In der Nähe von Toulouse ist ein 48-jähriger belarussischer Staatsbürger wegen mutmaßlicher Spionage festgenommen worden. Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft sitzt der Mann seit Anfang Juni in Untersuchungshaft.
Er soll das Drohnenwerk des Unternehmens Delair in Labège für Russland ausgespäht haben. Delair beliefert sowohl die französischen Streitkräfte als auch die ukrainische Armee.
Wie die Staatsanwaltschaft gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte – nach einer ersten Meldung von Le Parisien –, wurde der Mann am 3. Juni festgenommen, als er auf dem Delair-Gelände einen Drohnenprototyp filmte. Die französische Inlandsaufklärung DGSI habe festgestellt, dass er das Video an einen Kontakt geschickt habe, der in Russland lokalisiert sei.
Molotowcocktails zwei Tage zuvor: Ermittler prüfen möglichen Zusammenhang
Zwei Tage vor der Festnahme war das Werk nach Angaben aus dem Umfeld der Ermittlungen Ziel eines Angriffs mit Molotowcocktails, die jedoch nicht explodierten. Eine Quelle, die dem Fall nahesteht, bringt diese mutmaßliche Einschüchterungsaktion mit der Überwachungstätigkeit in Verbindung.
Delair in Labège: Drohnenproduktion mit militärischer Bedeutung
Das Delair-Werk in der Zone von Labège im Großraum Toulouse produziert Drohnen, von denen ein Teil die ukrainische Armee erreicht. Gerade diese industrielle und militärische Bedeutung mache den Standort zu einem direkten Ziel im Rahmen ausländischer Einfluss- und Spionageoperationen, die die DGSI in Frankreich beobachtet.
Dass der Verdächtige in Spanien lebte und nur punktuell in Frankreich aktiv gewesen sein soll, entspricht laut Darstellung des Falls einem typischen Vorgehen solcher Missionen: unauffällig bleiben, mobil agieren, Informationen schnell abziehen.
Fünf Tage nach der Festnahme leitete die Pariser Staatsanwaltschaft eine richterliche Untersuchung ein. Ein Untersuchungsrichter wurde mit Ermittlungen wegen mehrerer Delikte gegen die „grundlegenden Interessen der Nation“ betraut.
Anklagepunkte: Informationsweitergabe an ausländische Macht und „Bande“
Der Mann wurde wegen zweier zentraler Vorwürfe angeklagt: der „Lieferung von Informationen an eine ausländische Macht“ – ein Verbrechen, das mit bis zu 15 Jahren Haft bedroht ist – sowie wegen „association de malfaiteurs“, also der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung.
Zuständig ist die Pariser Staatsanwaltschaft, die in Frankreich Verfahren zu mutmaßlichen ausländischen Einflussnahmen bündelt. Der Fall steht laut Darstellung der Ermittlungsbehörden in einem Kontext zunehmender russischer Operationen gegen Lieferketten von Rüstungsgütern für die Ukraine – auch auf europäischem Boden. Delair zählt demnach zu den französischen Industrieakteuren, die dabei besonders exponiert sind.
