Murielle Toto steht an der Spitze der CRESS Guadeloupe und wirbt für ein Wirtschaftsmodell, das soziale Wirkung, ökologische Anforderungen und finanzielle Tragfähigkeit in den französischen Überseegebieten zusammenbringt.
Von Pointe-à-Pitre aus leitet Murielle Omer Gabriel, besser bekannt als Murielle Toto, die „Chambre Régionale de l’Économie Sociale et Solidaire“ (CRESS) von Guadeloupe – die regionale Dachorganisation der Sozial- und Solidarwirtschaft (ESS) auf dem französischen Karibik-Archipel.
Offiziellen Angaben von INSEE und INPI zufolge ist ihr Unternehmen seit Mai 1988 unter der Adresse 11 rue Delgrès in Pointe-à-Pitre registriert. Es ist weiterhin aktiv und fest in Guadeloupe verankert.
„Anders unternehmen“: Ein Ansatz gegen Arbeitslosigkeit, Importabhängigkeit und Klimarisiken
Ihr Leitmotiv bringt Toto in einem Satz auf den Punkt: „Entreprendre autrement“ – „anders unternehmen“. Dahinter steht eine Überzeugung, die sie nach eigener Darstellung seit Jahrzehnten in den Antillen vertritt: Die Sozial- und Solidarwirtschaft ist kein Nischenbereich am Rand des Marktes, sondern eine strukturelle Antwort auf die besonderen Spannungen in Überseegebieten.
In Guadeloupe kumulieren laut dem Artikel mehrere Belastungen: hohe Arbeitslosigkeit, starke Abhängigkeit von Importen und eine ausgeprägte Verwundbarkeit gegenüber klimatischen Extremereignissen. Die CRESS positioniert sich dabei als Hebel für lokale Entwicklung – mit dem Anspruch, wirtschaftlichen Wert zu schaffen, ohne sozialen Zusammenhalt oder Umwelt zu opfern.
Die CRESS als Dach für Genossenschaften, Vereine, Versicherungsvereine und Stiftungen
Die CRESS Guadeloupe bündelt die lokalen Akteure der ESS: Genossenschaften, Vereine, Mutuelles (gegenseitige Versicherungsvereine) und Stiftungen. In einem Inselkontext, in dem wirtschaftliche und klimatische Fragilitäten gleichzeitig wirken, soll diese Vernetzung den Sektor sichtbarer und handlungsfähiger machen.
Der Ansatz ist in der französischen Karibik nicht neu, erhält unter Toto aber eine konkrete Ausrichtung: ESS-Strukturen beim Kompetenzaufbau begleiten, in regionalen öffentlichen Entscheidungen Gewicht gewinnen und die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung des Sektors auf der Insel anerkennen lassen.
Langjähriger Werdegang – und eine Schnittstelle zwischen Basis und Staat
Der territoriale Bezug von Murielle Toto ist laut Artikel seit Langem dokumentiert. Ihre Tätigkeit ist im offiziellen Unternehmensregister unter der Rechtsform „1000“ erfasst – ein Hinweis auf ein Engagement, das lange vor den heutigen Debatten über ökologische Transformation oder sozialen Unternehmensimpact begonnen hat.
In Guadeloupe fungiert die ESS demnach als Sicherheitsnetz für Bevölkerungsgruppen, die der klassische Privatsektor nur schwer erreicht. Die CRESS übernimmt dabei eine Vermittlerrolle zwischen den Strukturen vor Ort und den öffentlichen Stellen – sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene.
In einer Phase, in der der französische Staat die Kohäsion der Überseegebiete stärken will, verleiht diese Positionierung den öffentlichen Wortmeldungen der CRESS-Präsidentin zusätzliches Gewicht.
