Frankreich meldet beim Investoren-Gipfel „Choose France“ einen Rekord: 93 Mrd. Euro an Zusagen, 71 bestätigte Projekte und 15.600 erwartete Jobs. Doch ausgerechnet die Bretagne taucht in den großen Ankündigungen wieder nicht auf.
Emmanuel Macron hat am 1. Juni 2026 im Schloss von Versailles die neunte Ausgabe von „Choose France“ (Frankreichs jährliche Werbeveranstaltung für ausländische Investoren) mit einer Bilanz beendet, die der Élysée-Palast als Rekord bezeichnet: 71 Projekte, 93 Mrd. Euro zugesagte Investitionen, 15.600 Arbeitsplätze. Symbolisch ist das Treffen auch, weil es Macrons letztes „Choose France“ vor dem Ende seiner Amtszeit ist.
Der Rekord hat allerdings einen klaren Treiber: Der japanische Fonds SoftBank kündigte gemeinsam mit dem französischen Konzern Schneider Electric an, bis 2031 rund 45 Mrd. Euro in KI-Rechenzentren in der Region Hauts-de-France zu investieren – langfristig sollen es bis zu 75 Mrd. Euro werden. Damit steht SoftBank allein für fast die Hälfte der landesweit verkündeten Summe.
SoftBank, Occitanie, Normandie: Wo die großen Gewinner sitzen
Ohne den KI-Boom und den massiven Infrastrukturhunger der Branche würde die Bilanz dieser neunten Ausgabe deutlich kleiner ausfallen. Das Muster ist bekannt: Einige Mega-Projekte treiben die Gesamtsumme nach oben, während viele weitere Ankündigungen deutlich kleinere Volumina haben und sich auf weniger beachtete Standorte verteilen.
Zu den Regionen, die in diesem Jahr konkret profitieren, zählt neben Hauts-de-France auch Okzitanien. Im Gesundheitssektor kündigte der britische Pharmakonzern GSK neue Investitionen von 140 Mio. Euro in Frankreich an. Davon sind 74,1 Mio. Euro für drei Produktionsstandorte vorgesehen: Évreux in der Normandie sowie Mayenne und Saint-Amand-les-Eaux im Norden. Weitere 63,6 Mio. Euro sollen in Forschung und Entwicklung fließen. Das Paket ist Teil eines Programms über 550 Mio. Euro für den Zeitraum 2026 bis 2028. [1]
Auch der Schweizer Generika-Hersteller Sandoz stellte für seine Standorte in Frankreich knapp 150 Mio. Euro in Aussicht. Amazon wiederum bestätigte drei neue Logistikstandorte, darunter einen in der Region Pays de la Loire. [2]
| Investisseur | Pays d’origine | Montant annoncé | Secteur / Région |
|---|---|---|---|
| SoftBank | Japon | 75 milliards d’euros (à terme) | IA / data centers, Hauts-de-France |
| SoftBank (horizon 2031) | Japon | 45 milliards d’euros | IA / data centers, Hauts-de-France |
| GSK | Royaume-Uni | 140 millions d’euros | Pharma, Normandie / Mayenne / Nord |
| Sandoz | Suisse | ~150 millions d’euros | Pharma, sites français |
Quelle: Le Figaro
Bretagne bleibt Zuschauerin – und fällt bei den Milliarden erneut durchs Raster
In den Ankündigungen dieser Ausgabe wird die Bretagne nicht als Zielregion genannt. Das ist kein Einzelfall: Seit dem Start von „Choose France“ im Jahr 2018 landet die Bretagne regelmäßig am unteren Ende der Liste der begünstigten Regionen. Schwere Industrieprojekte, Rechenzentren und große Logistikplattformen – also genau jene Vorhaben, die die Summen dominieren – konzentrieren sich auf Gebiete, die als besser erreichbar gelten oder mehr verfügbare Flächen und Energie bieten.
Genau mit dem Energiefaktor begründete Roland Lescure, Minister für Wirtschaft und Finanzen, seine Argumentation. „Die Vorteile Frankreichs sind weltweit bekannt, und das beginnt vor allem mit einem dekarbonisierten Strom, der in großen Mengen verfügbar und günstig ist“, sagte er nach einem bilateralen Treffen mit Investoren. [1] Billiger, CO₂-armer Strom in großer Menge – das ist ein Kernkriterium für Betreiber von Rechenzentren. Und Hauts-de-France hat mit großen verfügbaren Industrieflächen bei diesem Punkt besonders gepunktet.
Zwar hat die Bretagne eigene Stärken, etwa in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, in der Cybersicherheit oder in maritimen Technologien. Doch diese Branchen lieferten in Versailles keine großen Schlagzeilen. Die KI und digitale Infrastruktur ziehen den Löwenanteil der Investitionsvolumina an – Regionen, die dort weniger positioniert sind, rutschen automatisch nach hinten.
Pourquoi la Bretagne rate les milliards de Versailles
Rekordzahl – aber sie überdeckt einen strukturellen Rückgang
Die 93 Mrd. Euro brauchen Kontext. Die Zeitung Les Echos erinnert daran, dass internationale Projekte in Frankreich 2025 den niedrigsten Stand seit 2017 erreicht haben: Die Investitionsentscheidungen gingen um 17 Prozent zurück – stärker als im Vereinigten Königreich und in Deutschland im selben Zeitraum. [5] „Die Dynamik von Choose France ermöglicht es, Projekte im Ausland zu holen. Aber das ist keine gute Lösung“, räumt man im Élysée ein.
Die Ausgabe 2026 korrigiert diese Entwicklung statistisch – allerdings vor allem wegen SoftBank. Ohne diese eine Zusage läge die Gesamtsumme unter 50 Mrd. Euro und damit in einem deutlich gewöhnlicheren Rahmen.
Das Wirtschaftsministerium in Paris (Bercy) versuchte, das Format zusätzlich zu untermauern: Am Wochenende vor dem Gipfel organisierte es „Choose-France-Tage“, bei denen Fabriken geöffnet wurden, die aus früheren Ausgaben hervorgegangen sind. Der Élysée verweist darauf, dass seit 2018 nach Angaben von Bercy 95 Prozent der angekündigten Projekte umgesetzt oder in Umsetzung seien – zu zwei Dritteln in Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohnern. [1] Das zielt auf Kritik, wonach die großen Zahlen aus Versailles nicht automatisch vor Ort ankommen.
Für die Bretagne bleibt damit die zentrale Frage offen: Wie kann die Region bei künftigen Ausgaben einen größeren Anteil dieser Investitionsströme anziehen – in Konkurrenz zu Regionen, die sich früh auf die Sektoren der nächsten Investitionswelle ausgerichtet haben?
Choose France 2026 : les chiffres clés à retenir
- 71 projets d'investissements étrangers annoncés lors de la 9e édition de Choose France, le 1er juin 2026 à Versailles.
- SoftBank (Japon) représente à lui seul 45 à 75 milliards d'euros du total, via des data centers IA dans les Hauts-de-France.
- GSK investit 140 millions d'euros en France, dont 74,1 millions sur trois sites de production en Normandie, Mayenne et Nord.
- En 2025, la France a enregistré une baisse de 17 % des décisions d'investissement étranger, son plus bas niveau depuis 2017.
- La Bretagne ne figure pas parmi les régions bénéficiaires identifiées lors de cette édition, comme lors des précédentes.
Sources
3 sources · 5 faits sourcés
