Die Lederwarenfirma Daguet aus Saint-Junien (Haute-Vienne) steht offenbar kurz vor einem Eigentümerwechsel: Ein Textilkonzern aus der Normandie soll die seit 1969 bestehende PME übernehmen.
Für Saint-Junien, eine Stadt, deren Name in Frankreich eng mit der Handschuhmacher-Tradition verbunden ist, wäre es ein Einschnitt: Nach vorliegenden Informationen steht die bekannte Maroquinerie Daguet, seit mehr als fünf Jahrzehnten am Ort ansässig, vor dem Wechsel unter ein „normannisches“ Dach – gemeint ist ein in der Normandie ansässiger Textilkonzern.
Daguet ist in der französischen Lederbranche kein unbeschriebenes Blatt. Das Unternehmen ist auf Gürtel spezialisiert und hat sich über Jahre eine stabile Position erarbeitet – auch dank eines Vertriebsnetzes mit rund 400 Wiederverkäufern in Frankreich.
Daguet: ein Lederbetrieb, der sich über Jahrzehnte neu erfunden hat
Die Geschichte von Daguet beginnt 1969 in Saint-Junien, einem Ort, der in Frankreich seit Langem mit der Herstellung von Lederhandschuhen verbunden wird. Daguet setzte früh auf eine klare Nische: Gürtel – ein engeres Segment, in dem sich die Firma jedoch profilieren konnte.
2009 übernahm Thibault Favre d’Echallens das Unternehmen. Er ist „Compagnon du Devoir“ – Mitglied eines traditionsreichen französischen Ausbildungs- und Handwerksnetzwerks – und wurde nach Angaben aus dem Umfeld des Betriebs in der Firma ausgebildet. „Mein Vater war Vertreter für Hüte und Lederhandschuhe. Meine Geschichte mit der Maroquinerie begann lange vor meinem ersten Schülerpraktikum in diesem Unternehmen, das ich nie wieder verlassen habe“, erklärt er. Damals war er 24 Jahre alt, und Daguet zählte sieben Beschäftigte, als er die Leitung übernahm. [1]
Seitdem wuchs Daguet weiter. Das Unternehmen trägt das französische Gütesiegel „Entreprise du patrimoine vivant“ (staatlich verliehenes Label für anerkanntes handwerkliches und industrielles Know-how) und ist Mitglied der Vereinigung „Luxe et Excellence“. In Bordeaux eröffnete Daguet unter der Marke Jean Thibault eine eigene Boutique – als Testlauf vor möglichen weiteren Standorten in Nantes oder Lille. Der Umsatz sollte in dem Jahr dieser Entwicklung nach den vorliegenden Angaben 1 Mio. Euro erreichen.
Auch mit Materialkombinationen machte die Firma auf sich aufmerksam: Bei den „Portes du cuir“ in Nontron präsentierte Daguet Kreationen, die Porzellan und Leder verbinden – eine Handschrift, mit der das Haus seinen handwerklich-kreativen Anspruch unterstreicht. [5]
Stark in der Region verankert – im Umfeld von Hermès und Ausbildungsgängen
Saint-Junien ist Teil eines dichten Leder-Ökosystems in Nouvelle-Aquitaine. In der Stadt gibt es unter anderem Werkstätten von Hermès, wo Maroquiniers ausgebildet werden und Produktion stattfindet. Daguet wird regelmäßig als Praktikumsbetrieb für Schülerinnen und Schüler in Ausbildungswegen wie CAP Maroquinerie oder dem beruflichen Abitur (bac pro) genannt – neben Akteuren wie Chanel Production oder der Hermès-Maroquinerie de la Tardoire in Montbron. [4]
Diese Einbindung in die regionale Branche verschaffte Daguet Sichtbarkeit über das eigene Händlernetz hinaus. Das Unternehmen nimmt an Branchenterminen teil, bildet Auszubildende aus und steht für ein Lederhandwerk, das in Frankreich eng mit regionaler Verankerung und dem Anspruch „made in France“ verbunden wird.
Pourquoi la reprise de Daguet compte pour la filière cuir
Was die geplante Übernahme für Saint-Junien bedeuten würde
Mit dem Einstieg des normannischen Textilkonzerns würde bei Daguet eine neue Phase beginnen. Die vorliegende Zusammenfassung deutet darauf hin, dass das Geschäft vor allem die kommerzielle Präsenz der Marke ausweiten soll – ohne Bruch mit der bisherigen Positionierung.
Für Saint-Junien und die Lederbranche im Département Haute-Vienne steht viel auf dem Spiel: Es geht um die Sicherung von Aktivität, Arbeitsplätzen und Know-how am Standort – und zugleich um die Chance, von Vertriebskraft und Ressourcen eines größeren Konzerns zu profitieren. Bei der Übernahme eines handwerklich geprägten Betriebs durch einen externen Industrieakteur stellt sich regelmäßig dieselbe Frage: Wachstum ja – aber zu welchen Bedingungen für Identität und Handwerk?
Der Vorgang dürfte sich nach Angaben von Le Populaire du Centre, das die Information veröffentlicht hat, in Kürze konkretisieren.
Daguet Saint-Junien : les chiffres clés de la PME du cuir
- Daguet est fondée en 1969 à Saint-Junien, ville historique de la ganterie en Haute-Vienne.
- Thibault Favre d'Echallens reprend l'entreprise en 2009 à 24 ans, avec 7 salariés.
- La maison compte environ 400 revendeurs en France et est labellisée Entreprise du patrimoine vivant.
- Une boutique test a été ouverte à Bordeaux sous l'enseigne Jean Thibault.
- Un groupe textile normand serait sur le point de finaliser l'acquisition de la PME.
Sources
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