Drei französische Regionen – darunter die Bretagne – wollen einen gemeinsamen Fonds von 100 bis 150 Mio. Euro auflegen, um die Verteidigungsindustrie in ihren Gebieten zu stärken. Das geht aus Informationen hervor, die die Regionalzeitung Le Télégramme veröffentlicht hat.
Der Schritt ist in dieser Größenordnung ungewöhnlich: Statt einzeln zu fördern, bündeln die drei Gebietskörperschaften ihre finanziellen Mittel, um gezielt Einfluss auf die „industrielle und technologische Verteidigungsbasis“ zu nehmen – also auf das Netz aus Herstellern, Zulieferern und spezialisierten Dienstleistern.
Die Bretagne gehört zu den Initiatoren. In der Region sitzen mehrere strategische Standorte der Branche – von den Marinearsenalen in Brest bis zu Ausrüstern im Département Morbihan. Das macht das Gebiet zu einem naheliegenden Ausgangspunkt für ein solches Instrument.
Kapital für Zulieferer: Fonds soll Investitionen in Verteidigungs-KMU beschleunigen
Das erklärte Ziel: die industrielle Basis im Verteidigungsbereich auf regionaler Ebene zu festigen. Lokale Akteure drängen darauf seit Jahren, weil sich Finanzströme häufig auf große nationale Konzerne konzentrieren.
Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie größere Mittelständler (in Frankreich als PME und ETI bezeichnet) sind betroffen. Viele von ihnen arbeiten als Unterauftragnehmer, sitzen außerhalb der Metropolen und kommen schwer an Kapital – etwa, um die Produktion hochzufahren oder Zertifizierungen zu finanzieren. Ein eigener Regionalfonds soll diese Lücke schließen.
Mit 100 bis 150 Mio. Euro wäre das Vehikel für regionale Verhältnisse groß. Im Vergleich zu nationalen oder europäischen Investmentfonds, die im Sektor aktiv sind, bleibt das Volumen allerdings überschaubar.
Teil eines französischen Aufrüstungs- und Beschaffungsbooms
Die Initiative fällt in eine Phase beschleunigter Aufrüstung. Mehr öffentliche Aufträge – ausgelöst durch die Aktualisierung des französischen Militärprogrammgesetzes (Loi de programmation militaire) – erhöhen den Druck auf die Zulieferketten, den große Unternehmen allein nicht abfedern können.
Dassault, Naval Group, MBDA und Thales hätten allesamt auf Engpässe bei Zulieferern der zweiten und dritten Ebene hingewiesen, heißt es. Genau dort setzen die Regionen an: Mit öffentlichem Kapital wollen sie dank ihrer Nähe zum lokalen Unternehmensnetzwerk Geld dorthin lenken, wo es am dringendsten fehlt.
Für die Bretagne ist das besonders relevant: Mit ihren maritimen und elektronischen Fähigkeiten verfügt die Region über einen Pool an Firmen, die direkt von der aktuellen Dynamik erfasst werden.
Wann der Fonds konkret starten soll, wurde in den verfügbaren Informationen nicht genannt.

