Auf La Réunion – dem französischen Übersee-Département im Indischen Ozean – bleibt die Lust auf die eigene Firma auch 2026 ungebrochen. Wie in Frankreichs „Métropole“ (dem europäischen Festland) entscheiden sich weiterhin viele Menschen dafür, eine eigene Struktur aufzubauen: Projektträger, Handwerkerinnen und Handwerker, aber auch Beschäftigte in der beruflichen Neuorientierung.
Getrieben wird diese Entwicklung von einem immer dichter werdenden Unterstützungsnetz. Informationsabende, praktische Workshops und „Cafés“ für Gründerinnen und Gründer sollen helfen, typische Hürden von der Planung bis zur Umsetzung zu nehmen – und den Austausch unter Gleichgesinnten zu organisieren.
Dass sich diese Dynamik nicht nur auf Überseegebiete beschränkt, zeigt der Blick nach Île-de-France: Dort sind ab Mitte Juni 2026 mehrere Veranstaltungen rund um das Thema Unternehmertum angekündigt.
Rente für Handwerker und Rechte beim Absprung aus dem Job: Themen, die Gründer umtreiben
Ein Schwerpunkt, der bei künftigen und bereits aktiven Unternehmerinnen und Unternehmern besonders viel Aufmerksamkeit bekommt, ist die Altersvorsorge von Handwerksbetrieben. Die Chambre de Métiers et de l’Artisanat (Handwerkskammer) Paris–Île-de-France lädt dazu am Montag, 22. Juni, um 18 Uhr zu einer eigenen Informationsveranstaltung in ihre Räume im 12. Arrondissement von Paris ein.
Auf der Agenda stehen sehr konkrete Fragen: Wie wird die Rente berechnet? Was bedeutet es für die Altersplanung, wenn ein Betrieb übergeben oder verkauft wird? Welche Möglichkeiten gibt es beim „Cumul emploi-retraite“, also der Kombination aus Weiterarbeit und Rentenbezug? Und wie läuft eine endgültige Aufgabe der Tätigkeit ab? Ziel ist es, Handwerkerinnen und Handwerkern Werkzeuge an die Hand zu geben, um den Ausstieg aus dem Berufsleben frühzeitig zu organisieren.
Ein zweites Thema taucht in Beratungen regelmäßig auf: die Rechte von Beschäftigten, die ihren Job kündigen wollen, um zu gründen oder ein Unternehmen zu übernehmen. Seit 2019 kann in Frankreich eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer unter bestimmten Bedingungen kündigen, um ein Unternehmen zu gründen oder zu übernehmen – und dabei den Anspruch auf Arbeitslosenleistungen behalten. Das Instrument gilt als wenig bekannt; deshalb setzen Unterstützungsstrukturen verstärkt auf Info-Sessions, um die Regeln und Voraussetzungen zu erklären.
Ein enges Netz an Unterstützung – von Cergy bis Saint-Denis
Tragende Säulen dieses Ökosystems sind Verbände und Begleitstrukturen. In Île-de-France bieten Organisationen wie BGE PaRIF, Initiactive 95-78 oder Mieux Entreprendre regelmäßig Schulungen, Vernetzung und individuelle Begleitung mit Expertinnen und Experten an. Die Angebote sind territorial breit gestreut – etwa in Cergy, Saint-Ouen, Paris oder im Département Seine-et-Marne.
Auf La Réunion trifft diese Beratungskultur auf besondere wirtschaftliche Rahmenbedingungen: ein begrenzter lokaler Markt und ein stark von sehr kleinen Unternehmen (TPE) geprägtes Gefüge – zugleich aber auch ein wachsender Wunsch, sich aus klassischen Angestelltenverhältnissen zu lösen. Nationale Instrumente gelten auch dort, werden jedoch von lokalen Akteuren an die Bedingungen des Territoriums angepasst.
Begleitet wird die wirtschaftliche Entwicklung auf der Insel unter anderem von Imaz Press Réunion (IPR). Das 2000 gegründete Medium mit Sitz in Saint-Denis verfolgt die lokale Wirtschaftsberichterstattung nach eigenen Angaben eng und zählt – unter Leitung von Madhia Benhamla – zu den wenigen unabhängigen Medien der Insel, die die Fragen rund um das Unternehmertum regelmäßig aufgreifen.
