Nouvelle-Aquitaine rückt bei den großen Industrieentscheidungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) in Frankreich in den Fokus: Amazon kündigt einen weiteren Logistikstandort an, der Drohnenhersteller Tekever stockt seine Investitionen deutlich auf, und der taiwanische Konzern Foxconn hat nahe Bordeaux den Baustart für eine Halbleiterfabrik markiert.
Die Signale aus der regionalen Wirtschaft sind dabei schon vor den Pariser Ankündigungsrunden angekommen. Arnaud Degorre, Regionaldirektor des französischen Statistikamts Insee, berichtet von Unternehmenschefs, die ihre Einstellungsprognosen zu überdenken beginnen. Sein Befund fällt nüchtern aus: Auf regionaler Ebene sei das noch nicht messbar, aber „ziemlich beunruhigend“.
Vor diesem Hintergrund bekommen die Investitionszusagen, die im Rahmen von „Choose France 2026“ (der Investorenkonferenz der französischen Regierung) vorgestellt wurden, für die Region besonderes Gewicht.
Foxconn und Tekever: Halbleiter und Drohnen zwischen Bordeaux und Okzitanien
Foxconn hat in der Region Bordeaux den Grundstein für ein Projekt zum Aufbau einer Fabrik für die Montage von Halbleitern gelegt – gemeinsam mit Thales und Radiall. Das Vorhaben war bereits bei „Choose France 2025“ angekündigt worden und geht nun in die konkrete Umsetzungsphase.
Auch der portugiesische Drohnenhersteller Tekever schaltet hoch: 100 Mio. Euro zusätzliche Investitionen in Frankreich über fünf Jahre und 100 qualifizierte Arbeitsplätze, verteilt auf Okzitanien und Nouvelle-Aquitaine. Damit steigt das Gesamtpaket laut Élysée-Palast auf 200 Mio. Euro und 200 Jobs – doppelt so viel, wie das Unternehmen im Vorjahr angekündigt hatte.[1]
Amazon: Neuer Logistikstandort in Nouvelle-Aquitaine, 1.000 weitere Jobs angekündigt
Amazon ergänzt seinen Frankreich-Plan um drei neue Logistikstandorte: einen in Pays de la Loire, einen in der Region Île-de-France (Großraum Paris) und einen in Nouvelle-Aquitaine – dort als Verteilzentrum. Zusammen mit einem vierten Standort in Ensisheim im Département Haut-Rhin summiert sich das Paket auf mehr als 400 Mio. Euro Investitionen und 1.000 angekündigte Arbeitsplätze – zusätzlich zu den 7.000 Jobs, die bis 2028 bereits zugesagt waren.[1]
Der Konzern aus Seattle hatte Anfang Mai zudem einen übergeordneten Plan von mehr als 15 Mrd. Euro Investitionen in Frankreich über drei Jahre vorgestellt. Nach Unternehmensangaben ist es bislang das größte Investment des Konzerns im Land.
Was die Region jetzt umtreibt
Für viele Unternehmen in Nouvelle-Aquitaine geht es damit weniger um die Frage, ob KI industrielle Gewichte verschiebt. Entscheidend ist das Tempo, mit dem sie sich darauf einstellen müssen – bevor aus den Beobachtungen, von denen das Insee berichtet, belastbare, regional messbare Trends werden.
