Der französische Fleischverarbeiter Charal will sein Werk in Nozay (Département Loire-Atlantique) schließen. Die Entscheidung kommt ohne vorherige öffentliche Ankündigung – und trifft einen Standort, dessen Beschäftigte nun vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Die Schließung ist für 2026 angekündigt. Betroffen ist kein klassisches Schlacht- oder Zerlegewerk, sondern eine Produktionsstätte, die sich auf einen speziellen Bereich der Lebensmittelindustrie konzentriert.
In Nozay werden keine Steaks oder Braten hergestellt. Das Werk ist auf Snack-Produkte spezialisiert, vor allem für Hotdogs und Hamburger – ein Segment, das in der Schnellgastronomie zwar wächst, offenbar aber nicht ausreicht, um die Anlage weiter auszulasten.
Werk in Nozay: Fokus auf Fleisch-Snacks für die Schnellgastronomie
Der Standort Nozay ist eine Außenstelle der Charal-Gruppe, deren Sitz in Quimperlé im Département Finistère liegt. Charal ist in Frankreich vor allem für Schlachtung, Verarbeitung und Verpackung von frischem und tiefgekühltem Fleisch bekannt – von Schlachtkörpern bis zu verarbeitungsfertigen Muskelstücken.
Das Werk an der Loire hatte sich dagegen auf verarbeitete Produkte für die Schnellgastronomie ausgerichtet. Die nun angekündigte Schließung fällt in eine Phase der Umstrukturierung, die mehrere Glieder der französischen Fleischbranche erfasst.
In der Industrie stehen die Margen seit Jahren unter Druck: steigende Energie- und Rohstoffkosten auf der einen Seite, Konkurrenz durch importierte Produkte auf der anderen.
Arbeitsplätze vor Ort unter Druck – Zahl der betroffenen Stellen bleibt offen
Für Nozay und die Umgebung hat die Schließung unmittelbare Folgen für den Arbeitsmarkt. Wie viele Arbeitsplätze genau betroffen sind, wurde bislang nicht öffentlich gemacht. In einer kleineren Kommune wie Nozay wiegt jedoch jede Stilllegung eines Industriebetriebs schwer für das lokale Wirtschaftsgefüge.
Charal zählt zu den großen Akteuren der französischen Fleischwirtschaft. Das Werk im westfranzösischen Cholet (Département Maine-et-Loire) beschäftigte allein mehr als 1.000 unbefristet Angestellte und wies 2018 einen Umsatz von 286 Mio. Euro aus.
Die Aufgabe des Standorts Nozay steht damit auch für eine Entwicklung, bei der Aktivitäten zunehmend auf die größten Werke des Konzerns konzentriert werden.
Ein langjähriger Industriestandort verschwindet aus dem Ortsbild
Charal war in Nozay seit langer Zeit präsent. Das Unternehmen war so fest verankert, dass die Kommune bei einem Erweiterungsprojekt eines benachbarten Betriebs den Schutz des Lebensmittelstandorts ausdrücklich als Auflage festhielt.
Eine Klausel begrenzte die Erweiterung demnach auf Büroflächen, um mögliche Beeinträchtigungen für das Charal-Werk zu vermeiden. Mit der angekündigten Schließung endet nun ein industrielles Kapitel für die Gemeinde.
Für die Beschäftigten dürften in den kommenden Wochen vor allem die Gespräche mit der Unternehmensleitung über die Bedingungen der Begleitung und Unterstützung entscheidend sein.
