Französisch-Polynesien will seine maritime Überwachung 2026 deutlich hochfahren – und nimmt dafür eine Fläche von 1,6 Mio. km² Ozean in den Blick. Im Zentrum steht die exklusive Wirtschaftszone (ZEE) des französischen Überseegebiets im Pazifik, eine der größten weltweit.
Beschlossen wurde der Kurs am 8. Januar 2026 in der „Commission maritime mixte“ (CMM), einem gemeinsamen maritimen Steuerungsgremium von französischem Staat und polynesischer Regierung. Die Sitzung stand unter gemeinsamer Leitung des französischen Hochkommissars (Vertreter des Staates vor Ort) und des Präsidenten von Französisch-Polynesien.
Die Botschaft der Runde: weniger Parallelstrukturen, mehr echte Zusammenarbeit. Die beteiligten Behörden sollen „Synergien“ liefern – nicht nur zusätzliche Abstimmungsrunden. Als operatives Bindeglied zwischen Strategie und Alltag soll dabei ein weiteres Instrument dienen: das „Comité d’orientation stratégique portuaire et maritime“ (COSMer), das die Leitlinien in konkrete Politik und Umsetzung vor Ort übersetzen soll.
1,6 Mio. km² unter stärkerer Kontrolle – drei Behörden bekommen 2026 mehr Kapazitäten
In der CMM arbeiteten vier thematische Gruppen zu: Überwachung und Schutz der Meeresumwelt, Fischereikontrolle, Sicherheit auf See und Wassersport sowie Hydrographie. Ergebnis war ein Zwischenstand zu den Beschlüssen der vorherigen CMM im März 2024 – verbunden mit konkreten Ankündigungen für 2026.
Im Kern geht es um mehr Personal und mehr maritime Mittel. Drei Strukturen sollen 2026 parallel gestärkt werden: die französische Marine (Marine nationale), das Office français de la biodiversité (OFB, zuständig unter anderem für Biodiversität und Kontrollen) sowie der staatliche Dienst für maritime Angelegenheiten („affaires maritimes“).
Neue Küsten-Reserveeinheit der Marine soll Lücken schließen
Am greifbarsten ist die Ankündigung zur „Escouade de réserve côtière de Polynésie“: Diese Küsten-Reserveeinheit der Marine nationale soll 2026 in Französisch-Polynesien eingesetzt werden. Sie ist dafür gedacht, Küstenbereiche abzudecken, die Hochsee-Einheiten nicht dauerhaft überwachen können.
Auch das OFB soll Verstärkung erhalten – ebenso wie der Dienst für maritime Angelegenheiten. Damit reagiert die CMM direkt auf die Diagnose aus der Sitzung von 2024: zu viele Zuständigkeiten nebeneinander, zu wenig gemeinsame Schlagkraft. [1]
Die Arbeitsteilung ist klar umrissen: Die Küsten-Reserve der Marine soll die unmittelbaren Küsten- und Riffzonen abdecken; das OFB verantwortet Biodiversität und Fischereikontrollen; die „affaires maritimes“ kümmern sich um Sicherheit für die Schifffahrt und um Wassersport. Die CMM fordert, dass diese Akteure nicht länger in abgeschotteten Strukturen arbeiten.
Seit 2024 aufgebaut, durch die UN-Ozeankonferenz 2025 beschleunigt
Zwischen März 2024 und Januar 2026 hat sich der Rahmen für den Meeresschutz in Französisch-Polynesien spürbar verschoben. Die Olympischen Spiele im Sommer 2024 – mit Segelwettbewerben in Tahiti – brachten der Region internationale Aufmerksamkeit. Zudem vergab Ifrecor erstmals die „Toa Reef“-Trophäen, die den Schutz von Korallenriffen würdigen.
Vor allem aber wurde 2025 international als „Jahr des Meeres“ ausgerufen – mit einem Höhepunkt bei der UN-Ozeankonferenz (Unoc) in Nizza. Französisch-Polynesien, das eine der größten exklusiven Wirtschaftszonen der Welt verwaltet, verwies dort auf Arbeiten, die seit 2024 angestoßen worden waren.
Illegale Fischerei und Souveränität: Warum die ZEE strategisch ist
Hinter den institutionellen Formeln steckt ein strategisches Thema: Die polynesische ZEE gilt als besonders reich an Fischerei- und mineralischen Ressourcen im Pazifik. Zugleich steht sie unter konstantem Druck durch illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (INN).
Die Patrouillenschiffe der Marine nationale reichen nach Darstellung der CMM nicht aus, um ein Gebiet dieser Größe lückenlos zu kontrollieren. Genau hier soll die neue Küsten-Reserveeinheit zumindest teilweise eine Lücke schließen.
Auch der Schutz der Meeresumwelt ist politisch aufgeladen: Französisch-Polynesien tritt international mit dem Anspruch auf, den Ozean zu schützen. Dass 2026 – im Jahr nach der Unoc in Nizza – zusätzliche Mittel sichtbar werden, ist damit auch ein Signal nach außen.
COSMer soll aus Beschlüssen Umsetzung machen – und Budgets priorisieren
Das COSMer soll nach dem Willen der Verantwortlichen kein weiteres Gremium im ohnehin dichten Verwaltungsgeflecht sein. Es übernimmt eine strategische Steuerungsfunktion, die die CMM als nur punktuell tagendes Format nicht leisten kann.
Während die CMM Bilanz zieht und Leitlinien setzt, soll das COSMer die Kontinuität zwischen zwei Sitzungen sichern: Umsetzung verfolgen, Budgetprioritäten festlegen und die tägliche Koordination organisieren.
Französisch-Polynesien ist eines der wenigen französischen Territorien, in denen Staat und lokale Gebietskörperschaft maritime Zuständigkeiten so klar teilen. Die gemeinsame Leitung der CMM durch Hochkommissar und Präsident des Landes gilt als institutionelles Symbol dieser Doppel-Governance. Das COSMer soll sie Monat für Monat in praktische Arbeit übersetzen.
Ob die im Januar angekündigten Verstärkungen fristgerecht kommen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Marine nationale, OFB und maritime Verwaltung haben eigene Zeitpläne; die Abstimmung zwischen Paris und Papeete verlief in der Vergangenheit nicht immer reibungslos. Den Rahmen hat die CMM gesetzt – das COSMer muss ihn nun über 1,6 Mio. km² Ozean mit Leben füllen.
Quellen
TAHITI-INFOS.COM: „Les grands enjeux de la zone maritime de la Polynésie française“
