Thales und der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha haben eine Integrationsvereinbarung geschlossen: Die Raketen des Systems Chunmoo sollen in den von Thales entwickelten Werfer X-Fire eingebunden werden. Bekanntgegeben wurde der Schritt auf der Konferenz „Theatrum Belli défense 2026“, einem Branchentreffen für strategische und industrielle Verteidigungsfragen.
Mit dem Abkommen bündeln beide Unternehmen ihre jeweiligen Stärken, um ein integriertes System für weitreichende Bodenwirkung anzubieten. Ziel ist es, Nutzern eine Kombination aus hoher Feuerdichte („Sättigung“) und gesteigerter Präzision gegen entfernte Ziele bereitzustellen.
X-Fire trifft Chunmoo: Integration zweier Bausteine
Chunmoo ist ein Mehrfachraketenwerfersystem von Hanwha, ausgelegt auf Schläge „in die Tiefe“ von landgestützten Plattformen aus. X-Fire ist Thales’ Antwort auf den Bedarf europäischer Streitkräfte nach Langstrecken-Fähigkeiten am Boden. Die nun vereinbarte Integration soll beide Komponenten zu einem gemeinsamen System zusammenführen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Seit der Rückkehr hochintensiver Kriegführung in Europa steigt die Nachfrage nach Mehrfachraketenwerfern im Exportmarkt stark. Als Beispiel wird in diesem Zusammenhang Kanada genannt: Das Land bestätigte jüngst die Bestellung von 26 HIMARS-Werfern in den USA für 1,9 Milliarden Dollar – ein Signal für das wachsende Interesse westlicher Armeen an weitreichender Feuerkraft.
Exportfokus: europäische Ausschreibungen und darüber hinaus
Die industrielle Logik hinter dem Thales-Hanwha-Deal ist klar: Eine erprobte südkoreanische Rakete soll mit einer von einem europäischen Anbieter entwickelten Werfer-Architektur kombiniert werden. Damit wollen die Partner bei NATO-Ausschreibungen und im Export eine belastbare Alternative zu US-Systemen anbieten.
Hanwha hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Waffenexporteure Asiens entwickelt. Chunmoo ist bereits bei mehreren Armeen im Einsatz, und das Unternehmen will seine Präsenz in Europa ausbauen – insbesondere in den baltischen Staaten und in Polen. Dort wurden die Anforderungen an weitreichende Artillerie seit 2022 deutlich nach oben korrigiert.
„Schlag in die Tiefe“ als europäische Priorität
Für Thales passt die Kooperation in eine Strategie, im Segment bodengebundener Wirksysteme stärker zu werden – ein Feld, in dem der französische Konzern bislang weniger sichtbar ist als etwa bei Radar, Optronik oder elektronischer Kampfführung. Die Anbindung von X-Fire an eine Rakete mit bereits vorhandener operativer Historie soll den Marktzugang für ein konkurrenzfähiges Angebot beschleunigen.
Angaben zum Entwicklungszeitplan und zu den ersten anvisierten Kunden machten die Unternehmen zum Zeitpunkt der Ankündigung nicht.
