Der französische Industriebetrieb Fonderie de Bretagne in Caudan (Département Morbihan) steht finanziell mit dem Rücken zur Wand: Nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens ist die Liquidität aufgebraucht. Gleichzeitig weist der Eigentümer Europlasma für 2025 einen Nettoverlust von 35,5 Mio. Euro aus – und räumt ein, dass die Abschlussprüfer die Zahlen voraussichtlich nicht testieren können.
In Caudan wird derzeit kaum noch produziert. Die offiziell angekündigte Umstellung auf die Fertigung von Artilleriemunition – das zentrale Argument beim Einstieg von Europlasma – ist bislang nicht gelungen. Die Anlagen stehen still, und es gibt nach Angaben von Les Echos bis heute keinen festen Auftrag.
Europlasma, ein Konzern aus dem Département Landes, der ursprünglich aus der Altlastensanierung kam und sich über Zukäufe in Richtung Rüstungsindustrie neu positionierte, hat seine Zahlen für 2025 veröffentlicht. Der Umsatz stieg auf 70,4 Mio. Euro, doch die Verluste wuchsen weiter: Das Konzernergebnis (Anteil der Gruppe) liegt bei minus 35,5 Mio. Euro.
Prüfer können Europlasma-Abschluss 2025 voraussichtlich nicht testieren
Die Lage ist so angespannt, dass Europlasma in einer Finanzmitteilung selbst erklärt, die Abschlussprüfer dürften sich „in der Unmöglichkeit befinden, den Jahres- und Konzernabschluss des Geschäftsjahres zu testieren“. Eine Formulierung, die in dieser Deutlichkeit selten ist – und die auf gravierende Probleme bei der Nachvollziehbarkeit der Rechnungslegung hinweist.
Für die Beschäftigten in Caudan ist das ein Alarmsignal. Eine Liquidation der Gießerei ist aus ihrer Sicht kein theoretisches Szenario mehr. Nach dem ursprünglichen Plan sollte das Werk im Rahmen einer Veräußerung zusammen mit den militärischen Aktivitäten des Konzerns weitergereicht werden. Doch ohne Käufer – und ohne belastbare, „lesbare“ Zahlen – wird eine solche Transaktion zur Hängepartie.
Die zugesagten 3 Mio. Euro bis Ende 2025 kamen nie an
Europlasma hatte nach eigenen Verpflichtungen bis zum 31. Dezember 2025 drei Mio. Euro in die Fonderie de Bretagne einzuzahlen. Das Geld floss nicht. Damit bleibt Europlasma nach Darstellung des Unternehmens alleiniger Finanzier des Standorts – obwohl die über eine Treuhand (Fiducie) angekündigten Mittel nicht fristgerecht überwiesen wurden.
In einer Mitteilung vom Januar 2026 erklärte Europlasma, der Zeitplan zur Mobilisierung der Finanzierung habe auf Annahmen beruht, die beim Einreichen des Übernahmeangebots im April 2025 gegolten hätten. Diese Annahmen träfen nicht mehr zu. Staatliche Unterstützung sei zudem nie vertraglich fixiert worden: Der im Artikel 2 des Dekrets vom 15. Juli 1960 vorgesehene Ministerialerlass sei nicht veröffentlicht worden – und blockiere damit jede öffentliche Auszahlung.
| Indicateur | Valeur | Source / Période |
|---|---|---|
| Chiffre d’affaires Europlasma | 70,4 M€ | Comptes 2025 |
| Résultat net (part du groupe) | -35,5 M€ | Comptes 2025 |
| Injection attendue fin 2025 | 3 M€ | Engagement non tenu |
| Financement public versé à FDB | 0 € | À fin janvier 2026 |
Source : Les Echos Comfi / Europlasma
Pourquoi la reconversion défense de Caudan a calé
Umstellung auf Munitionsfertigung gestoppt – ohne festen Auftrag
Die Gießerei in Caudan war im Zuge der europäischen Aufrüstung übernommen worden und sollte auf Munitionsproduktion umstellen. Das Narrativ: steigende Verteidigungsbestellungen in Frankreich, metallurgisches Know-how in der Bretagne, ein Käufer, der sich als industrieller Baustein der Rüstungszulieferkette positioniert.
Stand 2026 fällt die Bilanz ernüchternd aus. Die Produktion ist gestoppt, ein verbindlicher Auftrag wurde nicht bestätigt. Die Umstellung fand nicht statt – und die Liquidität versiegte, bevor überhaupt die erste Granate das Werk verlassen konnte.
Einen Hoffnungsschimmer hatte es Anfang 2026 aus Sicht der Unternehmensführung gegeben: Es habe Gespräche über eine Refinanzierung des Konzerns durch den Einstieg von Investmentfonds gegeben, wie Fabrice Loher unter Berufung auf Aussagen von Jérôme Garnache berichtete. In tatsächliche Mittelzuflüsse mündete dieser Optimismus jedoch nicht.
Caudan als fragiles Symbol der französischen Rüstungs-Reindustrialisierung
Der Fall Fonderie de Bretagne steht für ein größeres Muster: Industrieanlagen werden in Frankreich teils unter Zeitdruck übernommen, um Verteidigungsbedarfe zu bedienen – während öffentliche und private Finanzierung nicht im angekündigten Tempo nachzieht. In Caudan hängen mehrere Hundert Arbeitsplätze an dem Standort, in einer industriell geprägten Region, in der Alternativen begrenzt sind.
Die von Beschäftigten selbst angesprochene Liquidationsgefahr ist damit nicht nur ein lokales Sozialthema. Sie ist auch ein Hinweis darauf, wie schwierig es ist, bestehende Industrie schnell in militärische Produktion zu überführen, wenn administrative Schritte und Auftragsfreigaben sich verzögern.
Europlasma ist an der Börse Euronext Access Paris unter dem Kürzel ALEUP notiert. Aktionäre setzen laut Bericht auf eine Veräußerung der Fonderie de Bretagne zusammen mit den militärischen Aktivitäten des Konzerns. Einen Zeitplan oder einen Käufer hat das Unternehmen bislang nicht öffentlich genannt.
Fonderie de Bretagne 2026 : les chiffres de la crise
- La Fonderie de Bretagne, à Caudan (Morbihan), n'a plus de trésorerie en 2026.
- Europlasma affiche un résultat net négatif de 35,5 millions d'euros sur ses comptes 2025.
- Les commissaires aux comptes d'Europlasma ne sont pas en mesure de certifier les comptes 2025.
- Les 3 millions d'euros attendus fin 2025 n'ont pas été versés à l'usine.
- Aucun financement public n'a été versé à la fonderie, faute d'arrêté ministériel publié.
- La production d'obus n'a jamais démarré : l'outil industriel est à l'arrêt sans commande ferme.
Sources
4 sources · 4 faits sourcés
