Der Autokonzern Stellantis startet eine groß angelegte Rückrufaktion: 237.992 Fahrzeuge verschiedener Marken müssen in die Werkstatt. Grund ist ein mögliches Benzinleck an einem Benzinmotor, der als Nachfolger des vielfach kritisierten 1,2‑Liter-PureTech gilt.
Stellantis spricht von einer Vorsichtsmaßnahme. Im ungünstigsten Fall kann eine Undichtigkeit im Kraftstoffsystem zu Brandgefahr führen – wahrscheinlicher sind zunächst Benzingeruch oder ein erhöhter Verbrauch. Für viele Kunden ist der Rückruf auch deshalb brisant, weil ausgerechnet der Motor betroffen ist, der das PureTech-Kapitel schließen sollte.
Worum es geht: Mögliche Undichtigkeit im Hochdruck-Kraftstoffsystem
Nach Angaben aus dem Umfeld der Rückrufkampagne betrifft der Fehler eine Verbindung im Hochdruckbereich der Kraftstoffversorgung – dort, wo Kraftstoffpumpe, Hochdruckleitung und Einspritzleiste zusammenarbeiten. Wird eine Verbindung nicht ausreichend dicht, kann Kraftstoff austreten.
Das Spektrum der möglichen Folgen reicht von Mehrverbrauch und Benzingeruch bis hin zu einem Brand im Motorraum in Extremfällen. In der öffentlichen Kommunikation ist teils von „keinen Vorfällen“ die Rede, an anderer Stelle kursieren Hinweise auf einzelne festgestellte Fälle. Für Betroffene ändert das wenig: Ein Benzinleck im Motorraum gilt als sicherheitsrelevant und sollte zügig geprüft werden.
Welche Baujahre und Marken betroffen sind – und warum so viele Modelle
Betroffen sind Fahrzeuge aus jüngerer Produktion, die je nach Modelljahrgang grob in den Zeitraum 2023 bis 2025 fallen. Der Rückruf zieht sich durch mehrere Stellantis-Marken – darunter Peugeot, Citroën, DS, Opel, Fiat, Jeep, Lancia und Alfa Romeo.
Der Hintergrund ist typisch für heutige Großserienproduktion: Stellantis nutzt konzernweit gemeinsame Plattformen und Motoren. Taucht ein Problem an einem Bauteil oder einer Montageverbindung auf, kann es deshalb sehr unterschiedliche Modelle treffen – vom Kleinwagen bis zum Kompakt-SUV.
Der PureTech-Nachfolger: Viel neu, Steuerkette statt Ölbad-Zahnriemen
Der betroffene Motor wird in technischen Unterlagen als EB2 Generation 3 geführt und gilt als umfassend überarbeitet. Stellantis nennt einen hohen Anteil neuer Teile; als zentrale Änderung gilt der Wechsel von einem im Öl laufenden Zahnriemen zur Steuerkette.
Genau dieser Schritt sollte Vertrauen zurückgewinnen. Der 1,2‑Liter‑PureTech stand über Jahre in der Kritik, unter anderem wegen Problemen rund um den Ölbad-Zahnriemen. Umso empfindlicher reagieren Kunden nun darauf, dass der Nachfolger bereits in einer großen Rückrufaktion auftaucht – auch wenn es diesmal nicht um den Riementrieb, sondern um das Kraftstoffsystem geht.
Peugeot stark betroffen – Werkstätten müssen Rückrufwelle abarbeiten
Innerhalb des Rückrufs entfällt der größte Anteil nach den vorliegenden Zahlen auf Peugeot: 149.157 Fahrzeuge sollen in den Umfang fallen. Das zeigt, welches Gewicht die Marke im Konzernabsatz bei diesen Motorisierungen hat.
Für die Händlernetze bedeutet das Organisation: Termine koordinieren, Kunden informieren, Rückrufmaßnahmen dokumentieren. Die eigentliche Arbeit am Fahrzeug ist zwar kurz – doch bei Hunderttausenden Autos kann die Terminvergabe zum Nadelöhr werden, ähnlich wie man es aus großen Rückrufwellen auch in Deutschland kennt.
