Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, Hersteller unter anderem des Leclerc, des Leopard und des Caesar, bereitet eine gleichzeitige Börsennotierung in Paris und Frankfurt vor. Unmittelbar vor dem Schritt ist die Eigentümerstruktur ungewöhnlich klar: Der französische Staat und die deutsche Familie Bode-Wegmann halten jeweils exakt 50 Prozent.
Auf französischer Seite läuft die Beteiligung über Giat Industries, auf deutscher über den Familienkonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Seit der Fusion von Nexter und KMW im Jahr 2015 ist das Kapital strikt paritätisch verteilt – eine Symmetrie, die in der europäischen Rüstungsindustrie selten ist.
Mit dem geplanten Börsengang steht diese Parität vor einer Neuordnung. Die Familie Bode-Wegmann will Anteile über eine Aktienplatzierung verkaufen. Laut Le Monde könnte es sich um eine der größten Börseneinführungen des Jahres 2026 in Europa handeln.
Bewertung zwischen 15 und 20 Milliarden Euro im Raum
Für die Transaktion ist JP Morgan als federführende Bank mandatiert. Nach Informationen, die in Quellen von Zone Militaire genannt werden, setzt JP Morgan die Bewertung des Konzerns in einer Spanne von 18 bis 20 Mrd. Euro an.
Ursprünglich habe die Familie Bode-Wegmann demnach 25 Mrd. Euro angestrebt, diese Erwartung aber in einem weniger günstigen Marktumfeld nach unten angepasst. Als Referenz wird Rheinmetall genannt: Der europäische Marktführer bei gepanzerten Fahrzeugen habe seit Januar 2026 rund 25 Prozent an Wert verloren.
Insgesamt könnte KNDS im Zuge des IPO mit 15 bis 20 Mrd. Euro bewertet werden – und damit zu den größten Börsengängen im europäischen Verteidigungssektor zählen.
Französischer Anteil dürfte unter 50 Prozent fallen
Ein Börsengang bedeutet zwangsläufig eine Verwässerung der bisherigen Eigentümer. Der Anteil des französischen Staates, derzeit bei 50 Prozent, dürfte nach der Transaktion unter diese Marke sinken. In einzelnen Szenarien ist von einem Rückgang auf etwa 30 Prozent die Rede.
Ein ähnliches Niveau – ebenfalls rund 30 Prozent – wird für den Fall diskutiert, dass auch der deutsche Staat einsteigt. Berlin habe den Wunsch geäußert, Aktionär von KNDS zu werden.
Selbst bei einem Rückgang auf 30 Prozent würde Frankreich laut dem Bericht eine Sperrminorität behalten – maßgeblich ist dabei das niederländische Recht, dem die Holding unterliegt. Zusätzlich sollen spezielle Sicherheitsvereinbarungen sensible Technologien absichern, darunter der Kampfpanzer Leopard und das Artilleriesystem Caesar.
KNDS habe zudem erklärt, am Zeitplan festzuhalten und den Börsengang nicht von der möglichen Beteiligung des deutschen Staates abhängig zu machen.
Produktion bis 2028 vervierfachen – auch wegen deutscher Aufträge
Der Börsengang ist für KNDS mehr als eine Finanzoperation. Jean-Paul Alary, der im April 2025 zum Generaldirektor ernannt wurde, habe die Aufgabe klar benannt: KNDS börsenreif machen und die Produktion bis 2028 auf das Vierfache des heutigen Niveaus steigern.
Das Ziel hängt demnach auch mit Aufträgen der deutschen Armee zusammen, die zusätzliche Kapazitäten erfordern.
Eigentümerstruktur im Überblick
| Actionnaire | Part actuelle | Part post-IPO (scénario) |
|---|---|---|
| État français (via Giat Industries) | 50 % | ~30 % |
| Famille Bode-Wegmann (KMW) | 50 % | Cession partielle en Bourse |
| État allemand | 0 % | ~30 % (en discussion) |
Source : Zone Militaire / opex360.com
Erster Härtetest für ein Vorzeigeprojekt der Rüstungskooperation
KNDS ist aus einer Fusion hervorgegangen, die lange als Modell für europäische industrielle Verteidigungskooperation galt. Nun muss der Konzern zeigen, dass dieses Konstrukt auch unter den Bedingungen der Kapitalmärkte trägt.
Die in den kommenden Wochen geplante Doppelnotierung in Paris und Frankfurt wird dabei zum ersten großen Praxistest.
