DeutschIsula Festival in Marseille: Korsika setzt auf digitale Infrastruktur – und braucht...

Isula Festival in Marseille: Korsika setzt auf digitale Infrastruktur – und braucht dafür den Hub am Mittelmeer

Date:

Kann Korsika gemeinsam mit Marseille zum Testfeld werden, um Infrastruktur mit Hilfe digitaler Technologien klimafreundlicher zu machen? Genau diese praktische Frage stand im Zentrum des Isula Festival, das vom 7. bis 9. Juni in Marseille stattfand.

Die von Audrey Lucchinacci getragene Veranstaltung, die sich den Verbindungen zwischen Korsika und der Provence widmet, brachte Akteure zusammen, die an den Umbrüchen direkt beteiligt sind. Bei der zentralen Diskussionsrunde ging es um Verkehr, Energie, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft – und darum, wie sich Infrastruktur an ökologische und wirtschaftliche Anforderungen anpassen lässt.

Marseille und Korsika: Zwei Räume, die zusammen gedacht werden sollen

Kévin Polizzi, Präsident der Unitel Group, formulierte den Ausgangspunkt der Debatte klar: Die Infrastrukturen von Marseille und Korsika seien komplementär – und sie würden die Wirtschaft der Region neu ordnen. Gemeint ist dabei mehr als klassische Logistik.

Für Polizzi endet „Transport“ nicht bei Menschen und Waren. Es gehe auch um „den Transport von Daten“, sagte er. Gemeint sind Unterseekabel, Knotenpunkte der Konnektivität und Informationsströme zwischen Festland und Insel – als Teil einer gemeinsamen Infrastrukturstrategie.

Marseille ist bereits einer der wichtigsten Anlandepunkte für Unterseekabel im Mittelmeer. Korsika wiederum ist geografisch eingeschlossen und für ernsthafte digitale Ambitionen auf diese Anbindung angewiesen. Genau diese Verbindung zwischen Inselraum und Festlandsinfrastruktur wollte das Isula Festival sichtbar machen: nicht zwei getrennte Einheiten, sondern ein Ökosystem, das gemeinsam geplant werden muss.

Digitalisierung und KI: Nicht als Zusatz, sondern als Bestandteil der Planung

In der Runde wurde deutlich: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sollen nicht länger als nachträgliche „Schicht“ auf Infrastrukturprojekte gesetzt werden. Sie müssten von Beginn an mitgedacht werden – auf einer Stufe mit Energieauflagen oder Dekarbonisierungszielen.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Inselregionen bei Technologieinvestitionen oft das Nachsehen haben. Digitalisierung als Hebel für energie- und wirtschaftspolitische Souveränität zu definieren, verschiebt den Fokus: weg von „Tech um der Tech willen“, hin zu Technologie als Werkzeug für ein Entwicklungsmodell, das zu einem räumlich begrenzten und strukturell eingeschränkten Gebiet passt.

In dieselbe Logik ordneten die Beteiligten die Kreislaufwirtschaft ein: weniger Abhängigkeit von Zuflüssen (Rohstoffe, importierte Energie, exportierter Abfall), mehr Optimierung dessen, was vor Ort vorhanden ist. Digitale Systeme können dabei helfen – etwa durch die Nachverfolgung von Materialströmen, die Optimierung lokaler Energienetze oder eine intelligentere Steuerung von Verkehrsflüssen.

„Labor der ökologischen Transformation“ – ambitioniert, aber nicht ohne Hürden

Die Leitfrage der Debatte – ob Korsika und Marseille ein „Labor der ökologischen Transformation“ werden können – wurde ernsthaft diskutiert, ohne sie zu verklären.

Korsika bringt mehrere Eigenschaften mit, die Experimente begünstigen: eine überschaubare Größe, eine hohe Energieabhängigkeit (die Insel ist nicht an das kontinentale Netz gekoppelt), eine ausgeprägte Umweltsensibilität in der lokalen Öffentlichkeit und ein Akteursfeld, das zwar nicht groß, aber oft stark engagiert ist. Das sind, so die Logik der Diskussion, genau die Bedingungen, unter denen Pilotprojekte funktionieren können: hoher Druck, klar abgegrenztes Gebiet, identifizierbare Beteiligte.

