DeutschFrankreichs Generalstabschef warnt: Deutschlands Rüstungsbudget könnte Paris in Europa militärisch überholen

Frankreichs Generalstabschef warnt: Deutschlands Rüstungsbudget könnte Paris in Europa militärisch überholen

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Frankreich droht nach Einschätzung seines Generalstabschefs in Europa militärisch an Einfluss zu verlieren – weil Deutschland seine Verteidigungsausgaben deutlich schneller und stärker erhöht. General Fabien Mandon, Chef des französischen Generalstabs (CEMA), warnte im Senat vor einem möglichen „Abkoppeln“ Frankreichs gegenüber Berlin.

Bei einer Anhörung am 11. Mai vor dem Finanzausschuss des französischen Senats sagte Mandon auf Nachfrage des Senators Dominique de Legge, Berichterstatter für den Verteidigungshaushalt: „Ein Abkoppeln ist möglich.“ Hintergrund ist die wachsende Lücke zwischen den Verteidigungsbudgets beider Länder.

108,2 Mrd. Euro in Deutschland – 76,3 Mrd. Euro in Frankreich

Für 2026 veranschlagt Deutschland nach den genannten Zahlen 108,2 Mrd. Euro für seine Streitkräfte: 82,7 Mrd. Euro aus dem regulären Haushalt des Verteidigungsministeriums plus 25,5 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen der Bundeswehr, das 2022 geschaffen wurde.

Eine im November veröffentlichte Notiz der französischen Generaldirektion des Schatzamts (Direction générale du Trésor) beziffert die deutsche Planung noch deutlich höher: Berlin wolle die gesamten Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit bis 2029 auf 167,8 Mrd. Euro steigern – nach 66,8 Mrd. Euro im Jahr 2024. Das entspräche einem Plus von 150 Prozent in fünf Jahren.

Frankreichs Kurs sieht deutlich moderater aus. Die Aktualisierung der französischen Militärplanung (LPM 2024–2030) rechnet demnach mit 76,3 Mrd. Euro im Jahr 2030, das wären 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung schlug vor, zusätzlich 14 Mrd. Euro einzuplanen, um auf 83,9 Mrd. Euro zu kommen – ein Niveau, das nach Darstellung des Artikels besser zum NATO-Ziel von 3,5 Prozent des BIP passen würde. Selbst in diesem „optimistischen“ Szenario bliebe der Abstand zu Berlin groß.

Für Mandon zählt dabei nicht nur die Summe, sondern auch das Tempo. „Wenn Deutschland in diesem Rhythmus weitermacht, wird in fünf Jahren das Argument, dass wir von operativer Erfahrung und einer gewissen Kultur profitieren, nicht mehr tragen“, sagte er. Und weiter: „Für die Amerikaner wird die europäische Referenz nach und nach Deutschland.“ Berlin plane, „jedes Jahr dreimal so viel wie Frankreich“ auszugeben; „nach fünf Jahren wird der Unterschied frappierend sein“.

Atomare Abschreckung als struktureller Vorteil – aber keine Antwort auf alle konventionellen Lücken

Ein Punkt bleibt aus Mandons Sicht ein klarer französischer Trumpf: die nukleare Abschreckung, über die Deutschland nicht verfügt. „Die nukleare Abschreckung ist Teil der Verteidigungsgleichung Europas“, betonte der General.

In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bedeutung der Rede des französischen Präsidenten auf der Île Longue, dem zentralen Standort der französischen seegestützten Nuklearstreitkräfte: „Zum ersten Mal ruft er uns dazu auf, gemeinsam über unsere Verteidigung nachzudenken.“

Gleichzeitig machte Mandon deutlich, dass Abschreckung nicht alle konventionellen Anforderungen abdeckt. Er kritisierte fehlende Abstimmung mit Partnern: „Wenn wir das Militärprogrammgesetz oder seine Aktualisierung erarbeiten, sprechen wir sehr wenig mit unseren Verbündeten. Wir müssen mehr kommunizieren“, auch weil deutsche Vorhaben direkte Folgen für Frankreich hätten – etwa „wenn die Deutschen planen, bestimmte Typen leistungsfähiger Raketen zu bauen“.

Deutsches Strategiepapier ohne Frankreich – und Pistorius’ Anspruch auf Europas stärkste konventionelle Armee

Besonders heikel findet Mandon ein diplomatisches Signal, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: In der jüngst veröffentlichten deutschen strategischen Überprüfung werde Frankreich „nicht ein einziges Mal“ erwähnt, sagte er vor den Senatoren.

Dieses Schweigen, kombiniert mit dem Ziel Berlins, „die stärkste konventionelle Armee Europas“ zu besitzen – so die Formulierung des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius –, deutet aus Mandons Sicht auf eine Verschiebung der militärischen Führungsrolle in Europa hin. Mit der aktuellen französischen Budgetlinie, so die implizite Warnung, könne Paris diese Entwicklung kaum kontern.

Hélène Vasseur
Hélène Vasseur
Correspondante défense & militaire Hélène couvre l'industrie de défense et les questions militaires. Contrats export, programmes d'armement, budgets : elle décrypte un secteur où l'industriel et le politique sont indissociables, en s'en tenant aux faits. Naval Group, Dassault, Thales, MBDA, KNDS, elle en connaît les dossiers.

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