Renault Group und der Rüstungselektronik-Konzern Thales haben auf der Militärmesse Eurosatory bei Paris eine Vereinbarung geschlossen, um die Produktion der ferngesteuerten „Munition téléopérée“ Toutatis massiv hochzufahren: von bislang rund 100 Stück pro Jahr auf 1.000 Einheiten pro Monat ab 2027. Die Systeme sind nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts vor allem für den Export vorgesehen.
Bisher war Toutatis ein Nischenprodukt aus den Thales-Werkstätten: gefertigt per 3D-Druck, Stück für Stück, in einer Größenordnung von etwa 100 Exemplaren jährlich. Mit dem am 16. Juni 2026 in Villepinte angekündigten Schulterschluss ändert sich die Logik – weg von handwerklicher Kleinserie, hin zu industrieller Massenfertigung.
Die Zusammenarbeit geht auf den Herbst 2024 zurück. Damals brachte die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA (Direction générale de l’armement) die beiden Gruppen im Rahmen des „Pacte drones“ zusammen. Rund 18 Monate später steht nun ein konkreter Industrieplan – und für Renault ist es bereits das zweite als „strategisch“ bezeichnete Verteidigungsprojekt nach der Kooperation mit dem Mittelständler Turgis & Gaillard für die Drohne Chorus, deren Produktion Ende 2026 im Renault-Werk in Le Mans anlaufen soll.
Ein Kamikaze-Drohnenkonzept, neu gedacht für die Großserie
Toutatis wird nicht einfach von einer „Manufaktur“-Linie auf ein Fließband geschoben. Nach Angaben beider Gruppen wurde die Drohne für hohe Stückzahlen grundlegend überarbeitet. Das System ist etwa einen Meter lang, hat eine Spannweite von rund 60 Zentimetern und zwei Tragflächen – eine vorne, eine hinten.
Die Drohne trägt eine Sprengladung in der Größenordnung von etwa einem Kilogramm, ausgelegt, um ein leicht gepanzertes Fahrzeug zu neutralisieren. Die Flugzeit liegt bei rund 30 Minuten, die Reichweite wird mit 10 bis 30 Kilometern angegeben.[1]
Der entscheidende Hebel für die Industrialisierung: das Design. Durch die Neukonstruktion sei die Zahl der Teile und Befestigungen um 30 bis 40 Prozent gesunken, teilen Renault und Thales mit. Statt 3D-Druck einzelner Komponenten soll künftig Kunststoffspritzguss in Großserie zum Einsatz kommen – ein Verfahren, das Renault aus der Automobilproduktion beherrscht. Prototypen aus der neuen Architektur sollen zunächst unter Realbedingungen getestet werden, bevor die Serienfertigung startet.[5]
| Paramètre | Avant (Thales seul) | Après (Thales + Renault, dès 2027) |
|---|---|---|
| Cadence de production | ~100 unités/an | 1 000 unités/mois |
| Procédé de fabrication | Impression 3D | Injection plastique grande série |
| Nombre de pièces | Référence | -30 % à -40 % |
| Portée | 10 à 30 km | |
| Autonomie | ~30 minutes | |
| Charge militaire | ~1 kg, tête interchangeable | |
Source : La Tribune, Le Monde
Produktion in Frankreich – der Standort ist noch offen

Fest steht: Produziert werden soll in Frankreich. Wo genau, ist noch nicht entschieden. Renault habe sich noch nicht auf einen Standort festgelegt, sagte Konzernchef François Provost bei der Pressekonferenz am Thales-Stand auf der Eurosatory. Auch zu den finanziellen Konditionen der Partnerschaft machten die Unternehmen keine Angaben.[3]
Provost beschreibt den Beitrag des Autobauers so: „Renault Group bringt in das Projekt TOUTATIS seine industrielle Expertise und die besten Standards der Automobilindustrie ein, um zu konzipieren, zu industrialisieren und in großem Maßstab zu produzieren – in kürzeren Fristen und zu geringeren Kosten.“
