Der französische Zeitarbeitsmarkt entwickelt sich regional höchst unterschiedlich. Während einige Landesteile deutlich zulegen, geraten andere unter Druck – ein Hinweis auf sehr verschiedene wirtschaftliche Dynamiken innerhalb des Landes.
Zu den Regionen, die sich gegen den nationalen Gegenwind stemmen, zählt Bourgogne-Franche-Comté im Osten Frankreichs. Während die Île-de-France (Großraum Paris), die wichtigste Zeitarbeitsregion des Landes, ein Minus von 5,2 % verzeichnet, hält sich Bourgogne-Franche-Comté gegen den Trend. Als Gründe gelten vor allem die lokale Industrielandschaft und eine weiterhin robuste Nachfrage nach flexibel einsetzbaren Arbeitskräften in einzelnen Branchen.
Obwohl Zeitarbeit in Frankreich nur rund 2 bis 3 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ausmacht, gilt sie als besonders empfindlicher Konjunkturindikator: Sie reagiert schnell auf wirtschaftliche Ausschläge – nach oben wie nach unten.
Logistikregionen wachsen – gut angebundene Standorte im Vorteil
Am stärksten profitieren Regionen, in denen Transport und Logistik an Bedeutung gewinnen. Nouvelle-Aquitaine legt um 6,9 % zu, Provence-Alpes-Côte d’Azur sowie Centre-Val de Loire steigen jeweils um 6,5 %. Okzitanien und die Normandie bleiben dagegen stabil.
Die Zahlen unterstreichen eine Kluft zwischen Gebieten, die eng an Logistikströme angebunden sind, und Regionen, die stärker von den Schwankungen klassischer Industrieproduktion abhängig bleiben. Besonders gefragt sind dabei genau jene Berufe, die das Wachstum in den dynamischen Regionen tragen: Transport, Logistik und IT zählen zu den Bereichen, in denen Unternehmen am schwersten Personal finden.
In Okzitanien zog die Zeitarbeit im vierten Quartal 2022 um 3,4 % an – das entspricht 1.900 zusätzlichen Jobs – und lag damit 4,2 % über dem Niveau von Ende 2019. Der Aufschwung erfasste alle großen Einsatzbereiche von Zeitarbeit: Bau (+4,4 %), Dienstleistungen (+3,3 %) und Industrie (+2,9 %).
Nach dem Covid-Schock sucht der Markt weiter nach einem neuen Gleichgewicht
Die Pandemie traf die Branche hart. 2020 zählte Frankreich laut OIR 2.412.231 Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer, nach 2.749.650 im Jahr 2019 – bei einem Netz von 10.774 Agenturen. Der anschließende Rebound verlief jedoch regional sehr ungleich.
Unternehmen der Branche, darunter große Netzwerke wie Randstad, gewinnen nach und nach wieder Spielräume. Doch die Erholung bleibt geografisch fragmentiert – abhängig davon, wie die jeweiligen Arbeitsmarktregionen strukturiert sind und wie gut sie flexible Beschäftigung aufnehmen können.
Dass Bourgogne-Franche-Comté zulegt, während andere Regionen zurückfallen, zeigt diese Ungleichzeitigkeit besonders deutlich. Am besten positioniert sind demnach jene Regionen, die ihren Zeitarbeitsbedarf über die Schwerindustrie hinaus breiter aufgestellt haben – hin zu Sektoren, die mittelfristig als tragfähiger gelten.
