Der Kreuzfahrttourismus hat 2025 in Martinique für spürbaren Rückenwind gesorgt. Das geht aus der Jahresbilanz der Iedom hervor – der „Institut d’émission des départements d’Outre-mer“, einer französischen Institution, die in den Überseegebieten unter anderem die wirtschaftliche Lage beobachtet und analysiert.
Doch die Erholung bleibt brüchig: Die Iedom beschreibt die martiniquische Wirtschaft als „Wirtschaft in der Rekonvaleszenz“. Das klingt nach Aufatmen – und zugleich nach Grenzen einer Erholung, die nicht alle Branchen erreicht.
In Guadeloupe fällt das Urteil ähnlich aus. Charles Apanon, Direktor der Iedom, und Bérengère Callamand, zuständig für Studien und Kreditinstitute, sprechen von einer „maussaden“ Bilanz – sowohl für den Tourismus als auch für das Baugewerbe.
Bau und öffentliche Aufträge: der Sektor mit dem größten Risiko
Am deutlichsten zeigen sich die Probleme im Bau- und öffentlichen Arbeiten (BTP). Der Bereich hängt stark von öffentlichen Aufträgen ab und wird nach Angaben der Iedom von der Krise im Neubau sowie steigenden Materialkosten besonders hart getroffen.
Auch Guadeloupe Économique schlägt Alarm: Dort wird ein BTP beschrieben, der „am Rand des Zusammenbruchs“ stehe.
Wie angespannt die Lage ist, zeigen die Insolvenzzahlen. 2025 wurden in den gesamten französischen Überseegebieten 2.832 Unternehmensinsolvenzen registriert. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Trend fort: Die Überseeregionen verzeichneten binnen Jahresfrist ein Plus von 9,8 Prozent – gegenüber 5,0 Prozent im französischen Mutterland. Insgesamt wurden 69.938 Urteile ausgesprochen.
Zwar liegt das Wachstum damit leicht unter dem vierten Quartal 2025, als die jährliche Zunahme 12,5 Prozent betrug. Doch der Druck bleibt hoch.
Zu den am stärksten betroffenen Branchen zählen außerdem Handel, Gastronomie sowie Beherbergung. Sie leiden laut Iedom unter den Budgetentscheidungen der Haushalte und reagieren besonders empfindlich auf Schwankungen bei der touristischen Nachfrage.
Hinzu kommt eine strukturelle Schwäche: Die Wirtschaft in den Überseegebieten besteht überwiegend aus sehr kleinen Unternehmen – das verstärkt die Wirkung von Kostenanstiegen und Nachfrageschwankungen.
Ausblick 2026: Unterstützung läuft aus, Kredit wird knapper
Für 2026 zeichnet die Iedom eine unsichere Perspektive. Die schrittweise Beendigung staatlicher Unterstützungsprogramme aus der Zeit der Corona-Krise, eine restriktivere Kreditvergabe und anhaltend steigende Betriebskosten belasten weiterhin die Liquidität vieler Betriebe.
In Martinique hatte es im zweiten Quartal 2025 zwar einen Lichtblick gegeben: Der Geschäftsklimaindikator stieg auf 104 Punkte – drei Punkte mehr als im Vorquartal. Die Iedom stellte damals fest, „die Verschlechterung des allgemeinen Umfelds hat aufgehört“.
Die Erwartungen für die Folgequartale blieben jedoch vorsichtig – und richteten sich vor allem auf zwei Bereiche, die sich inzwischen sehr unterschiedlich entwickeln: Bauwirtschaft und Tourismus.
Die Iedom, die auch für Saint-Martin und Saint-Barthélemy zuständig ist, bekräftigt für 2026 ihren Einsatz für Unternehmen und besonders verletzliche Haushalte. Im Fokus stehen dabei ausdrücklich jene Strukturen in den Überseegebieten, die bei einem konjunkturellen Rückschlag am stärksten gefährdet wären.
