Die französische Region Grand Est rechnet 2026 mit einem kräftigen Schub aus dem Ausland: Nach aktuellen Projektionen könnten die ausländischen Investitionen im Jahresverlauf die Marke von 600 Mio. Euro überschreiten. Rückenwind kommt vom Investoren-Gipfel „Choose France“, der am 1. Juni 2026 im Schloss Versailles einen historischen Rekord meldete.
Beim neunten „Choose France“-Treffen summierten sich die angekündigten Projekte auf 93 Mrd. Euro – mehr als die acht vorherigen Ausgaben zusammen, die auf 87 Mrd. Euro kamen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der an diesem Tag auch SoftBank-Chef Masayoshi Son empfing, sprach von einer Bestmarke: „Das ist ganz offensichtlich mit großem Abstand eine Rekordausgabe, und das ist historisch.“
Grand Est – eine industrielle Grenzregion zu Deutschland, Luxemburg und der Schweiz – will einen Teil dieses Kapitalstroms anziehen. Sollte die Schwelle von 600 Mio. Euro 2026 tatsächlich fallen, wäre das für Gebiete, die lange von Verlagerungen und Werksschließungen geprägt waren, ein spürbarer Beschleunigungsschritt.
93 Milliarden Euro – warum der Rekordwert auch relativiert werden muss
Ein zentraler Punkt: Rund die Hälfte der 93 Mrd. Euro hängt an einem einzigen Akteur. SoftBank, der japanische Konzern von Masayoshi Son, kündigte bereits am Samstag vor dem Gipfel ein Infrastrukturprojekt rund um Künstliche Intelligenz an – mit einem Volumen von etwa 45 Mrd. Euro. Das enorme Gewicht dieses Einzelprojekts verändert den Blick auf die Gesamtsumme.
Daneben bleiben die übrigen Zusagen groß. Der emiratische Fonds MGX und die französische Staatsbank Bpifrance stellten die baldige Auswahl eines zweiten Standorts für KI-Infrastruktur in Aussicht – für rund 7,5 Mrd. Euro. Die Investmentgesellschaft Ardian und die nordische Plattform Verne kündigten 5 Mrd. Euro für Rechenzentren an. Salesforce wiederum kalkuliert mit Investitionen von 2 Mrd. Dollar bis 2030 in Frankreich. [1]
Auch Industrie und Logistik tauchen in den regionalen Ankündigungen prominent auf. Der belgische Entwickler von Industrieparks VGP will mehr als 1,5 Mrd. Euro investieren und verspricht 5.000 Jobs binnen sechs Jahren. DHL plant zusätzliche 160 Mio. Euro in den Jahren 2026–2027, um Infrastruktur zu modernisieren und den CO₂-Fußabdruck zu senken. InPost, Eigentümer von Mondial Relay, peilt mindestens 500 Mio. Euro zusätzliche Investitionen in Frankreich bis 2030 an. [4]
| Investisseur | Pays d’origine | Montant annoncé | Secteur |
|---|---|---|---|
| SoftBank | Japon | ~45 Md€ | Intelligence artificielle |
| MGX / Bpifrance | Émirats arabes unis / France | ~7,5 Md€ | Infrastructures IA |
| Ardian / Verne | France / Nordique | 5 Md€ | Centres de données |
| Marcegaglia | Italie | +600 M€ (total ~1,2 Md€) | Acier décarboné |
| VGP | Belgique | >1,5 Md€ | Parcs industriels |
| InPost | Pologne | >500 M€ d’ici 2030 | Logistique |
| DHL | Allemagne | ~160 M€ (2026-2027) | Transport / transition écologique |
| Salesforce | États-Unis | 2 Md$ d’ici 2030 | Informatique / cloud |
Source : Le Figaro
Frankreich meldet 2025 mehr Investitionsentscheidungen – auch dank neuer Zählweise
„Choose France“ steht in einem größeren Trend. 2025 registrierte Frankreich 1.878 Entscheidungen zu internationalen Investitionen – ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Business France mitteilt. [2] Damit erreichte das Land wieder ein Niveau, das 2024 verloren gegangen war – und lag zugleich über den Ergebnissen aus der Zeit vor der Covid-19-Pandemie.
