Der deutsche Automobilzulieferer Leoni startet in Marokko den Bau seiner 12. Produktionsstätte. Das Unternehmen investiert dafür 640 Mio. Dirham – ein weiterer Ausbau in einem Land, das sich für europäische Hersteller zum zentralen Standort für Fahrzeugkabelbäume entwickelt hat.
Die Bauarbeiten laufen bereits: Leoni, einer der weltweit großen Hersteller von elektrischen Bordnetzen und Kabelbäumen für die Autoindustrie, errichtet in Marokko eine weitere Fabrik. Die Investitionssumme liegt laut Bericht bei 640 Mio. Dirham. Damit unterstreicht der Konzern sein Vertrauen in den marokkanischen Industriestandort und in die Entwicklung der dortigen Autoindustrie.
Für Leoni ist es kein Neustart, sondern die Fortsetzung einer langjährigen Expansion. Das Unternehmen ist seit vielen Jahren im Land aktiv und betreibt in der Region Casablanca mehrere Werke – unter anderem in Bouskoura und Aïn Sebaâ. Mit der neuen Anlage wächst das Netz auf insgesamt 12 Fabriken, sobald der Standort fertiggestellt ist. Der Schritt fällt in eine Phase, in der die weltweite Nachfrage nach Fahrzeugverkabelung trotz technologischem Wandel hoch bleibt – auch wegen der Elektrifizierung.
Marokko zieht die großen Kabelbaum-Spezialisten an
Marokko hat sich in den vergangenen Jahren zu einer bevorzugten Adresse für Zulieferer entwickelt, die auf Kabelbäume spezialisiert sind. So hat der japanische Konzern Sumitomo eine achte Kabelbaumfabrik im Land eröffnet – in Aïn Harrouda, einem Industrieort nordöstlich von Casablanca.
Leoni verfolgt eine ähnliche Logik: ein dichtes Netz an Standorten, das vor allem europäische Autobauer bedient. Die Nähe zur Straße von Gibraltar macht das Land zu einer logistisch günstigen Plattform, um Montagewerke in Europa zu versorgen.
Die marokkanische Autoindustrie verzeichnete laut Bericht mehrere Jahre starkes Exportwachstum, getragen von umfangreichen ausländischen Investitionen. Kabelbäume gelten dabei als eine tragende Säule: Die Fertigung ist nur begrenzt automatisierbar, benötigt viele qualifizierte Hände und lässt sich vergleichsweise gut in Länder mit wettbewerbsfähigen Kosten verlagern. Neue Werke schaffen typischerweise Hunderte, teils Tausende direkte Arbeitsplätze.
Leoni selbst hat in diesem Jahrzehnt allerdings auch Rückschläge erlebt. Das Unternehmen musste seinen Standort in Bouznika schließen, nachdem ein Volkswagen-Auftrag verloren gegangen war – verbunden mit einer Neuordnung der Kapazitäten im Land. Der Bau der neuen Fabrik signalisiert nun wieder eine offensivere Linie, gestützt durch neue Aufträge oder durch steigende Kabelbaum-Volumina in Elektrofahrzeugen, die deutlich mehr Leitungen benötigen als Verbrenner.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Anzahl der Werke (nach Fertigstellung) | 12 |
| Investition für das 12. Werk | 640 Mio. Dirham |
| Historische Standorte bei Casablanca | Bouskoura, Aïn Sebaâ |
Quelle: Usine Nouvelle
Arbeitsplätze – und der Druck, mehr Know-how ins Land zu holen
Jede Kabelbaumfabrik steht für mehrere Hundert direkte Jobs – oft in Regionen, in denen industrielle Strukturen erst wachsen. Auch Leonis 12. Werk passt in dieses Muster: In der Kabelbaumfertigung zählen Präzision und Wiederholgenauigkeit, lange Ausbildungswege sind dafür häufig nicht nötig. Das erleichtert es, neue Beschäftigte relativ schnell einzuarbeiten.
Gleichzeitig bleibt für Marokko die Herausforderung, in der Wertschöpfung aufzusteigen. Das reine Montieren von Kabelbäumen bringt weniger Wertschöpfung als Entwicklung, Design oder Systemengineering elektrischer Bordnetze. Laut Bericht enthalten einige Verträge inzwischen Zusagen zu Ausbildung und Kompetenztransfer – ein Hebel, um mittelfristig anspruchsvollere Tätigkeiten im Land zu verankern.
Warum Marokko beim Kabelbaumgeschäft für Europa so stark ist
640 Mio. Dirham im Sog der E‑Mobilität
Der Zeitpunkt der Investition ist laut Bericht eng mit der Transformation der Autoindustrie verknüpft. Ein Elektroauto hat im Schnitt zwei- bis dreimal so viel Verkabelung an Bord wie ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Da europäische Hersteller – die wichtigsten Kunden, die Leoni aus Marokko beliefert – ihre Umstellung auf Elektromodelle beschleunigen, steigt der Bedarf an Kabeln und Kabelbäumen entsprechend.
In Europa hat sich Leoni zudem als Konsolidierer positioniert: Valeo hatte seine Kabelbaum-Aktivitäten an Leoni verkauft. Die Marokko-Strategie setzt diese Linie fort – Produktion in einer kostengünstigen Region zu bündeln, weniger als zwei Stunden per Schiff von spanischen Häfen entfernt, um Montagebänder in Deutschland, Frankreich und Spanien zu versorgen. Mit 640 Mio. Dirham für das zwölfte Werk wettet Leoni darauf, dass die europäische Nachfrage nach Fahrzeugverkabelung in den kommenden Jahren hoch bleibt.
Leoni in Marokko: die wichtigsten Fakten zur Kabelbaum-Offensive
- Leoni startet den Bau seiner 12. Fabrik in Marokko – Investition: 640 Mio. Dirham.
- Bereits bestehende Standorte liegen unter anderem in Bouskoura und Aïn Sebaâ bei Casablanca.
- Elektroautos benötigen im Schnitt zwei- bis dreimal so viel Verkabelung wie Verbrenner.
- Sumitomo betreibt in Marokko acht Kabelbaumwerke, darunter eines in Aïn Harrouda.
- Leoni schloss zuvor den Standort Bouznika nach dem Verlust eines Volkswagen-Vertrags.
Sources
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