Paris und Berlin wollen beim Rüstungskonzern KNDS künftig als gleichberechtigte Miteigentümer auftreten – und ebnen damit zugleich den Weg für einen Börsengang, der in Paris und Frankfurt stattfinden könnte.
Der Schritt ist mehr als eine Finanztransaktion. Nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts SCAF, das über Jahre von industriellen Rivalitäten ausgebremst wurde, suchen beide Länder in der Verteidigungskooperation nach einem belastbaren Signal. KNDS soll dieses Signal liefern.
KNDS entstand 2015 aus dem Zusammenschluss des französischen Nexter Systems und des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Das Unternehmen produziert unter anderem die Artilleriekanone Caesar, modernisiert den französischen Kampfpanzer Leclerc, fertigt Munition und ist zentraler Industriepartner im MGCS-Programm – dem geplanten deutsch-französischen „Panzer der Zukunft“.
Nach dem am Montag unterzeichneten Abkommen soll der deutsche Staat die Anteile der Familie Wegmann übernehmen. Frankreich kontrolliert KNDS bereits über die staatliche Beteiligung an Nexter; künftig wären damit beide Staaten mit gleichwertigen Rechten beteiligt. Regierungssprecher Stefan Kornelius wollte den Umfang der Transaktion nicht beziffern.
Bewertung zwischen 15 und 20 Milliarden Euro im Raum
Das Abkommen öffnet ausdrücklich die Tür für einen Börsengang. Nach Angaben von Bloomberg würde eine gleichzeitige Notierung in Paris und Frankfurt KNDS mit 15 bis 18 Mrd. Euro bewerten. Mehrere Finanzanalysten nennen eine Spanne von bis zu 20 Mrd. Euro – das wäre eine der größten europäischen IPOs im Verteidigungssektor seit mehreren Jahren.
| Indicateur | Valeur |
|---|---|
| Chiffre d’affaires (2024) | 3,8 milliards d’euros |
| Chiffre d’affaires (2023) | 3,3 milliards d’euros |
| Carnet de commandes (2024) | 11,2 milliards d’euros |
| Valorisation IPO estimée (Bloomberg) | 15 à 18 milliards d’euros |
| Valorisation IPO (analystes financiers) | jusqu’Ã 20 milliards d’euros |
Source : Challenges / Reuters
KNDS-Chef Jean-Paul Alary drängt auf Tempo. Zum Auftakt der Rüstungsmesse Eurosatory am 15. Juni sagte er: „Je früher, desto besser: Das ist das beste Szenario für uns.“ [5] Der Börsengang sei „weiterhin für 2026 vorgesehen“, präzisierte Alary. Der Verwaltungsrat habe das Vorhaben bestätigt, seine Teams arbeiteten „mit viel Energie“ daran.
Berlin steigt ein, die Familie Wegmann steigt aus

Der Eigentümerwechsel ist der Kern des Deals. Bislang wurde KNDS gemeinsam von den bisherigen privaten KMW-Eigentümern, der Familie Wegmann, und vom französischen Staat über Nexter kontrolliert. Wenn Berlin die Wegmann-Anteile übernimmt, wird daraus ein staatliches deutsch-französisches Doppel – mit paritätischer Struktur. [4]
Politisch ist diese Symmetrie bewusst gesetzt. Sie soll das gegenseitige Vertrauen stärken, das beim SCAF-Projekt nicht entstanden ist. Als gleichrangige Miteigentümer verpflichten sich Paris und Berlin, nicht zugunsten des jeweils eigenen nationalen Industrieinteresses zu entscheiden – genau solche wahrgenommenen Schieflagen hatten die Spannungen beim „Kampfflugzeug der Zukunft“ befeuert.
Die IPO-Vorbereitung läuft bereits. KNDS teilte mit, dass Christian Schulz, Finanzchef des RENK-Konzerns, ab Januar in den Verwaltungsrat einzieht – mit Erfahrung aus Börsengängen. [2] Alary hatte im September zudem angedeutet, der deutsche Staat könne sich am Konzern beteiligen; diese Option wird nun Realität.
Pourquoi l'accord KNDS change la coopération franco-allemande
MGCS im Hintergrund: der „Panzer der Zukunft“ soll 2030 kommen
Hinter der Börsenlogik steht das MGCS-Programm (Main Ground Combat System), das deutsch-französische Vorhaben für einen künftigen Kampfpanzer. KNDS ist dabei der zentrale industrielle Akteur. Technisch ist eine Kombination aus französischem Turm und deutschem Fahrgestell vorgesehen – sichtbar am „Capint“ (Capacité intermédiaire), der am 15. Juni auf der Eurosatory vorgestellt wurde. Die Indienststellung wird für 2030 erwartet. [1]
Die paritätische Governance soll genau hier Stabilität schaffen: Ein börsennotierter Konzern mit klar definierten Anteilseignern und ausbalancierter Führung gilt als belastbarere Basis für langfristige Verträge, wie sie ein Großprogramm wie MGCS erfordert.
Rüstungsboom seit 2022 stützt Auftragslage
Für KNDS kommt der Schritt in einem günstigen Marktumfeld. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 steigen in Europa die staatlichen Verteidigungsaufträge, weil Länder Bestände auffüllen und ihre Arsenale modernisieren. KNDS profitiert davon direkt: Der Umsatz stieg von 3,3 Mrd. Euro (2023) auf 3,8 Mrd. Euro (2024), der Auftragsbestand lag 2024 bei 11,2 Mrd. Euro.
Ein Börsengang würde dem Konzern zusätzlichen Zugang zu Kapitalmärkten verschaffen – für industrielle Kapazitäten, technologische Investitionen und Exportambitionen. Der Élysée-Palast bestätigte, das Abkommen „öffnet zudem den Weg zu einer möglichen Börseneinführung von KNDS in naher Zukunft“.
Doppellisting Paris–Frankfurt: politisches Signal an Investoren
Dass KNDS gleichzeitig in Paris und Frankfurt notieren könnte, ist auch eine Botschaft. Die Sichtbarkeit soll auf beiden Finanzplätzen gleich sein – passend zur paritätischen Eigentümerstruktur. Zugleich richtet sich das Signal an europäische institutionelle Investoren: KNDS soll kein nationaler Champion mit binationalem Etikett sein.
Einen konkreten Termin für die IPO nannten die Beteiligten nicht. Alary wollte sich auf kein Datum festlegen und bekräftigte lediglich, das Ziel bleibe 2026; der Konzern habe „seinen Zeitplan nicht geändert“.
KNDS IPO 2026 : les chiffres à retenir
- Paris et Berlin annoncent leur intention de devenir co-actionnaires paritaires de KNDS.
- L'État allemand se substitue à la famille Wegmann au capital du groupe.
- L'IPO est envisagée à Paris et Francfort, pour une valorisation de 15 à 20 milliards d'euros.
- KNDS a été fondé en 2015 par la fusion de Nexter (France) et Krauss-Maffei Wegmann (Allemagne).
- Le PDG Jean-Paul Alary confirme que l'introduction en Bourse reste prévue en 2026.
- Le char Capint, dévoilé à Eurosatory, doit entrer en service en 2030.
Sources
4 sources · 4 faits sourcés
