Der italienische Rüstungskonzern Leonardo macht beim europäischen Raketenhersteller MBDA Tempo: Lorenzo Mariani, Co-CEO von Leonardo und damit Vertreter eines Anteilseigners mit 25 Prozent, verlangt eine grundlegende Reorganisation. Ziel ist, den prall gefüllten Auftragsbestand schneller abzuarbeiten – und „rasch“ einen Umsatz von 6 Mrd. Euro zu erreichen.
Hintergrund ist die von MBDA vorangetriebene Strategie „Déluge“: Sie setzt darauf, gegnerische Luftverteidigung durch Masse und Vielfalt an Wirkmitteln zu überlasten. Doch Mariani verweist darauf, dass die industrielle Realität mit dem politischen und militärischen Bedarf Schritt halten muss.
Mariani setzt MBDA ein 6‑Milliarden‑Ziel – oder spricht von „Scheitern“
In einem Interview mit La Tribune formuliert Mariani ein Ultimatum: „Entweder reorganisiert sich MBDA, um schnell einen Umsatz von sechs Milliarden Euro zu erreichen, oder es wird ein Scheitern, um diesen Auftragsbestand schnell abzusetzen.“
Die Botschaft richtet sich an die drei Eigentümer von MBDA: Airbus, BAE Systems und Leonardo. Aus Marianis Sicht reicht es nicht, nur Produktionslinien auszubauen – gefragt sei vor allem ein organisatorischer Umbau, der Entscheidungen beschleunigt und Auslieferungen schneller möglich macht.
Der Druck ist dabei nicht auf MBDA beschränkt. In der europäischen Verteidigungsindustrie treffen seit 2022 historisch volle Auftragsbücher auf Produktionskapazitäten, die vielerorts nicht schnell genug hochfahren.
Leonardo drängt bei MBDA – und hält sich bei KNDS eine Tür offen
Leonardo agiert nicht nur als Anteilseigner von MBDA, sondern auch als Treiber der Konsolidierung in Europas Rüstungsindustrie, insbesondere im Bereich Landbewaffnung. Die Annäherung an Rheinmetall ist laut Bericht bereits beschlossen.
Gleichzeitig betont Mariani, er bleibe offen für eine Wiederaufnahme von Gesprächen mit KNDS, um – wie er es ausdrückt – zu „einer Win-win-Vereinbarung“ zu kommen. Diese Doppelstrategie zeigt: Leonardo will bei anstehenden Umbrüchen mitgestalten, ohne sich frühzeitig festzulegen.
Steigende Verteidigungsbudgets treiben die Nachfrage – und erhöhen den Lieferdruck
Die europäische Nachfrage nach Lenkflugkörpern hat seit 2022 deutlich angezogen, parallel steigen die Verteidigungsetats. In Frankreich lagen die Ausgaben laut den von Opex360 veröffentlichten Daten 2024 bei 47 Mrd. Euro, 2025 bei 50,5 Mrd. Euro und 2026 bei 57,1 Mrd. Euro – das entspricht 2,1 Prozent des BIP.
Genau dieser Bestellstrom soll nach Marianis Vorstellung schneller in realen Umsatz umgewandelt werden. Die von ihm geforderte Reorganisation zielt darauf, interne Entscheidungswege zu verkürzen und Lieferungen an Kunden zu beschleunigen, die aus seiner Sicht nicht länger warten können.
