Frankreichs Wirtschaft ist 2025 trotz politischer Turbulenzen und internationaler Spannungen gewachsen – aber ohne großen Schwung. Nach Angaben des Statistikamts Insee legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,9 Prozent zu und damit etwas stärker als von der Regierung erwartet, nach 1,1 Prozent im Jahr 2024.
Zum Jahresende verlor die Konjunktur allerdings an Tempo: Im vierten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung nur noch um 0,2 Prozent, nach 0,5 Prozent im Quartal zuvor. Auch der private Konsum blieb verhalten und nahm über das Gesamtjahr lediglich um 0,4 Prozent zu.
Für 2026 gehen die Prognosen auseinander: Insee rechnet mit 0,7 Prozent Wachstum, die Banque de France nur mit 0,5 Prozent. Damit bleibt die wirtschaftliche Lage ein zentraler Prüfstein für Präsident Emmanuel Macron – neun Jahre nach seinem Wechsel aus dem Finanzministerium („Bercy“) in den Élysée-Palast.
Unternehmenspolitik: Viel umgesetzt – ein „Buy European Act“ scheitert
In der Unternehmenspolitik hat Macron einen großen Teil seiner Versprechen aus dem Wahlkampf 2017 eingelöst. Die Sozialabgaben wurden bereits 2017 gesenkt – als Ersatz für den CICE (eine frühere Steuerentlastung für Unternehmen). Der Körperschaftsteuersatz fiel von 33,3 Prozent auf 25 Prozent.
Hinzu kamen eine 3-Prozent-Abgabe auf den Umsatz großer digitaler Plattformen sowie der 2018 gestartete Fonds für Industrie und Innovation. Dieser war mit 10 Mrd. Euro aus Minderheitsbeteiligungen des Staates angekündigt worden. Auch die Investitionspolitik wurde ausgeweitet: Der ursprünglich geplante Fünfjahresplan über 50 Mrd. Euro wurde laut „Les Echos“ deutlich übertroffen – zunächst durch einen 100-Mrd.-Euro-Konjunkturplan nach Covid, anschließend durch „France 2030“ mit zusätzlichen 30 Mrd. Euro.
Nicht durchgesetzt hat Paris dagegen den angekündigten „Buy European Act“. Die Idee: Öffentliche Aufträge in Europa sollten Unternehmen vorbehalten sein, die mindestens die Hälfte ihrer Güter in Europa produzieren. Dafür fand Frankreich bei den Partnern keine Mehrheit.
Bei den privaten Haushalten setzte die Regierung eine zentrale Zusage um: Die Abschaffung der Wohnsteuer („taxe d’habitation“) wurde in drei Schritten beschlossen und kam am Ende auch den 20 Prozent der wohlhabendsten Haushalte zugute. Die Proteste der „Gelbwesten“ führten zudem zu einer zusätzlichen Entlastung bei der Einkommensteuer: 5 Mrd. Euro weniger für die beiden unteren Tarifstufen.
Etat 2026: Parlamentarier zweifeln an Lecornus 6-Milliarden-Sparplan
Der Blick nach vorn fällt weniger schmeichelhaft aus. Am 4. Juni 2026 gab die Finanzkommission der Nationalversammlung (Assemblée nationale) ein negatives Votum zu dem Sparpaket ab, das Premierminister Sébastien Lecornu vorgelegt hatte. Es sollte die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten auf den Haushalt abfedern.
Lecornu hatte Einsparungen von 6 Mrd. Euro angekündigt. Nach Berechnungen der Abgeordneten liegt das Volumen jedoch – so berichtet „Le Monde“ – höchstens in einer Spanne von 2,9 bis 5,1 Mrd. Euro.
Das Paket gilt damit als unzureichend, teils auch als ungerecht. Genau an diesem Punkt endet die wirtschaftspolitische Macron-Phase, wie sie sich in diesen Zahlen spiegelt: angekündigte Haushaltsstrenge – und am Ende nur teilweise umgesetzte.
Sources
Le Monde; Les Echos
