Der europäische Rüstungshersteller MBDA will im französischen Département Loiret, in der Agglomeration von Orléans, eine neue Fabrik für mechanische Produktion aufbauen – auf einem 40 Hektar großen Industriegelände. Damit reagiert das Unternehmen auf die stark gestiegene Nachfrage nach Lenkwaffen.
MBDA teilte am 11. Juni mit, ein 40 Hektar großes Industriegrundstück in einer Gemeinde rund um Orléans zu erwerben; der genaue Ort wurde bislang nicht genannt. Die Fläche ist nach Unternehmensangaben doppelt so groß wie das heutige Areal des Standorts Bourges-Aéroport – dem wichtigsten französischen Produktionszentrum des Konzerns für Raketen und Lenkwaffen.
Das neue Werk ist ausdrücklich als Ergänzung geplant, nicht als Ersatz. Bourges bleibt mit 2.500 Beschäftigten bestehen, ebenso Selles-Saint-Denis (Département Loir-et-Cher) mit 300 Mitarbeitenden, die dort in der Sologne die Endmontage der Lenkwaffen übernehmen. Der neue Standort im Loiret soll vor allem die mechanische Fertigung übernehmen, die die bestehenden Werke nach Angaben des Unternehmens nicht mehr in ausreichendem Umfang stemmen können.
Start schon 2027 – zunächst in angemieteten Hallen
MBDA will nicht warten, bis der Neubau fertig ist. Geplant ist, ab 2027 zunächst benachbarte Gebäude anzumieten, um eine „erste betriebsfähige industrielle Kapazität“ aufzubauen. Die Regionalzeitung La République du Centre berichtet, es könne sich dabei um Anlagen des früheren Windradherstellers Vergnet handeln, der im Februar in die gerichtliche Liquidation gegangen war. MBDA kommentierte diese Information nicht.
Dass der Konzern zweigleisig fährt – erst mieten, dann bauen –, unterstreicht den Zeitdruck. Die Nachfrage nach Lenkwaffen ist laut Bericht stark gestiegen, getrieben durch die europäische Aufrüstung und Bedarfe im Zusammenhang mit laufenden Konflikten. MBDA, hervorgegangen aus der Zusammenführung der Raketensparten von Airbus, BAE Systems und Leonardo, will die Produktion hochfahren, ohne den Abschluss eines kompletten Neubaus abzuwarten.
Für 2027 rechnet das Unternehmen in der Mietphase mit „einigen Dutzend“ Neueinstellungen. Wenn das Werk 2030 vollständig läuft, könnten dort – abhängig von der Nachfrage – „mehrere Hundert“ Menschen arbeiten.
| Site | Département | Effectif | Fonction |
|---|---|---|---|
| Bourges-Aéroport | Cher (18) | 2 500 personnes | Principal site de production de missiles |
| Selles-Saint-Denis | Loir-et-Cher (41) | 300 personnes | Assemblage final des missiles |
| Nouveau site Loiret (commune non divulguée) | Loiret (45) | Plusieurs centaines (à terme, 2030) | Production mécanique |
Source : La Nouvelle République
Orléans als Standortfaktor: „dynamischer Arbeitsmarkt“ zwischen Bourges und Konzernzentrale
MBDA bezeichnet die Agglomeration Orléans als „dynamischen Arbeitsmarkt, ideal gelegen“. Der Standort hat auch eine praktische Logik: Das Loiret liegt geografisch zwischen Bourges und dem Firmensitz im Großraum Paris – konkret in Le Plessis-Robinson (Département Hauts-de-Seine). Das erleichtert Logistik und die Mobilität von Führungskräften zwischen den Standorten.
Für die Region ist das Projekt auch arbeitsmarktpolitisch relevant. Schon „einige Dutzend“ Stellen ab 2027 wären ein sichtbares Signal in einem Umfeld, in dem die verarbeitende Industrie Personal sucht. Der Hochlauf auf „mehrere Hundert“ Jobs bis 2030 würde das Vorhaben zu einem der größeren Industrieprojekte der Region in diesem Zeitraum machen.
Wie viel MBDA investiert, bleibt offen: Das Unternehmen nennt keine Summe, der Grundstückserwerb läuft noch. Die Dimension ist dennoch klar – 40 Hektar entsprechen dem doppelten Flächenumfang von Bourges-Aéroport. Dort sind nach Angaben im Bericht unter anderem das Exocet-Programm und die großen französischen Produktionslinien des Konzerns angesiedelt.
Pourquoi l'usine orléanaise est stratégique pour MBDA
Mehr Stückzahlen, mehr Druck: Europas größter Raketenanbieter stößt an Kapazitätsgrenzen
Das Vorhaben im Loiret ist Teil einer größeren Entwicklung. MBDA gilt laut Bericht als einziger europäischer Hersteller mit vollständiger Lenkwaffen-Palette – von Panzerabwehrwaffen bis zu Marschflugkörpern. Mit dem Krieg in der Ukraine und der breiten Aufrüstung in Europa seien die Auftragsbücher auf ein bislang nicht gekanntes Niveau gestiegen; zum Engpass werde zunehmend die industrielle Kapazität, noch vor Technologie oder Finanzierung.
MBDA hat sich demnach in den vergangenen Jahren auf europäischer Ebene das Ziel gesetzt, die Raketenproduktion zu versechsfachen. Das erfordert große, abgestimmte Industrieinvestitionen – das neue Werk bei Orléans ist eine der sichtbarsten französischen Umsetzungen dieses Kurses.
Bourges soll weiterhin die sensibelsten Technologien bündeln. Der Standort im Loiret übernimmt die mechanische Fertigung: weniger vertraulich, aber volumenstark und für höhere Taktzahlen unverzichtbar. Ohne zusätzliche Kapazität, so die Logik des Projekts, bleibt der geplante Hochlauf in der Produktion kaum erreichbar.
MBDA dans le Loiret : les chiffres clés du projet
- Le terrain en cours d'acquisition fait 40 hectares, soit deux fois le site de Bourges-Aéroport.
- La commune d'implantation n'a pas été communiquée par MBDA.
- Une première capacité de production est prévue dès 2027, dans des locaux loués.
- L'usine sera pleinement opérationnelle en 2030 avec potentiellement plusieurs centaines d'emplois.
- MBDA est détenu par Airbus, BAE Systems et Leonardo.
- Le groupe emploie déjà 2 800 personnes en région Centre-Val de Loire, entre Bourges et Selles-Saint-Denis.
Sources
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