Frankreich will seine Streitkräfte bis 2030 deutlich stärker finanzieren – doch wie genau das Geld fließen soll, bleibt politisch umstritten. Genau diese offene Flanke zieht sich durch die Juni-Ausgabe 2026 der Sendung Air&Défense, die auf BFM Business läuft und gemeinsam mit La Tribune sowie Air&Cosmos produziert wird.
Im Zentrum steht dabei MBDA, einer der wichtigsten europäischen Raketen- und Lenkflugkörperhersteller. Das Unternehmen – getragen von Airbus, BAE Systems und Leonardo – bündelt viele der aktuellen Fragen rund um die französische und europäische Verteidigungsindustrie (in Frankreich als „Base industrielle et technologique de défense“, BITD, bezeichnet): Aufträge, Produktionskapazitäten, Exportchancen – und vor allem die Finanzierung.
Air&Défense sendet nach eigener Mechanik jede Woche freitags um 12.30 Uhr: ein Gast, ein brisantes Thema, eine Stunde, um über politische Sprachregelungen hinauszukommen. In den vergangenen Monaten kristallisierte sich dabei ein Befund heraus: Frankreich rüstet auf, aber die Finanzierungsfrage ist weiterhin nicht abschließend beantwortet.
36 Milliarden Euro zusätzlich – aber der Finanzierungsweg bleibt offen
In der französischen Nationalversammlung läuft derzeit die Debatte über die Aktualisierung des Militärplanungsgesetzes („Loi de programmation militaire“, LPM) für die Jahre 2024 bis 2030. Das erklärte Ziel: bis 2030 zusätzliche 36 Mrd. Euro für den Verteidigungshaushalt mobilisieren. Ein bedeutender Teil des Plans betrifft Luft- und Raumfahrt – doch nach Angaben von mit dem Dossier vertrauten Quellen ist weiterhin unklar, wie die Finanzierung im Detail abgesichert werden soll.
Am 17. April war Alice Rufo, beigeordnete Ministerin im Verteidigungsministerium, in der Sendung zu Gast, um genau diese Fragen zu beantworten. Reicht das Paket, damit Frankreich seinen Rang als Militärmacht hält? Ist es auf die laufenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zugeschnitten? Die Fragen aus dem Studio spiegeln die Nervosität der Branche.
Safran und MBDA sollen Rennen um bodengebundene Langstreckenwirkung gewonnen haben
Während im Parlament über Milliarden gestritten wird, ist in einem zentralen Industriewettbewerb offenbar eine Entscheidung gefallen. Nach Informationen von La Tribune sollen Safran und MBDA den Auftrag für die bodengebundene Langstreckenwirkung erhalten haben – gegen das Duo Thales und ArianeGroup. In Frankreich gilt das als der derzeit wichtigste Vertrag im Verteidigungsbereich: Er soll die heutigen LRU („lance-roquettes unitaires“, Mehrfachraketenwerfer) ersetzen, deren Außerdienststellung ab 2027 vorgesehen ist.
Dem Ergebnis war bereits ein Erfolg der Munition „Thundart“ vorausgegangen, die Safran und MBDA gemeinsam entwickeln. Thales und ArianeGroup wiederum meldeten am 5. Mai den ersten Schuss ihrer ballistischen Munition „FLP-t 150“ vom Testgelände Île du Levant der französischen Rüstungsbeschaffungs- und Testbehörde DGA (Direction générale de l’armement), Bereich „Essais Missiles“. Die vergangenen Monate waren damit von einem intensiven Wettbewerb der beiden Industriekonsortien geprägt – mit einem Ausgang zugunsten von Safran und MBDA.
Pourquoi la BITD française joue gros en 2026
Private Investoren für die Rüstungsindustrie: Weinbergs Plädoyer
Bereits am 27. März hatte Air&Défense eine in diesem Umfeld eher ungewöhnliche Stimme prominent platziert: Serge Weinberg, dessen Fonds Weinberg Capital Partners in die französische Verteidigungsindustrie investiert. Sein Kernargument: Private Kapitalquellen könnten helfen, die BITD zu stützen – vor allem kleine und mittlere Unternehmen –, ohne darauf zu warten, dass der Staat allein die Finanzierung stemmt. Gerade weil die zusätzlichen 36 Mrd. Euro nicht vollständig „durchfinanziert“ und eindeutig zugeordnet seien, werde diese Position durch die LPM-Aktualisierung noch sichtbarer.
Das steht im Kontrast zu einem Sektor, der traditionell stark vom Staat geprägt ist. Weinberg vertritt die Linie, dass die Verteidigungsindustrie Investoren anziehen kann, wenn sie sich dafür strukturiert – vorausgesetzt, Regulierung und Vertragsrahmen ziehen mit.
Air&Défense als Taktgeber der Debatte
Das redaktionelle Setup ist klar: BFM Business produziert und sendet, La Tribune und Air&Cosmos liefern die journalistische Expertise. Léo Barnier, Chefredakteur von Air&Cosmos, übernimmt die Einordnung der Folgen, die auch als Podcast und auf YouTube verfügbar sind.
Die jüngsten Ausgaben zeigen die Bandbreite: Am 20. März erläuterte David Cavaillolès von Arianespace, wie Ariane 6 im Wettbewerb mit SpaceX bestehen könne – nach dem ersten erfolgreichen Flug der schweren Version Ariane 64 am 12. Februar 2026. Am 8. Mai sagte Géraldine Naja, Direktorin für Raumtransport bei der ESA, Ariane 6 habe mindestens zehn Jahre Betrieb vor sich. Und am 10. April ging es im Studio – erneut mit Alice Rufo – um den Luft- und Raumfahrtteil des neuen Militärbudgets.
Die MBDA-Folge fügt sich in diese Linie ein: Europas Lenkflugkörperindustrie steht zwischen Exportverträgen, nationalen Programmen und NATO-Bestellungen – und zieht damit inzwischen eine Aufmerksamkeit auf sich, die nur wenige andere Industriesegmente in ähnlicher Intensität erreichen.
FCAS/SCAF auf Eis – DGA sieht dennoch französische Fähigkeiten
Der französische Rüstungschef Patrick Pailloux (Délégué général pour l’armement) hat zuletzt sein Bedauern über den Stopp des SCAF geäußert – des trilateralen Programms für ein „System der Luftkampfführung der Zukunft“ (FCAS) von Berlin, Madrid und Paris. Zugleich zeigte er sich nicht besorgt über die französischen Fähigkeiten im Kampfflugzeugbau: Er verwies darauf, dass Dassault Aviation, Safran und Thales ein industrielles Geflecht bilden, das ein Kampfflugzeug auch ohne ein multilaterales Programm entwickeln könne.
Genau diese Grundspannung arbeitet Air&Défense Woche für Woche heraus: Frankreich hat industrielle Werkzeuge – aber die Budget- und Industrieentscheidungen, die den Stand in fünf Jahren bestimmen, fallen jetzt.
MBDA und Verteidigungshaushalt: die wichtigsten Punkte
- Safran und MBDA sollen den Auftrag für bodengebundene Langstreckenwirkung gegen Thales und ArianeGroup gewonnen haben.
- Die Aktualisierung der LPM 2024–2030 sieht bis 2030 zusätzliche 36 Mrd. Euro vor.
- Die heutigen LRU sollen ab 2027 aus dem Dienst genommen werden.
- Air&Défense läuft jeden Freitag um 12.30 Uhr auf BFM Business, in Partnerschaft mit La Tribune und Air&Cosmos.
- Ariane 6 in der schweren Version (64) absolvierte ihren ersten Flug am 12. Februar 2026.
Sources
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