erstattungsfähigen Telekonsultation.
Genau diese Lücke nutzt Medadom – mit einem physischen Modell, das im Apothekennetz verankert ist und sich von der reinen Videosprechstunde von zu Hause unterscheidet.
VivaTech als Bühne für die French-Tech-Signale
Die VivaTech gilt als der Ort, an dem Ankündigungen aus der French Tech ihre mediale Wucht entfalten. Der Next40-Einzug von Medadom wird dort als Bestätigung eines hybriden Ansatzes präsentiert – an der Schnittstelle von digitaler Gesundheit und Nahversorgung.
Medadom ist damit kein reiner App-Anbieter: Das Unternehmen stützt sich auf eine physische Infrastruktur aus Kabinen in Verkaufsstellen. Das schafft eine Eintrittshürde, die rein digitale Wettbewerber nur schwer nachbauen können.
Next40: Seismograf für Frankreichs Start-up-Elite
Das Next40-Ranking wird jährlich von der Mission French Tech aktualisiert, die dem für Digitalpolitik zuständigen Ministerium zugeordnet ist. Es versammelt die 40 am weitesten entwickelten französischen Start-ups – gemessen an Finanzierungsrunden und Wachstumsperspektiven.
Ein Platz im Next40 öffnet Türen: leichterer Zugang zu öffentlichen Aufträgen, mehr internationale Sichtbarkeit, ein starkes Signal an Investoren.
Der nächste Test: Regulierung, Dichte des Netzes, Konkurrenzmodelle
Für Medadom geht es nun darum, den Status langfristig zu untermauern. Der Markt der erstattungsfähigen Telekonsultation bleibt an die begrenzte Zahl zugelassener Plattformen und an die Gesundheitspolitik der Assurance maladie gekoppelt.
Wie stabil das Modell ist, hängt damit ebenso von der Regulierung ab wie von der Fähigkeit, Kabinen in einem ausreichend dichten Netz auszurollen – um gegenüber Sprechstunden von zu Hause und Gesundheitszentren bestehen zu können.
