Scania verlagert einen Teil seiner E-Lkw-Produktion nach Frankreich: Der Nutzfahrzeughersteller will am Standort Angers eine neue elektrische Montagelinie aufbauen und dafür 70 Mio. Euro investieren. Bislang kamen elektrische Scania-Lkw ausschließlich aus Södertälje in Schweden – dieses Alleinstellungsmerkmal endet nun.
Die Entscheidung wurde am 31. Mai 2026 bekanntgegeben, einen Tag vor dem 9. „Choose France“-Gipfel, einer von Präsident Emmanuel Macron angestoßenen Investorenveranstaltung zur Ansiedlung ausländischer Industrieprojekte. Die französische Regierung bestätigte das Vorhaben am darauffolgenden Montag. Scania Production Angers wird damit zum zweiten Standort weltweit, an dem der Konzern elektrische schwere Lkw montiert – neben dem historischen Werk in Schweden.
Baustart im Sommer 2026 – eine gemeinsame Linie für Diesel und Elektro bis 2029
Der Umbau soll bereits im Sommer 2026 beginnen. Scania setzt dabei auf ein hybrides Produktionskonzept: Spätestens 2029 sollen in Angers auf derselben Linie sowohl Lkw mit Verbrennungsmotor als auch elektrische Modelle montiert werden. Das soll den Hochlauf der Elektromobilität ermöglichen, ohne die bestehende Fertigung zu unterbrechen.
Die 70 Mio. Euro fließen laut den Angaben in einen Ausbau des Werks um ein neues Gebäude, in die Umrüstung der Montagelinien sowie in die Modernisierung der Logistik-Infrastruktur. Zusätzlich sind Qualifizierungsprogramme für die Belegschaft vorgesehen.
Petrus Sundvall, CEO von Scania Production Angers, betont die Signalwirkung: „Die Aufnahme der Montage von Elektro-Lkw in Angers markiert einen historischen Schritt für unser Werk. Das ist die Anerkennung des Know-hows unserer Teams und ihrer Fähigkeit, sich zu verändern, um den industriellen und energetischen Wandel der Scania-Gruppe in Europa zu begleiten. Mit der Unterstützung von Choose France verankern wir dieses Projekt in einer nachhaltigen, zukunftsorientierten industriellen Dynamik.“
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Investitionssumme | 70 Mio. Euro |
| Aktuelle Beschäftigte am Standort | rund 1.500 |
| Erwartete zusätzliche Jobs | mehrere Hundert pro Jahr |
| Start der Arbeiten | Sommer 2026 |
| Zieltermin | 2029 (hybride Linie: Verbrenner + Elektro) |
| Bisher einziger E-Montagestandort | Södertälje, Schweden |
Quelle: Journal du Poids Lourd, VIPress.net
E-Lkw bleiben Nische – doch der Markt zieht in Europa spürbar an
Scania setzt mit dem Schritt auf einen Markt, der zwar noch klein ist, aber schnell wächst. Die Verkäufe von Elektro-Lkw in Europa stiegen im ersten Quartal 2026 um 40 Prozent, berichtet Les Echos. Der Anteil am Gesamtbestand bleibt damit zwar begrenzt, doch die Dynamik ist groß genug, dass Hersteller ihre Produktionsketten neu ausrichten.
Im Wettbewerb um elektrische Fern- und Verteilerverkehre bauen mehrere Anbieter ihre Kapazitäten aus: Tesla hat im US-Bundesstaat Nevada eine neue Fabrik für den Semi eröffnet. Renault Trucks produziert bereits in Frankreich. Volvo, Mercedes-Benz Trucks und weitere Hersteller beschleunigen ihre E-Programme. Um die Praxistauglichkeit im Fernverkehr zu demonstrieren, absolvierten fünf Hersteller eine Fahrt von Paris nach Berlin mit Elektro-Lkw – in Partnerschaft mit Milence, einem Anbieter öffentlicher Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge.
Scania, eine Tochter des Volkswagen-Konzerns, bringt dabei einen Standortvorteil ein: Das Werk in Frankreich ist etabliert, die Teams sind vorhanden, und die industrielle Basis gilt als geeignet, die Produktion schrittweise hochzufahren.
„Choose France“ als Bühne – Frankreichs Verkehrsminister Tabarot begrüßt das Projekt
Dass die Ankündigung über „Choose France“ gespielt wird, passt zur Logik des Formats: Die Initiative soll ausländische Industrieinvestitionen nach Frankreich holen und ihnen politische Sichtbarkeit geben. Auffällig ist hier weniger die Inszenierung als die Größenordnung des Engagements – zumal die technischen Eckpunkte des Projekts bereits feststehen.
Philippe Tabarot, Frankreichs Verkehrsminister, lobte die Entscheidung: „Das von Scania getragene Projekt ist eine sehr gute Nachricht für die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs in unserem Land. Es wird dazu beitragen, das Angebot an in Frankreich produzierten Elektro-Lkw zu stärken und die Transformation eines Sektors zu begleiten, der zugleich vor der Klimaherausforderung steht und aus seiner Abhängigkeit von importierten fossilen Energien herauskommen muss.“
Für Angers und das Département Maine-et-Loire bedeutet das Vorhaben mehrere Hundert zusätzliche Stellen an einem Standort, der bereits heute mit rund 1.500 Beschäftigten ein wichtiger industrieller Arbeitgeber ist. Die Arbeiten sollen in den kommenden Wochen anlaufen, der Hochlauf bis zur Zielkapazität ist bis 2029 geplant.