Marseille steuert andere Faktoren bei: kritische Masse, geostrategische Lage im Mittelmeer und eine dichte digitale Infrastruktur, die die Stadt zur „Eingangstür“ macht. Die Komplementarität sei real – was noch fehle, sei eine gemeinsame Governance, um daraus konkrete Projekte zu machen.

COâ‚‚-Besteuerung und Reedereien: Das Signal des korsischen Verkehrsamts

Das Festival fand vor dem Hintergrund statt, dass auch die Betreiber der Fähr- und Seeverbindungen zwischen Festland und Korsika unter Druck stehen. Das Office des transports de Corse (korsisches Verkehrsamt) habe jüngst ein Entgegenkommen gegenüber den Reedereien bei der CO₂-bezogenen Besteuerung gezeigt – ein Signal, dass die Dekarbonisierung der maritimen Verbindungen nun als offenes Dossier gilt, nicht als fernes Zukunftsthema.

Für eine Insel, deren Wirtschaft strukturell auf diese Verbindungen angewiesen ist, ist das ein heikler Punkt. Eine Fähre bedeutet Güter, Reisende – und eine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, die weder Digitalisierung noch Kreislaufwirtschaft „mit einem Strich“ beseitigen können. Die Umstellung werde lang und teuer, so der Tenor. Das Isula Festival habe nicht das Gegenteil behauptet.

Was die Debatte über den Reifegrad vor Ort verrät

Eine Querschnittsrunde zu Infrastruktur, Digitalisierung, Energie und Kreislaufwirtschaft unter dem Leitmotiv „Umwelt und Souveränität“ zu organisieren, werteten die Veranstalter als Zeichen einer gereifteren Debatte. Vor zehn Jahren seien diese Themen noch in getrennten Silos behandelt worden.

Das Isula Festival setzt in seiner Anlage auf Durchlässigkeit zwischen Korsika und der Provence statt auf administrative Grenzen. Darin liegt, so die Lesart der Veranstaltung, der praktische Mehrwert: Akteure aus zwei Räumen sollen eine gemeinsame Sprache für gemeinsame Herausforderungen finden. Polizzi brachte es in einem Satz auf den Punkt: Die Infrastrukturen beider Gebiete seien komplementär und würden die regionale Wirtschaft neu konfigurieren. Entscheidend bleibt, ob daraus finanzierte, gemeinsam gesteuerte Projekte entstehen.

Antoine Colonna
Antoine Colonna
Antoine Colonna, rédacteur régional(e) — La Voix de France. Textes produits avec l'assistance de l'IA et relus par notre équipe éditoriale.

Sur le même sujet

Championnat de Bretagne Enduro : une moto électrique gagne en duo, 3 tours d’incertitude puis la fuite

Xavier Flick et Pierre Goupillon ont remporté dimanche 23 août la première manche du championnat de Bretagne enduro...

Coalition des volontaires pour l’Ukraine : Paris, Berlin et Londres coprésidents à Kiev, Zelensky réclame 300 missiles Patriot pour l’hiver

La Coalition des volontaires pour l'Ukraine se réunit ce lundi 24 août à Kiev, jour du 35ᵉ anniversaire...

À 18 ans, Ayyoub Bouaddi rejoint Manchester City pour 100 M€ et pulvérise le record de vente de la Ligue 1

Lille boucle la vente d'Ayyoub Bouaddi à Manchester City pour 100 millions d'euros, établissant un nouveau record pour...

Un robot chinois bat Usain Bolt sur 100 m en 9,39 secondes : Pékin affiche sa domination en robotique aux World Robot Games 2026

Des robots humanoïdes chinois ont battu plusieurs records sportifs humains ce week-end à Pékin, dont le mythique 100...