Was in der Werkstatt passiert – und welche Warnzeichen Fahrer ernst nehmen sollten
Die Maßnahme selbst ist laut Stellantis-Kommunikation vergleichsweise überschaubar: In der Werkstatt werden Verbindungen im Hochdruck-Kraftstoffkreis kontrolliert und nachgezogen, etwa an der Hochdruckleitung sowie an Befestigungen im Bereich der Einspritzleiste. Die Arbeitszeit wird mit weniger als 30 Minuten angegeben.
Bis zum Termin sollten Fahrer auf typische Hinweise achten: Benzingeruch, auffälliger Mehrverbrauch oder Warnmeldungen. Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte nicht selbst am Kraftstoffsystem arbeiten, sondern den Händler kontaktieren – Hochdrucksysteme sind sicherheitskritisch, und eine fachgerechte Prüfung ist entscheidend.
Rückrufe als Belastungsprobe: Stellantis unter Druck durch mehrere Kampagnen
Der aktuelle Rückruf fällt in eine Phase, in der Stellantis wiederholt mit Qualitäts- und Sicherheitskampagnen Schlagzeilen macht. In Frankreich liefen zuletzt unter anderem Aktionen rund um Takata-Airbags bei Citroën C3 und DS3 – ein Thema, das auch in Deutschland seit Jahren als Synonym für großflächige Airbag-Rückrufe gilt.
Zugleich zeigt der Blick in die Branche: Rückrufe sind kein Stellantis-Alleinstellungsmerkmal. Auch andere Hersteller mussten zuletzt wegen möglicher Kraftstofflecks große Serien in die Werkstätten holen. Für Stellantis ist die Häufung heikel – weil Vertrauen gerade bei einem Motor zurückkehren sollte, der als Neustart nach dem PureTech gedacht war.
Entscheidend wird nun sein, wie schnell und transparent der Konzern die betroffenen Fahrzeuge identifiziert, Kunden informiert und Werkstattkapazitäten bereitstellt. Für Käufer und Halter zählt am Ende weniger die Zahl der Rückrufe als die Frage, ob Probleme früh erkannt und sauber behoben werden.
Wichtige Punkte
- Stellantis startet einen Rückruf für 237.992 Fahrzeuge wegen eines Risikos von Kraftstofflecks.
- Betroffen ist der Motor als Nachfolger des 1.2 PureTech, mit Steuerkette und weitgehend überarbeiteten Bauteilen.
- Peugeot stellt den größten Anteil der betroffenen Fahrzeuge mit 149.157 Einheiten.
- Die angekündigte Abhilfe ist schnell und konzentriert sich auf das Nachziehen von Komponenten des Hochdruckkreislaufs.
- Dieser Rückruf erfolgt in einem Kontext mehrerer Kampagnen, darunter die Takata-Airbags bei C3 und DS3.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das technische Problem, das dem Stellantis-Rückruf zugrunde liegt?
Der Rückruf betrifft das Risiko eines Kraftstofflecks beim Benzinmotor, dem Nachfolger des 1.2 PureTech. Der betroffene Punkt liegt im Hochdruckkreislauf zwischen der Hochdruckpumpe und der Einspritzleiste; das Szenario reicht von erhöhtem Verbrauch bis hin zu Brandgefahr in Extremfällen.
Welche Fahrzeuge und welche Marken sind von diesem Rückruf betroffen?
Die Kampagne betrifft 237.992 Fahrzeuge, die in einem jüngeren Zeitraum produziert wurden, darunter Modelle mehrerer Konzernmarken wie Peugeot, Citroën, DS, Opel, Fiat, Jeep, Lancia und Alfa Romeo. Peugeot soll am stärksten betroffen sein, mit 149.157 Fahrzeugen im kommunizierten Umfang.
Was macht die Werkstatt beim Werkstatttermin?
Die angekündigte Maßnahme besteht darin, Verbindungen an der Hochdruckleitung und an der Einspritzleiste zu prüfen und nachzuziehen. Die angegebene Dauer liegt unter 30 Minuten, auch wenn die Wartezeit für einen Termin je nach Auslastung des Netzes variieren kann.
Welche Anzeichen können einen Fahrer vor dem Termin warnen?
Genannt werden das Aufleuchten einer Warnleuchte, Kraftstoffgeruch und ein ungewöhnlich hoher Benzinverbrauch. Im Zweifel wird empfohlen, das Servicenetz zu kontaktieren, statt selbst am Kraftstoffsystem zu arbeiten.
Quellen
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