Zwei französische Quanten-Start-ups melden neue Finanzierungsrunden – und setzen damit ein Signal im internationalen Technologiewettlauf. Pasqal hat 25 Mio. Euro eingesammelt, Quobly sogar 115 Mio. Euro in einer Serie A. Quobly kündigt zudem an, bis Ende 2026 einen kommerziell nutzbaren Quantencomputer per Cloud-Zugang bereitzustellen.
Beide Firmen stehen für unterschiedliche technologische Ansätze – und für Frankreichs Anspruch, beim Quantencomputing nicht nur Forschung zu liefern, sondern Produkte. Pasqal ist aus dem Institut d’optique in Palaiseau hervorgegangen, Quobly aus dem CEA Leti in Grenoble (CEA: französische staatliche Forschungsorganisation, vergleichbar mit einem großen nationalen Technologie-Forschungsverbund).
Dass die Ankündigungen ausgerechnet 2026 kommen, ist laut dem Bericht kein Zufall: Die Nachfrage nach Hochleistungsrechnen aus Militär, Industrie und staatlichen Institutionen wächst stark. Quantencomputing gilt längst nicht mehr als reines Laborthema, sondern als strategisches Feld – ähnlich wie Halbleiter oder Hyperschallwaffen.
Pasqal: 25 Mio. Euro für den Ausbau der Neutralatom-Technologie
Pasqal meldet eine Finanzierung über 25 Mio. Euro. Das Deeptech-Unternehmen aus Palaiseau entwickelt seinen Quantencomputer aus dem Umfeld des Institut d’optique heraus. Technologisch setzt Pasqal auf „neutrale Atome“ – und damit auf einen anderen Weg als etwa IBM oder Google, die vor allem supraleitende Qubits nutzen.
Das Versprechen der Neutralatom-Architektur: perspektivisch bessere Skalierbarkeit, weil dichtere Architekturen möglich sein könnten. Mit dem frischen Kapital will Pasqal seine Position in einem Markt stärken, in dem die internationale Konkurrenz im Wochentakt neue Fortschritte verkündet – aus den USA, China oder Kanada.
Im Bericht wird auch die sicherheitspolitische Dimension betont. Die DGA, die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde (Direction générale de l’armement), beobachtet die Quantenakteure demnach genau. In den Leitlinien des französischen Verteidigungsministeriums ist der „quantische Durchbruch“ ausdrücklich als Priorität genannt – neben Hypergeschwindigkeit, vernetztem kooperativem Kampf und autonomen Systemen. Konkrete Verteidigungsanwendungen: Kryptanalyse, Logistikoptimierung und Materialmodellierung für neue Waffensysteme.
Quobly: 115 Mio. Euro – und ein kommerzieller Cloud-Zugang bis Ende 2026

Quobly legt finanziell deutlich nach: Das Spin-off des CEA Leti in Grenoble hat eine Serie-A-Runde über 115 Mio. Euro abgeschlossen. Das Ziel ist laut Bericht klar formuliert: den Quantencomputer auf Silizium zu industrialisieren – und ihn noch vor Jahresende 2026 kommerziell per Cloud anzubieten.
Der Silizium-Ansatz gilt als industrielles Wagnis mit potenziell großem Hebel: Qubits könnten langfristig mit ähnlichen Fertigungsanlagen hergestellt werden wie klassische Chips. Das würde Kosten senken und die Skalierung erleichtern. Genau darauf setzt Quobly – mit dem angekündigten Zeitplan bis Ende 2026.
| Entreprise | Montant levé | Technologie | Objectif annoncé |
|---|---|---|---|
| Pasqal | 25 millions € | Atomes neutres | Consolidation et R&D |
| Quobly | 115 millions € | Silicium (CMOS) | Ordinateur commercial cloud fin 2026 |
Quelle: La Nouvelle République, La Tribune
Der Bericht verknüpft Quoblys Cloud-Plan direkt mit dem Thema digitale Souveränität: Ein Quantencomputer, der aus Frankreich heraus über eine französische Infrastruktur per Cloud zugänglich ist, würde die Abhängigkeit von US- oder chinesischen Plattformen senken – für Behörden wie für Industrie.
