Beim Investoren-Gipfel „Choose France“ hat Frankreich am 2. Juni 2026 nach eigenen Angaben Zusagen über 93 Mrd. Euro an ausländischen Investitionen eingesammelt – so viel wie nie zuvor. Das Treffen fand wie in den Vorjahren im Schloss Versailles statt und brachte mehr als 200 internationale Unternehmenschefs zusammen.
Insgesamt wurden 71 Vorhaben angekündigt, verbunden mit dem Versprechen von mehr als 15.600 Arbeitsplätzen in Frankreich. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Sprung: 2025 waren laut Reuters 40,8 Mrd. Euro gemeldet worden, 2022 lediglich 6,8 Mrd. Euro.
Für Präsident Emmanuel Macron ist es der letzte „Choose France“-Gipfel seiner zwei Amtszeiten in diesem internationalen Format in Versailles. Eine letzte Ausgabe, dann ausschließlich mit französischen Unternehmen, ist für den Herbst in Paris geplant.
71 Ankündigungen, mehr als 200 Topmanager, rund 50 Länder
Nach Angaben aus dem Umfeld des Gipfels kamen die Teilnehmer aus knapp 50 Ländern, insgesamt waren es mehr als 200 Führungskräfte. Die 71 Projekte verteilen sich auf mehrere Branchen; eine genaue Aufschlüsselung nach Industrien liegt für diese Ausgabe in den verfügbaren Quellen nicht vor.
Dem Gipfel ging von Freitag bis Sonntag eine nationale Aktion zur „Öffnung der Fabriken“ voraus. Damit sollte das industrielle Geflecht Frankreichs sichtbar gemacht werden – ein politisch wichtiges Signal in einer Debatte, die in Paris seit Jahren unter dem Stichwort Reindustrialisierung läuft.
Rekordzahl – aber nicht frei von Fragezeichen
Der Rekord überdeckt die Probleme der Industrie nicht vollständig. Laut Le Monde steckt der französische Industriesektor seit zwei Jahren in einer schwierigen Phase; der Gipfel findet demnach in einem Umfeld statt, in dem die Reindustrialisierung ins Stocken geraten ist.
Als Beispiel nennt die Zeitung Carbon, einen Hersteller von Photovoltaikmodulen, der mangels Finanzierung und wegen eines aus Sicht des Unternehmens unzureichend geschützten europäischen Marktes gegenüber chinesischer Konkurrenz in die gerichtliche Liquidation geraten sei. Der Fall zeigt, wie schnell die Grenzen der vielbeschworenen Standortattraktivität sichtbar werden.
Auch Wiederholungen – und doch ein deutlicher Trend seit 2022
Hinzu kommt: Ein Teil der „Choose France“-Meldungen besteht aus wiederholten Ankündigungen. Schon 2025 hatte der Élysée-Palast – der Amtssitz des französischen Präsidenten – selbst unterschieden zwischen 20 Mrd. Euro „vollständig neuen“ Zusagen und 17 Mrd. Euro, die aus früheren Ankündigungen stammten, unter anderem im Bereich Künstliche Intelligenz.
Trotzdem ist die Entwicklung über die Jahre auffällig: Von 6,8 Mrd. Euro (2022) auf 93 Mrd. Euro (2026) wurden die in Versailles verkündeten Investitionszusagen binnen vier Jahren um den Faktor 13 gesteigert. Diese langfristigen Versprechen finanzieren laut Bericht auch Projekte, die erst später sichtbar werden – etwa den Themenparkbereich „World of Frozen“, der im März 2026 in Disneyland Paris eröffnet wurde. Die dafür veranschlagten 2 Mrd. Euro waren bereits beim Gipfel 2018 angekündigt worden.
| Ausgabe | Angekündigte Investitionen |
|---|---|
| 2022 (5. Ausgabe) | 6,8 Mrd. Euro |
| 2025 (8. Ausgabe) | 40,8 Mrd. Euro |
| 2026 (9. Ausgabe) | 93 Mrd. Euro |
Quelle: Reuters
