In Neukaledonien hat das Hochkommissariat der Republik – die Vertretung des französischen Staates in dem Pazifik-Archipel – den Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen für die Woche der Provinzwahlen 2026 untersagt. Die Maßnahme ist als Prävention gegen Störungen der öffentlichen Ordnung begründet und soll nach dem Urnengang wieder aufgehoben werden.
Die Inselgruppe steht seit den schweren Unruhen von 2024 weiter unter besonderer Beobachtung. Eine „dauerhafte Stabilität“ habe sich seither nicht wieder eingestellt, heißt es im Kontext der Entscheidung – entsprechend hoch ist die Sensibilität rund um den Wahltermin.
Wichtig: Das Verbot betrifft ausdrücklich nur den Außer-Haus-Verkauf. Der Konsum in Bars und Restaurants bleibt erlaubt. Parallel läuft ein breiteres Sicherheitsdispositiv, das auch den Einsatz „in signifikanter Zahl“ von Sicherheitskräften umfasst.
Alkohol-Auflagen als bekanntes Instrument der Behörden
Solche Einschränkungen sind in Neukaledonien nicht neu. Bereits im September 2025 hatte das Hochkommissariat den Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen vom 18. bis 28. September untersagt – im Vorfeld kanakischer Gedenkzeremonien für zwei junge Menschen, die bei einem Gendarmerie-Einsatz in Saint-Louis getötet worden waren. Gleichzeitig wurden damals Tausende Gendarmen im Gebiet eingesetzt [1].
Auch im Dezember 2024, als eine seit dem 14. Mai geltende Ausgangssperre aufgehoben wurde, kehrte der Außer-Haus-Verkauf nur teilweise zurück – und zwar mit strikten Obergrenzen: vier Liter für Bier oder Cidre, zwei Liter für Wein, ein Liter für Spirituosen [4].
Die Linie folgt einer seit den Unruhen im Mai 2024 etablierten Logik. Auslöser war damals die Abstimmung über eine Wahlrechtsreform, die von Unabhängigkeitsbefürwortern abgelehnt wurde. Laut lokalen Behörden starben in den Gewalttaten 13 Menschen, darunter zwei Gendarmen; es gab Hunderte Verletzte, Tausende Festnahmen und mindestens 2,2 Mrd. Euro Sachschaden.
Provinzwahl am 28. Juni: Streit um das Wahlregister bleibt zentral
Die Provinzwahlen finden am 28. Juni 2026 statt – in einem Umfeld, in dem die Frage des Wahlkörpers weiterhin als Konfliktpunkt gilt. Nachdem ein Projekt für ein Verfassungsgesetz Anfang April in der Nationalversammlung scheiterte, debattierte das Parlament in einem Eilverfahren über einen Text, der darauf zielt, den Wahlkörper für den Archipel zu erweitern.
Währenddessen läuft der Wahlkampf vor Ort auf Hochtouren. Am 20. Juni war die Unabhängigkeitsliste „Unis pour le pays“, angeführt von Louis Mapou, in Bourail unterwegs, um mit Einwohnerinnen und Einwohnern zu sprechen. Themen waren die Lebenshaltungskosten und die Rolle der traditionellen Autoritäten („coutumiers“) in der Provinzpolitik.
Mapou warb dafür, dass die Provinz gemeinsam mit den traditionellen Räten und den Gemeinden Projektionen für „die nächsten zehn bis zwanzig Jahre“ erarbeitet [5]. In der Woche vor der Abstimmung will die Liste nach eigenen Angaben fünf weitere Gemeinden der Südprovinz bereisen.
Sources
3 sources · 3 faits sourcés
