Vier Jahrzehnte Notizen, Artikel und Dokumente – am Ende stand eine Kiste voller Material. Die Journalistin Christiane Perruchot hat daraus ein 344 Seiten starkes Buch gemacht, das die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Burgunds nachzeichnet.
Ausgangspunkt waren persönliche Archive, die sich seit dem 5. Mai 1981 angesammelt hatten – dem Tag, an dem Perruchot ihre ersten Texte für die Gazette d’Autun veröffentlichte, eine zweimal wöchentlich erscheinende Zeitung im Département Saône-et-Loire. Eigentlich wollte sie das Material zunächst Studierenden für eine mögliche Abschlussarbeit überlassen. Dann entschied sie: Sie schreibt selbst.
Veröffentlicht wurde das Buch beim Verlag Liralest. Es versteht sich als journalistische Arbeit aus Primärquellen – getragen von einer jahrzehntelangen Präsenz vor Ort.
Von der „Gazette d’Autun“ bis zur eigenen Wirtschafts-Newsletter
Perruchots beruflicher Weg führt durch unterschiedliche Redaktionen und Formate. Nach der Gazette d’Autun arbeitete sie unter anderem für den Moniteur, Le Monde, Les Echos sowie für L’Yonne républicaine.
1991 gründete sie die Presseagentur Traces Ecrites. Deren Wirtschafts-Newsletter Traces Ecrites News veröffentlichte ihren letzten Artikel im Juli 2022 – nach 41 Jahren Berufstätigkeit. Ein langes Reporterleben, ein klar umrissenes Gebiet, dazu „eine beträchtliche Rohmasse“ an Material.
„Als ich meine Tätigkeit beendet habe, wollte ich meine Archive sortieren, und meine ursprüngliche Idee war, sie Studierenden für eine mögliche Abschlussarbeit zu überlassen – bevor ich mir sagte, dass ich diese Arbeit selbst machen kann“, erzählt sie. Das erste Kapitel war im Oktober 2023 fertig. Der Herbst 2024 sei dann von intensiver Arbeit geprägt gewesen, um die mit dem Verlag vereinbarten Fristen einzuhalten.
Ein Foto von François Mitterrand als symbolischer Auftakt
Schon das Cover setzt den Ton: Es zeigt François Mitterrand in dem Restaurant „Au Vieux Morvan“ in Château-Chinon, aufgenommen am 10. Mai 1981 – dem Abend der Stichwahl zur französischen Präsidentschaft. Für deutsche Leserinnen und Leser: Mitterrand prägte als sozialistischer Präsident Frankreich über Jahre; das Bild markiert im Buch einen politischen Startpunkt.
Burgund erscheint zunächst als politische Bühne – und wird im Verlauf der Jahrzehnte immer stärker als Heimat eines Weinbaugebiets erzählt, dessen weltweiter Ruf sich in genau dieser Zeit verfestigt hat. Perruchot spannt den Bogen von den „Mitterrand-Jahren“ bis zu dem, was sie das „goldene Zeitalter“ des burgundischen Weinbergs nennt.
Regionaljournalismus als Methode – und als Verlagsschwerpunkt
Die von Perruchot 1991 gegründete Agentur Traces Ecrites gilt als feste Größe in der Wirtschaftsberichterstattung über Bourgogne-Franche-Comté und den Grand Est. In dieser Linie steht auch das Buch: kein Memoirenprojekt, sondern eine journalistische Rekonstruktion – aufgebaut auf Quellenarbeit und vier Jahrzehnten Recherche im Feld.
Herausgegeben wird der Band bei Liralest, einem Verlag, der auf regionale Publikationen spezialisiert ist.
