Paris und Berlin haben am Montag eine neue Governance-Vereinbarung für den deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS unterzeichnet – ein Schlüsselunternehmen für das geplante „Main Ground Combat System“ (MGCS), den Kampfpanzer der nächsten Generation. Kern des Deals: Deutschland steigt mit 40% in den Gesellschafterkreis ein.
Bislang hielt der französische Staat über Giat Industries 50% an KNDS, die übrigen Anteile lagen bei der deutschen Familie Bode-Wegmann. Mit dem Einstieg Berlins verschiebt sich die Eigentümerstruktur deutlich. Beide Regierungen erklärten laut offizieller Mitteilung zugleich, langfristig einen „paritätischen Aktionärskreis“ erreichen zu wollen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche begründete den Schritt mit dem Ziel, „Schlüsseltechnologien, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern“. Auf französischer Seite bezeichneten Verteidigungsministerin Catherine Vautrin und Wirtschaftsminister Roland Lescure die Einigung als „einen entscheidenden Schritt für unsere Streitkräfte, unsere Industriearbeitsplätze und die strategische Autonomie Europas“.
Börsengang rückt näher – Bewertung zwischen 15 und 20 Mrd. Euro im Gespräch
Vor allem öffnet die neue Governance den Weg an die Börse. KNDS strebt eine Doppelnotierung an. Konzernchef Jean-Paul Alary hatte das Vorhaben im Dezember als Projekt beschrieben, das eine „agilere und reaktionsfähigere Struktur schaffen“ solle, um weiter „in Technologie, Kapazitäten und Talente“ investieren zu können.
Der Börsengang könnte KNDS mit 15 bis 20 Mrd. Euro bewerten – und wäre damit eine der größten IPOs im europäischen Verteidigungssektor. Die Familie Bode-Wegmann, die ihre Anteile abgeben wollte, soll zunächst 25 Mrd. Euro gefordert haben. Die für den Börsengang mandatierte Bank JP Morgan habe die Spanne anschließend auf 18 bis 20 Mrd. Euro gedrückt, auch weil Rheinmetall als Marktführer seit Januar 2026 rund 25% an Wert verloren habe.
Rechtlich bleibt KNDS eine Holding nach niederländischem Recht. Das hat Folgen für die Machtbalance: Selbst bei einem später „ausgeglichenen“ Aktionariat sollen Frankreich und Deutschland jeweils eine Sperrminorität behalten und über gleichwertige Stimmrechte verfügen. Zusätzlich sind spezielle Vereinbarungen vorgesehen, um sensible Technologien zu schützen – genannt werden unter anderem die Caesar-Kanone und der Leopard-Panzer.
Signal nach dem Scaf-Streit: Kooperation soll beim Landkampf funktionieren
Der Deal fällt in eine Phase, in der die deutsch-französische Rüstungskooperation politisch unter Druck steht. Das Programm Scaf (das Luftkampfsystem der Zukunft) gilt als festgefahren, weil industrielle Rivalitäten das Projekt ausgebremst haben. Mit KNDS wollen Paris und Berlin nun demonstrieren, dass bilaterale Zusammenarbeit zumindest im Landbereich tragfähig bleibt.
KNDS vereint nach Angaben des Artikels Nexter auf französischer Seite und Rheinmetall auf deutscher Seite in einer gemeinsamen Struktur mit Fokus auf gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie und Munition. Im Zentrum steht MGCS, ein neuer Kampfpanzer, der den französischen Leclerc und den deutschen Leopard 2 ersetzen soll.
Als Schaufenster diente zuletzt die Rüstungsmesse Eurosatory in Villepinte, die ab dem 15. Juni 2026 stattfand: KNDS präsentierte dort den Panzer „CAPINT“ („Capacité Intermédiaire“) – laut Bericht die erste greifbare Demonstration dessen, was der Konzern im Rahmen von MGCS liefern kann.
Staatliche Anteile könnten sinken – trotz formaler Rechte
Ein Börsengang würde die staatlichen Beteiligungen durch Kapitalerhöhungen schrittweise verwässern. Frankreich könnte dabei unter 50% fallen – langfristig sogar auf 30% –, würde aber „auf dem Papier“ dank des niederländischen Rechtsrahmens dieselben Governance-Rechte behalten.