In ihrer gemeinsamen Mitteilung formulieren beide Konzerne das Ziel so: „Diese strategische Partnerschaft verbindet die technologische Exzellenz von Thales in der Verteidigung mit der Expertise von Renault in der industriellen Konzeption, um eine souveräne, agile und wettbewerbsfähige Drohnen-Wertschöpfungskette aufzubauen, die den Herausforderungen der Kriegswirtschaft voll entspricht.“[4]
Pourquoi ce drone kamikaze compte pour la BITD française
Export zuerst – Frankreichs Armee setzt auf „technologische Wachsamkeit“
Thales-Chef Patrice Caine machte auf der Eurosatory keinen Hehl aus der Vermarktungsstrategie. Toutatis richte sich vorrangig an „Länder, deren Konfliktniveau potenziell höher ist als in Westeuropa“. Osteuropa zählt demnach zu den ersten Zielmärkten.[2]
Die französischen Streitkräfte verfolgen laut den Angaben aus dem Projektumfeld eine andere Linie: Sie wollen bei Innovationen auf dem Laufenden bleiben, ohne große Bestände aufzubauen, die schnell veralten könnten. Das passt zur Logik solcher ferngesteuerten Munition – Systeme, die im Einsatz „verbraucht“ werden und nicht wie schwere Waffensysteme über Jahrzehnte eingelagert werden.
Beim Preis blieb Caine vage, aber angriffslustig, als es um die Konkurrenz ging – etwa um Damoclès von KNDS-Delair oder Akeron RCX 50 von MBDA. Toutatis sei „super compétitif“, also „super wettbewerbsfähig“. Eine Zahl nannte er nicht.
Vom Infanteristen bis zur Marineplattform: Toutatis soll flexibel einsetzbar sein
Toutatis kann nach Angaben aus dem Projekt von einem Soldaten eingesetzt, von einem Gefechtsfahrzeug gestartet oder auch von einem Luftfahrzeug beziehungsweise einer Marineplattform aus genutzt werden. Das System gilt als widerstandsfähig gegen elektromagnetische Störmaßnahmen und trägt je nach Auftrag einen austauschbaren Gefechtskopf.
Zudem ist ein Einsatz im Schwarm vorgesehen – ein Hinweis auf Konzepte, die auf Sättigung gegnerischer Luftverteidigung zielen. Für potenzielle Kunden ist genau diese Modularität ein Verkaufsargument: ein System, das in sehr unterschiedlichen Lagen genutzt werden kann, ohne die Logistik mit vielen Varianten aufzublähen.
Renault drängt in die Rüstungsindustrie – Partnerschaft für Partnerschaft
Für Renault ist Toutatis bereits das dritte Engagement im Verteidigungsbereich. Zuerst kam die Kooperation mit Turgis & Gaillard für die Drohne Chorus (Produktionsstart Ende 2026 in Le Mans). Am Montag vor der Toutatis-Ankündigung hatten Renault und Thales außerdem gemeinsam einen Prototyp eines zivilen Mehrzweckfahrzeugs vorgestellt: den „4 Troop“, entwickelt für Anforderungen der Landstreitkräfte.
Die Linie ist klar: Renault bringt Fertigungswissen und französische Werke in Programme, bei denen Tempo beim Hochlauf und Kostenkontrolle inzwischen ähnlich stark zählen wie technische Leistungswerte. Die ersten Toutatis aus der Großserie werden für 2027 erwartet.
Toutatis Renault Thales : les chiffres clés du programme
- Thales produit actuellement Toutatis à raison d'environ 100 unités par an en impression 3D.
- Le partenariat vise 1 000 unités par mois dès 2027, soit une multiplication par 100 de la cadence.
- Le nombre de pièces du drone a été réduit de 30 % à 40 % grâce à une refonte complète du design.
- Toutatis mesure environ 1 mètre de long, vole 30 minutes et peut atteindre des cibles à 10-30 km.
- L'usine de production sera en France, mais le site exact n'a pas encore été désigné.
- Le drone est destiné en priorité à l'export, notamment vers l'Europe de l'Est.
Sources
5 sources · 5 faits sourcés
