In Französisch-Polynesien ziehen 2026 vor allem zwei Branchen den Arbeitsmarkt: Tourismus und Bauwirtschaft (BTP). Dort, wo Besucher Geld ins Land bringen und wo Wohnungen sowie Infrastruktur entstehen, konzentriert sich ein großer Teil der Beschäftigung.
Für Unternehmen hat diese Struktur handfeste Folgen – nicht nur bei der Personalsuche, sondern auch bei Steuern, Abgaben und Formalitäten. Wer im „Fenua“ (so nennen Einheimische Französisch-Polynesien) bereits aktiv ist oder investieren will, muss ein Geflecht aus lokalem Sonderrecht, angepasstem französischem Recht und Ausnahmeregeln kennen.
Drei Punkte stechen heraus: steuerliche Entlastungen in ausgewiesenen Schwerpunktvierteln, die Kurtaxe als zentrales Instrument im Tourismus – und besondere Regeln, wenn Betriebe aus dem Ausland Personal entsenden oder wenn Nicht-EU-Bürger vor Ort gründen wollen.
„Quartiers prioritaires“: Steuererleichterungen in ausgewählten Schwerpunktzonen
Französisch-Polynesien steht auf der Liste der „quartiers prioritaires de la politique de la ville“ (QPV) – das sind staatlich definierte Schwerpunktviertel, in denen der Staat gezielt gegen soziale Ungleichheit und höhere Arbeitslosigkeit steuern will. Aktualisiert wurde diese Liste durch das Dekret Nr. 2025-1435 vom 30. Dezember 2025.
Unternehmen, die in einem QPV ein neues Unternehmen eröffnen oder einen Standort erweitern, können von Befreiungen bei der „cotisation foncière des entreprises“ (CFE) profitieren – einer kommunalen Unternehmensabgabe auf betriebliche Flächen. Voraussetzung ist allerdings, dass die betroffene Kommune oder ein interkommunaler Zweckverband (EPCI) dies per Beschluss ermöglicht.
Das Instrument gilt für Gründungen oder Erweiterungen, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Dezember 2025 umgesetzt wurden. Ziel ist es, Investitionen in Gebieten zu erleichtern, in denen Arbeitslosigkeit strukturell höher ist und soziale Unterschiede stärker ausfallen.
Zum Vergleich: Für Mayotte ging der Gesetzgeber noch weiter – dort ist seit dem Gesetz Nr. 2025-797 vom 11. August 2025 das gesamte Gebiet als QPV eingestuft. In Französisch-Polynesien bleibt es bei einer teilweisen Zonierung, die in derselben Anlage geregelt ist.
Kurtaxe im Tourismus: Kommunen entscheiden – der „Département“-Rat kann 10 Prozent draufschlagen

Der Tourismus bringt in Französisch-Polynesien eine eigene Pflichtabgabe mit sich: die „taxe de séjour“, also die Kurtaxe. Kommunen oder interkommunale Zusammenschlüsse können sie einführen – entweder „au réel“ (direkt von gelegentlichen Gästen zu zahlen) oder pauschal („au forfait“), dann zahlen die Unterkunftsanbieter und legen die Abgabe anschließend auf ihre Preise um.
Wichtig ist die Frist: Der Beschluss muss vor dem 1. Juli gefasst werden, damit die Regelung zum 1. Januar des Folgejahres gilt. Der Tarif für 2026 ist über den dafür vorgesehenen Online-Dienst des öffentlichen Portals abrufbar.
Zusätzlich kann der „conseil départemental“ – ein französisches Gebietsgremium – eine Zusatzabgabe von maximal 10 Prozent beschließen. Diese wird von der Kommune an das Département weitergeleitet. Für Hoteliers, Pensionen und andere Anbieter bedeutet das: sauber kassieren, korrekt abführen und die ausgewiesenen Preise entsprechend anpassen.
Personal aus dem Ausland: Entsendungen im Bau und Tourismus – und andere Regeln für Gründer aus Drittstaaten
Wie im Tourismus greifen auch im polynesischen Baugewerbe Betriebe teils auf ausländische Arbeitskräfte zurück. Dann gelten besondere Regeln rund um die Arbeitserlaubnis.
Ein zentraler Punkt: Ein ausländischer Arbeitgeber, der Beschäftigte nach Französisch-Polynesien entsendet, zahlt nicht die französische „contribution solidarité autonomie“ (CSA). Die entsandten Beschäftigten bleiben entweder im Sozialversicherungssystem ihres Herkunftslandes oder sind dem autonomen polynesischen System zugeordnet.
Anders ist die Lage für Menschen aus Drittstaaten, die im Fenua ein eigenes Unternehmen gründen wollen. Die Verfahren hängen von der Staatsangehörigkeit ab: Bürgerinnen und Bürger aus EU, EWR oder der Schweiz durchlaufen dieselben Schritte wie französische Gründer. Staatsangehörige aus Drittstaaten müssen zusätzliche Bedingungen erfüllen – insbesondere beim Aufenthaltstitel.
Hinzu kommt eine Besonderheit, die Gründer aus dem französischen Mutterland („Métropole“) überraschen kann: Das französische „Registre national des entreprises“ (RNE) gilt weder in Französisch-Polynesien noch in Neukaledonien oder Wallis und Futuna. Eintragungen laufen dort über ein eigenes System.
CSA und Praktika: Schwelle von 4,50 Euro pro Stunde im Jahr 2026
Unternehmen der Bauwirtschaft in Französisch-Polynesien, die lokale Beschäftigte einstellen, schulden die CSA auf derselben Bemessungsgrundlage wie die Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung.
Für Praktikantinnen und Praktikanten gilt: Eine monatliche Gratifikation wird nur dann beitragspflichtig, wenn sie eine Schwelle überschreitet. Diese Schwelle liegt 2026 bei 15 Prozent der stündlichen Obergrenze der Sozialversicherung – das entspricht 4,50 € pro Praktikumsstunde.
Für Unternehmen, die gleichzeitig Beschäftigte in mehreren EU-Mitgliedstaaten haben, gilt zudem: Es greift nur ein Sozialversicherungssystem – entweder das des Wohnsitzstaats der Beschäftigten oder das des Staats, in dem die Haupttätigkeit ausgeübt wird. Für Gruppen, die sowohl in der Métropole als auch in Französisch-Polynesien aktiv sind, ist das ein relevanter Compliance-Punkt.
Zwei Jobmotoren, zwei Regelwelten: Warum das für Betriebe 2026 entscheidend ist
Der Blick auf die Regelungen im Fenua zeigt vor allem eines: mehrere Ebenen übereinander – angepasstes französisches Allgemeinrecht, ein autonomes polynesisches System und Sonderinstrumente wie die QPV-Einstufung. Für eine Bau-PME oder einen unabhängigen Hotelbetrieb heißt das: Ohne belastbare Rechts- und Steuerkenntnis wird es schnell teuer.
Die CFE-Erleichterungen in QPV, die Kurtaxe, die Regeln zur Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte und die CSA-Vorgaben ergeben zusammen ein Standortpaket, das auf Attraktivität zielt. Das Dekret vom 30. Dezember 2025, das die QPV-Liste für Französisch-Polynesien aktualisiert, ist dafür die jüngste konkrete Grundlage.
