MBDA und Safran sind in die Schlussphase eingetreten, um den französischen Behörden den bodengebundenen ballistischen Flugkörper „Thundart“ anzubieten. Das gemeinsame Projekt der beiden Rüstungskonzerne ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass es in den laufenden Budgetentscheidungen in Paris auftaucht.
Ein Auftrag ist damit noch nicht verbunden. Doch dass Thundart im Rahmen der Beratungen zum französischen Haushaltsgesetz 2026 ausdrücklich in den Unterlagen genannt wird, gilt in der Branche als Signal: Das Vorhaben hat eine Schwelle an institutioneller Glaubwürdigkeit überschritten und wird politisch mitgedacht.
Parallel formiert sich Konkurrenz – und zwar nicht nur in Frankreich. ArianeGroup führt nach Informationen von opex360.com Gespräche mit Berlin über ein eigenes Konzept für einen bodengebundenen ballistischen Flugkörper. Damit stehen sich zwei industrielle Ansätze gegenüber: ein französisches Tandem aus MBDA und Safran – und ein Projekt, das seine Verankerung direkt über Verhandlungen mit der Bundesregierung sucht.
Thundart: MBDA und Safran bündeln Lenkwaffen- und Antriebskompetenz
Die Arbeitsteilung hinter Thundart ist klar: MBDA bringt Erfahrung mit taktischen und strategischen Lenkwaffen ein, Safran seine Kompetenz bei Antriebs- und Navigationssystemen. Zusammen decken die Unternehmen damit die zwei zentralen Technologiebereiche eines bodengebundenen ballistischen Flugkörpers ab.
In den Budgetdokumenten, die im Zuge des französischen Haushaltsgesetzes 2026 geprüft werden, wird Thundart explizit als Programm „unter Überprüfung“ aufgeführt. Für die Industrie ist das ein wichtiger Zwischenschritt: Die Nennung in der parlamentarischen Debatte ersetzt keine Bestellung, zeigt aber, dass das Projekt in den staatlichen Entscheidungsprozess eingezogen ist.
ArianeGroup und Berlin: Zweite Spur für einen europäischen Boden-Ballistikflugkörper
Dass ArianeGroup parallel in Deutschland vorstellig wird, unterstreicht die Zersplitterung der europäischen Industrielandschaft in diesem Segment. Während Paris Thundart als französische Option prüft, sucht ArianeGroup eine deutsche Anbindung für sein eigenes Konzept.
Beide Ansätze könnten nebeneinander existieren – oder in direkte Konkurrenz geraten, falls gemeinsame europäische Finanzierungstöpfe aktiviert werden. Die EU-Kommission hat bereits Bereitschaft gezeigt, Verteidigungsprogramme zu unterstützen, etwa mit ihrem Engagement für die Entwicklung eines neuen Kampfpanzers. Ein bodengebundener ballistischer Flugkörper könnte einer ähnlichen Logik folgen – was den Druck erklärt, sich beiderseits des Rheins früh zu positionieren.
MBDA setzt auf Langstrecke – Safran auf strategische Programme
Für MBDA passt Thundart in eine breiter angelegte Strategie, bei weitreichender Munition technologisch und industriell aufzurüsten. Der französisch-britannische Lenkwaffenhersteller hat nach eigenen Angaben bereits bei Programmen wie „Crossbow Heavy“ und „Spear Glider“ gezeigt, dass er schnell in große Stückzahlen hochfahren kann.
Safran wiederum verankert sich mit Thundart weiter in großen strategischen französischen Programmen – von Raumfahrtantrieben bis zu militärischen Führung- und Leitsystemen.