Genannt wird in diesem Zusammenhang auch das europäische Programm JUNIQ, das eine erste europäische Quantencomputing-Infrastruktur aufbauen soll. Frankreich spiele dabei eine treibende Rolle, unter anderem über Eviden, die Atos-Sparte für digitale Großsysteme.
Warum Frankreich beim Quantencomputing auf Souveränität setzt
Mehr als Start-ups: Frankreichs Quanten- und Supercomputing-Ökosystem
Die beiden Finanzierungsrunden stehen laut Bericht in einem größeren Kontext. So entwickelt SiPearl (gegründet 2019) den europäischen Prozessor „Rhea“ für den Supercomputer „Jupiter“. Eviden treibt Quantenprojekte auf europäischer Ebene voran.
Frankreich wird zudem als viertstärkstes Land nach Anzahl der Systeme in der Liste der 500 leistungsstärksten Supercomputer weltweit beschrieben – mit zwei Maschinen in den globalen Top 20. In diesem Umfeld agieren Pasqal und Quobly: Sie bauen auf jahrzehntelanger öffentlicher Forschung auf und auf enge Verbindungen zu CEA, CNRS und Ingenieurhochschulen.
Kapital als Flaschenhals – trotz France 2030
Der größte Bremsklotz bleibt laut Bericht der Kapitalunterschied. 25 Mio. Euro für Pasqal und 115 Mio. Euro für Quobly seien in Frankreich beachtlich, im Vergleich zu den Milliardenbeträgen, die in den USA in Quantenchampions fließen, aber weiterhin klein. Genannt werden IBM, Google, IonQ und Quantinuum als Unternehmen mit deutlich größerem Kapitalzugang.
Damit gewinnt staatliche Unterstützung an Gewicht. Das Programm France 2030 habe „Hunderte Millionen Euro“ für die Quantenbranche vorgesehen. Öffentliche Aufträge – insbesondere über die DGA und industrielle Partner – könnten als erster gesicherter Markt dienen, um Technologien zu validieren, bevor private Kunden folgen.
In diese Logik passt auch die 2024 angekündigte Gründung einer „Agence ministérielle de l’intelligence artificielle de Défense“ (eine ministerielle KI-Agentur für Verteidigung). Quantencomputing wird im Bericht als Baustein dieser institutionellen Nachfrage beschrieben – mit Anwendungen von Post-Quanten-Kryptografie bis zur operativen Optimierung, gerade weil frühe Quantenrechner zwar noch begrenzte Rechenleistung haben, aber für eng definierte Use-Cases interessant sein können.
Quoblys Cloud-Termin als Lackmustest für die Branche
Die Ankündigung, bis Ende 2026 einen Quantencomputer kommerziell per Cloud bereitzustellen, ist laut Bericht eine Premiere in Frankreich: Bislang habe kein französisches Quantenunternehmen ein so konkretes Datum für ein breit zugängliches Produkt genannt.
Für die Branche hätte ein fristgerechter Start mehrere Effekte: eine öffentliche technische Bestätigung, dass der Silizium-Ansatz über das Labor hinaus trägt – und ein Signal an Investoren, dass aus Deeptech in Frankreich marktfähige Produkte entstehen können. Bei den Beschäftigungseffekten bleibt der Bericht vorsichtig: Die Unternehmen beschäftigten „einige Hundert“ Menschen, doch bei Erfolg könnten Zulieferer und Dienstleister entlang der Kette profitieren – von Kryotechnik über photonische Komponenten bis zu Cloud-Integratoren.
Der nächste Fixpunkt ist damit gesetzt: Ende 2026.
Quantencomputing in Frankreich 2026: die wichtigsten Zahlen
- Quobly hat 115 Mio. Euro in einer Serie A eingesammelt, um seinen Silizium-Quantencomputer zu industrialisieren.
- Pasqal hat 25 Mio. Euro aufgenommen; das Start-up arbeitet aus dem Umfeld des Institut d’optique in Palaiseau.
- Quobly plant, bis Ende 2026 seinen ersten kommerziellen Quantencomputer per Cloud-Zugang bereitzustellen.
- Frankreich liegt laut Bericht weltweit auf Rang vier nach Anzahl der Systeme in der Top-500-Supercomputerliste.
- Der „quantische Durchbruch“ ist in Frankreich ausdrücklich als Verteidigungspriorität des Verteidigungsministeriums genannt.
Sources
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