Business France weist allerdings darauf hin, dass der Anstieg auch mit einer überarbeiteten Methodik zusammenhängt: Der staatliche Betreiber zählt nun alle angekündigten Jobs bereits ab Projektstart und erfasst zudem jede Verkaufsstelle als eigenes Projekt – um, so die Begründung, „die Attraktivität des Standorts Frankreich sowie die lokalen Auswirkungen der Investitionsentscheidung präziser zu messen“.
Frankreich behauptet nach diesen Angaben seine Spitzenposition in Europa bei der Ansiedlung ausländischer Investitionen. Roland Lescure, Minister für Wirtschaft und Finanzen, sagte nach dem Gipfel: „Wir haben eine Dynamik geschaffen, die dazu führt, dass Frankreich seine Stärken annimmt. Jetzt wollen wir bei wirtschaftlicher Souveränität, Energiesouveränität und digitaler Souveränität richtig Druck machen. Die Vorteile Frankreichs sind weltweit bekannt – und das beginnt vor allem mit dekarbonisiertem Strom, der in großen Mengen verfügbar und günstig ist.“ [5]
Warum der Grand Est auf Choose France 2026 setzt
Grand Est im Standortwettbewerb: Industrie, Grenze, günstigere Flächen
In Frankreich verteilt sich das Investitionsinteresse ungleich: Die Île-de-France und einige große Metropolen ziehen einen großen Teil der Projekte mit hoher Wertschöpfung an – vor allem in Digitalwirtschaft und Finanzsektor. Der Grand Est setzt dagegen auf andere Trümpfe: die Grenzlage zu Deutschland, Luxemburg und der Schweiz, industrielle Kapazitäten aus Metallurgie und Chemie sowie niedrigere Immobilienkosten als im Großraum Paris.
Die Erwartung, 2026 über 600 Mio. Euro zu kommen, knüpft an die 71 Ankündigungen an, die in Versailles gemacht wurden. Für Frankreich insgesamt geht der Élysée-Palast von 15.600 neuen Jobs aus. Wie viele davon am Ende im Grand Est entstehen, muss sich in den kommenden Monaten zeigen – die nationale Dynamik spricht jedoch für ein starkes Jahr 2026 in der Region.
Ein Beispiel für die industrielle Stoßrichtung ist „dekarbonisierter Stahl“: Der italienische Stahlkonzern Marcegaglia steckt weitere 600 Mio. Euro in sein Projekt Mistral in Fos-sur-Mer – insgesamt 1,2 Mrd. Euro. Solche schweren Industrievorhaben, jenseits des KI-Schwerpunkts, passen eher zum Profil von Regionen wie dem Grand Est als die von SoftBank angekündigten Mega-Rechenzentren. [4]
Für den nächsten Gipfel bleibt damit eine entscheidende Messlatte: Wie viel von den 93 Mrd. Euro wird tatsächlich zu Baustellen, installierten Anlagen und unterschriebenen Arbeitsverträgen – Region für Region, innerhalb der nächsten 18 Monate?
Choose France 2026 und Grand Est: die wichtigsten Zahlen
- 93 Mrd. Euro Ankündigungen bei Choose France 2026 – mehr als die acht vorherigen Gipfel zusammen (87 Mrd. Euro)
- SoftBank steht allein für rund 45 Mrd. Euro an KI-bezogenen Investitionen
- Frankreich registrierte 2025 insgesamt 1.878 Entscheidungen zu ausländischen Investitionen (+11 Prozent)
- 71 Projekte wurden am 1. Juni 2026 in Versailles vorgestellt – mit 15.600 erwarteten neuen Jobs
- Der Grand Est könnte 2026 die Marke von 600 Mio. Euro an ausländischen Investitionen überschreiten
Sources
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