Eine unabhängige französische Organisation hat ein Gesundheitsranking für Strände veröffentlicht – mit einem klaren Befund: Jeder fünfte Strand ist demnach regelmäßig mit Bakterien belastet. An der Mittelmeerküste zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Alpes-Maritimes im Ranking weit unten landen, ist das benachbarte Var weniger betroffen.
Grundlage ist ein Indikator der Vereinigung ERB, der auf denselben offiziellen Messdaten beruht wie die Auswertungen des französischen Gesundheitsministeriums – allerdings mit einer anderen Lesart. Jede Badestelle erhält eine Note von 0 bis 100. Entscheidend ist der Anteil der Proben, die von den Behörden als „mittel“ oder „schlecht“ eingestuft wurden. Eine 90 bedeutet: 10 Prozent der Proben gelten als problematisch.
ERB unterscheidet vier Kategorien: „Baden empfohlen“ (Note mindestens 95), „geringes Risiko“ (85 bis 95), „nicht empfohlen“ (70 bis 85) und „zu vermeiden“ (unter 70). Ziel der Organisation: Risiken sichtbarer machen, die in der offiziellen Gesamtnote aus ihrer Sicht zu leicht untergehen.
37 Prozent „empfohlen“, rund jeder fünfte Strand mit wiederkehrenden Problemen
Landesweit kommen 690 Strände auf die Bestnote „Baden empfohlen“ – das entspricht 37,2 Prozent. Weitere 755 Strände (40,7 Prozent) stuft ERB als „geringes Risiko“ ein. Der Rest – grob jeder fünfte Strand – landet in den unteren Kategorien.[1]
| Catégorie | Note sur 100 | Nombre de plages | Part du total |
|---|---|---|---|
| Recommandée | 95 et plus | 690 | 37,2 % |
| Peu risquée | 85 à 95 | 755 | 40,7 % |
| Déconseillée | 70 à 85 | N.D. | N.D. |
| À éviter | Moins de 70 | N.D. | N.D. |
Source : Tahiti Infos / AFP
Christophe Le Visage, Vizepräsident von ERB, beschreibt die Herangehensweise bewusst als Gegenentwurf: „Wir haben versucht, mit denselben Daten ein anderes Ranking zu entwickeln. Denn viele Strände werden als gut oder exzellent eingestuft, obwohl sie Verschmutzungen ausgesetzt sind.“ Und er warnt vor gesundheitlichen Folgen: „Bei den Bakterienkonzentrationen, die wir an manchen Stränden beobachten, gibt es Risiken für Badegäste.“
Die bestbewerteten Strände konzentrieren sich laut ERB an der Atlantikküste, in Okzitanien und auf Korsika. Genannt werden Lège-Cap-Ferret (Gironde), Palavas-les-Flots (Hérault) und Etel (Morbihan) – Orte, die laut Bericht einen vergleichsweise intakten Küstenstreifen und eine geringere landwirtschaftliche Belastung verbinden.
Alpes-Maritimes als Problemzone – Saint-Laurent-du-Var am Ende des Rankings
Die schwächsten Werte finden sich demnach vor allem im Norden Frankreichs, im Pas-de-Calais, im Calvados, an der Nordküste der Bretagne – und in den Alpes-Maritimes. Saint-Laurent-du-Var wird ausdrücklich als Strand am unteren Ende des nationalen Rankings genannt, zusammen mit Landunvez (Finistère) und Boulogne-sur-Mer (Pas-de-Calais).
Für die Alpes-Maritimes sei das Problem seit Jahren dokumentiert, heißt es. Der Küstenabschnitt vereine starke Urbanisierung, ein unter Druck stehendes Abwassersystem und Überlastungen in der Hochsaison. Le Visage sieht darin auch ein politisches Paradox: Öffentliche Investitionen in die Abwasserentsorgung würden häufig dort gebündelt, wo sie aus gesundheitlicher Sicht am wenigsten nötig seien.
„Man investiert Millionen Euro in die Abwasserentsorgung, während viele verschmutzte Strände in Gegenden liegen, in denen es wenig Touristen und wenig Urbanisierung gibt – wie in der Nordbretagne“, sagt Le Visage. Nach Schätzung von ERB seien dort rund 60 Strände von Verschmutzungen betroffen, die direkt mit auf Felder ausgebrachter Gülle zusammenhängen. Um die Dimension der landwirtschaftlichen Belastung zu verdeutlichen, nennt er eine Zahl: „In Bezug auf Bakterien entspricht ein Schwein dreißig Menschen.“
Pourquoi certaines plages méditerranéennes restent à risque
ERB fordert mehr Transparenz – und strengere Vorgaben für Behörden
Für ERB ist das Ranking nicht nur eine Liste, sondern ein politisches Instrument. Die Organisation verlangt mehr Transparenz und eine engmaschigere Überwachung der Badewasserqualität – außerdem strengere Regeln für Abwässer aus der Tierhaltung.
Der offizielle Indikator des französischen Gesundheitsministeriums, abrufbar über baignades.sante.gouv.fr, ist aus Sicht von ERB zu ungenau. Mit derselben Datengrundlage, aber einer anderen Gewichtung, komme man bei mehreren Orten zu deutlich schlechteren Bewertungen als die Behörden, die diese Strände als „gut“ oder „exzellent“ einordnen. Der Unterschied ist für Badegäste praktisch relevant: Er betrifft die Information, die Menschen erhalten, bevor sie ins Wasser gehen.
Für den Sommer lautet der praktische Rat im ERB-Text: Strände bevorzugen, die auf der ERB-Karte als „Baden empfohlen“ oder „geringes Risiko“ markiert sind – besonders an der Küste des Var sowie in gut bewerteten Bereichen am Atlantik und auf Korsika. In den stärker belasteten Abschnitten der Alpes-Maritimes seien mehr Vorsichtsmaßnahmen angebracht, vor allem nach starken Regenfällen, wenn bakterielle Einträge deutlich zunehmen.
Qualité des eaux de baignade 2026 : les chiffres du classement ERB
- 690 plages françaises sont classées 'recommandées' par l'association ERB, soit 37,2 % du total.
- Saint-Laurent-du-Var figure parmi les plages en bas du classement national.
- Les meilleures plages se situent sur la façade atlantique, en Occitanie et en Corse.
- ERB utilise les données officielles du ministère mais avec une méthode de notation différente.
- Une soixantaine de plages bretonnes seraient contaminées par des effluents d'élevage.
Sources
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