Die französischen Antillen wollen im Karibikraum zur Drehscheibe für den Containerumschlag aufsteigen. Eine Recherche der Wirtschaftszeitung „Les Echos“ zeigt: Mit dem Wachstum steigt auch das Interesse des organisierten Kokainhandels.
Martinique und Guadeloupe planen, ihre Häfen als regionale Transshipment-Hubs zu positionieren – als Umschlagplätze zwischen transatlantischen Routen und den Märkten Lateinamerikas. Genau diese Lage macht die Inseln attraktiv für die Logistikbranche, aber auch verwundbar: Laut einer Untersuchung von Les Echos geraten die Großprojekte zunehmend ins Visier von Drogennetzwerken, die die Karibik durchziehen.
Beide Übersee-Départements teilen eine strukturelle Schwachstelle: Sie liegen an einer Schnittstelle zwischen Europa und Seewegen, über die große Mengen Kokain aus Südamerika laufen. Mehr Hafenleistung bedeutet damit auch mehr Angriffsfläche – für Einschleusungsversuche, Korruption und Manipulationen entlang der Lieferketten.
C-Hub Antilles Guyane: die neue Trägerstruktur hinter dem Hub-Projekt
Um die Hub-Strategie organisatorisch zu bündeln, wurde eine eigene Gesellschaft gegründet: C-HUB ANTILLES GUYANE, eingetragen unter dem Handelsnamen C-HUB. Die Gesellschaft wurde am 2. April 2025 als SAS (eine in Frankreich verbreitete Aktiengesellschaftsform) gegründet und hat ihren Sitz am 574 chemin Pays Mêlé in Le Lamentin auf Martinique.
Präsidentin ist Valérie Platon. Laut offiziellen Daten von INSEE und INPI, abrufbar über data.gouv.fr, ist die Struktur aktiv. Die Gründung unterstreicht den politischen und wirtschaftlichen Willen, das Hub-Projekt institutionell zu verankern – ausgerechnet in einer Phase, in der die Debatte über Hafensicherheit in den französischen Antillen spürbar an Druck gewinnt.
Strategische Häfen – und wachsende Risiken für Zoll und Polizei
Die Karibik gilt seit Jahren als eine der wichtigsten Transitregionen für Kokain auf dem Weg nach Europa. Häfen in Martinique und Guadeloupe sind dabei Infrastruktur unter französischem Recht – mitten in einem Raum, der intensiv überwacht wird, aber nie vollständig zu kontrollieren ist.
Gerade das Ziel des „Hub Antilles“, die umgeschlagenen Mengen zu erhöhen, verschärft die Lage: Mehr Container, mehr Umläufe, mehr Komplexität – und damit eine schwierigere Arbeit für Zoll und Sicherheitsbehörden.
„Les Echos“ verweist zudem auf Erkenntnisse aus anderen europäischen Hafenstandorten, allen voran Antwerpen: Kriminelle Organisationen passen sich dem Ausbau von Umschlagzentren an – etwa durch die Korruption von Personal, das Verstecken von Drogen in legalen Containern oder durch gefälschte Frachtpapiere und Manifeste. Die zentrale Frage der Recherche lautet deshalb: Wurde die Sicherheitsdimension beim Ausbau der Antillen-Häfen von Beginn an mitgedacht?
Eine detaillierte öffentliche Antwort der Hafenbehörden oder des französischen Staates zu den vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen gebe es bislang nicht, heißt es in dem Bericht.
Wirtschaftliche Chance – und ein Reputationsrisiko für die ganze Strategie
Für Martinique und Guadeloupe geht es um mehr als Logistik. Ein regionaler Hub würde Wertschöpfung anziehen – und damit qualifizierte Jobs in Umschlag, Logistik und Dienstleistungen für Reedereien. Zugleich könnte die stärkere Einbindung in karibische Lieferketten die Abhängigkeit von direkten Verbindungen mit dem französischen Mutterland verringern.
Doch der Preis kann hoch sein, wenn die Sicherheitslage kippt. Werden Hafenanlagen mit wiederholten Sicherstellungen oder Korruptionsaffären in Verbindung gebracht, droht ein Reputationsschaden, der Investoren und internationale Reedereien abschreckt. In der Branche zählen Governance und Sicherheitsstandards zu den harten Standortfaktoren.
Die Veröffentlichung der „Les Echos“-Recherche fällt damit in eine Phase, in der wirtschaftlicher Ehrgeiz und Sicherheitsimperativ offen gegeneinanderstehen. C-Hub Antilles Guyane unter Präsidentin Valérie Platon, geführt von Le Lamentin aus, wird zeigen müssen, dass beides zusammengeht.
